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Yellow September: Hitze trifft die Psyche härter als gedacht   

12.09.2026

Doppelt vulnerabel und oft auf sich allein gestellt: Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen oder kognitiven Beeinträchtigungen. Johanniter fordern Vorsorge für den nächsten Sommer

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© Zoltan_AI_Art pixabay.com
Wien - Hitzewellen werden in der öffentlichen Wahrnehmung oft mit Badeunfällen und überhitzten Innenstädten verbunden. Doch es gibt eine Gruppe, die in dieser Debatte kaum vorkommt: Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen oder kognitiven Beeinträchtigungen. Sie sind doppelt vulnerabel – und oft auf sich allein gestellt.
 

„Wer glaubt, mit dem Ende des Sommers sei auch das Thema erledigt, irrt", so Georg Aumayr, Leiter der Johanniter Forschung. „Die Menschen, die wir begleiten, spüren die Folgen oft noch lange nach den heißesten Tagen." Die Johanniter Forschung ruft zum Start des Aktionsmonats „Yellow September" dazu auf, jetzt für den kommenden Sommer vorzusorgen und vulnerable Gruppen zu schützen. „Wer jetzt beginnt, Strukturen und Schulungen aufzubauen, ist im kommenden Sommer besser vorbereitet.“

 

Menschen mit psychiatrischen Krankheiten besonders betroffen

Mit den Temperaturen steigt auch die Zahl hitzebedingter Spitalsaufenthalte und Todesfälle – und manche Gruppen trifft es besonders hart. Dazu zählen Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen: Viele Psychopharmaka beeinträchtigen die Thermoregulation des Körpers, wodurch Betroffene bei Hitze schwerer Abkühlung finden. Gleichzeitig verstärkt Hitze psychiatrische Symptome wie Angstzustände, Depressionen oder Aggressionen – wer ohnehin eine geringe Impulskontrolle hat, ist bei 35 Grad noch schwerer zu begleiten.
 

Besonders kritisch: Viele Betroffene nehmen ihre eigene Dehydrierung schlicht nicht wahr. Betreuungspersonen berichten, dass Klient:innen „das Trinken vergessen" oder „nicht merken, dass sie dehydriert sind". Auch fehlt oft die Fähigkeit zur Selbstfürsorge und das Gespür für passende Kleidung bei Hitze: "Manche gehen bei über 30 Grad im Pullover raus. Ohne externe Erinnerung und eine funktionierende Versorgungsstruktur kann das lebensbedrohlich werden,“ so Georg Aumayr.
 

Die Johanniter fordern daher Politik und Organisationen – auch sich selbst – auf, schon jetzt für den nächsten Sommer vorzusorgen, um Mitarbeitende und vulnerable Personen rechtzeitig zu schützen.

 

Konkrete Hitzeschutzmaßnahmen erforderlich

 

Das Forschungsprojekt der Johanniter Österreich, PARAHSOHL, widmet sich genau diesen vulnerablen Gruppen. PARAHSOHL steht für „Promoting Austrian Resilience Against Heat-related Sequels On Health". Gemeinsam mit österreichweiten Projektpartner:innen, unter der Leitung der Gesundheit Österreich GmbH, untersucht die Johanniter Forschung, wie sich Hitze auf Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen (F-Diagnosen) und kognitiven Beeinträchtigungen auswirkt. Gleichzeitig wurden konkrete Hitzeschutzmaßnahmen identifiziert, die in konkrete Handlungsempfehlungen an Organisationen und Politik einfließen sollen.
 

Die drei Hitzeschutzmaßnahmen, die in allen untersuchten Bereichen – Rettungs- und Krankentransport, Klinik, Mobile Pflege und Mobile Begleitung – mit einer besonders hohen Priorität versehen wurden sind kühle und begrünte Räume und Wege (z. B. gekühlte Pausenräume, grüne Innenhöfe und Gärten, Beschattung, gute Isolierung und Klimageräte), Schulungen und Trainings (z. B. Stärkung der Hitzekompetenz, Symptom-Erkennung bei Überhitzung, Trainings zur Selbstfürsorge – für Mitarbeitende, Betroffene und pflegende Angehörige), Hilfsmittel für körperliche Kühlung (z. B. Eis, Coolpacks, kalte Wickel, Fußbäder und Duschen).
 

Weiters wurden speziell in den Bereichen Rettungs- und Krankentransport und mobile Pflege die Klimatisierung öffentlicher Verkehrsmittel, an Hitze angepasste Kleidung und Uniformen (z. B. das Tragen von leichter, luftdurchlässiger Kleidung, Sonnenschutz und gelockerte Vorschriften bei Dienstkleidung) sowie die Erweiterung der Telemedizin während Hitzewellen, speziell für vulnerable Personen und pflegende Angehörige als besonders wichtig bewertet.
 

Als zentrales Ergebnis des Projekts entstehen neben Handlungsempfehlungen auch digitale Tools, die Organisationen beim Management und Einsatz von Hitzeschutzmaßnahmen unterstützen sollen, darunter beispielweise ein digitales Resilienzcheck-Tool, das Einrichtungen dabei helfen soll, Gefährdungslagen frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen zu koordinieren.

 

Der nächste Sommer kommt bestimmt

 

„Individuelle Strategien wie morgens lüften oder die Wasserflasche im Blickfeld helfen kurzfristig, reichen aber bei nicht aus", betonen die Projektverantwortlichen. „Was es braucht, sind strukturelle Antworten – von der Politik, von Trägern und von Einrichtungen." So könnte der Yellow September ein Anstoß sein, wichtige Hitzeschutzmaßnahmen bereits jetzt in Angriff zu nehmen und uns gut auf die Hitzesaison 2027 vorzubereiten, zum Wohle von uns allen und speziell auch für vulnerable Mitmenschen.“

 

Über PARAHSOHL
 

PARAHSOHL ist ein Forschungsprojekt der Johanniter Forschung mit österreichweiten Projektpartner:innen. Es wird von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG finanziert und von der Gesundheit Österreich GmbH geleitet.

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