Zurück zur Natur: Erste große Deichrückverlegung an der Elbe ist Vorzeigeprojekt für Klimaschutz und Artenvielfalt
Berlin/Bonn/Lenzen – Ein Jahrhundertprojekt zeigt Wirkung: Zehn Jahre nach dem Abschluss der ersten großen Deichrückverlegung in Deutschland legen der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) eine umfassende Evaluation vor. Das Ergebnis: Die Maßnahme an der Elbe bei Lenzen (Brandenburg) bringt messbare Vorteile für Hochwasserschutz, Artenvielfalt und natürlichen Klimaschutz – und ist ein Hoffnungsträger für künftige Renaturierungsprojekte im Zeichen der Klimakrise.
Zwischen 2002 und 2011 wurde ein 7,4 Kilometer langer Deich zurückverlegt. 420 Hektar ehemalige Nutzfläche – das entspricht rund 587 Fußballfeldern – wurden wieder an den Fluss angeschlossen und in eine vielfältige Auenlandschaft verwandelt. Nun belegen wissenschaftliche Langzeitdaten: Das Projekt ist ein Meilenstein ökologischer Flusspolitik.
„Mit der Deichrückverlegung bei Lenzen hat der BUND ein Mut-machendes Projekt umgesetzt. Wenn Hochwasserschutz, Landwirtschaft und Naturschutz konkret in der Fläche Hand in Hand arbeiten, können vielfältige Synergien entstehen“, so Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND.
Der Nutzen für den Hochwasserschutz ist eindrucksvoll belegt: Beim Elbe-Hochwasser 2002 mussten in der Region noch 2,5 Millionen Sandsäcke gestapelt werden. 2013, nach Abschluss des Projekts, blieben sie unbenutzt. Der Wasserspiegel war durch die Rückverlegung um bis zu 50 Zentimeter niedriger – ein Effekt, der sich 25 Kilometer flussabwärts bis nach Wittenberge auswirkte. Dort trug eine Pegelabsenkung von acht Zentimetern dazu bei, die Stadt vor Überflutung zu bewahren. Das hat die Akzeptanz in der Bevölkerung spürbar gestärkt.
„Intakte Auen bremsen Hochwasserspitzen ab, sind Kohlenstoffspeicher und Hotspots der Artenvielfalt“, betont Sabine Riewenherm, Präsidentin des BfN. „Jeder Hektar Auenrenaturierung zählt.“
Ein Refugium für Tiere – und ein Plus für das Klima
Die Renaturierung schuf neue Lebensräume: 63 Brutvogelarten, darunter Kiebitz, Seeadler und Braunkehlchen, sind heute in der Aue heimisch. Auch Amphibien- und Fischbestände erholten sich deutlich – darunter seltene Arten wie Bitterling, Schlammpeitzger und Zander. Das Projekt verwandelte monotones Grünland in eine lebendige Landschaft mit Flutmulden, Auenwäldern und einer Wildpferdeweide – wertvoll für Mensch und Natur gleichermaßen.