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Wo bleibt die Bahn rund um Wien?

16.01.2007

Notwendiger Ausbau im Schienennetz– werden stattdessen Autobahnen geplant? – Eine Oekonews Recherche mit Fortsetzungen

ja © Michael Sigmund
ja © Michael Sigmund
Während rund um Wien sieben neue Autobahntrassen in Planung sind, gibt es im Schienennetz gravierende Mängel. Diese sollten dringend behoben werden, wenn nicht noch mehr Personen– und Güterverkehr auf die Straße abwandern soll.

Die Nordstrecke nach Bratislava über Marchegg: eingleisig und ohne Strom!

1989 fiel der eiserne Vorhang, Ende der 90er Jahre zeichnete sich ab, dass die Slowakei zur EU kommen wird. Eine gewaltige Großbaustelle zwischen Bruck an der Leitha und der Staatsgrenze lässt erkennen, dass dort derzeit eine Autobahn nach Bratislava (A6, Spange Kittsee) gebaut wird. Bei der Bahn tut sich dagegen fast nichts. Je nach Verkehrsminister gab es bei diversen Generalverkehrsplänen abwechselnd unterschiedliche Prioritäten, oftmals wurden Projekte verschoben, um Geldmittel für zweifelhafte, politisch durchgesetzte Großprojekte freizumachen (z.B. Koralmbahn für Jörg Haider).
Beispiel Nordstrecke nach Bratislava: Ab Stadlau ist die Strecke nach Bratislava eingleisig, bei der Hausfeldstrasse (Donaustadt) endet auch die Oberleitung, sodass nur mehr Dieselloks fahren können. Ein Ausbau dieser Strecke auf zwei Gleise (zumindest abschnittweise für Gegenzüge) inklusive Elektrifizierung ist dringend nötig. Die Strecke über Marchegg hat den enormen Vorteil, dass sie direkt zum Hauptbahnhof von Bratislava führt, also dicht ans Zentrum, während die Strecke über Bruck an der Leitha und Kittsee in einem abgelegenen Vorort (Petrzalka) endet.
Baubeginn war lange Zeit erst für 2014 oder 2020 projektiert (je nach Verkehrsminister), dürfte wohl nun schon wesentlich früher stattfinden, je nach Finanzierung.
Fazit: Der Marchegger Ast muss schnellstens elektrifiziert und auf zwei Gleise ausgebaut werden, da sonst der ansteigende Güterverkehr auf einer von Erwin Pröll geforderten Marchfeldautobahn S8 landet, die sich Pröll zwischen Lobauautobahn und der Slowakei wünscht. 17 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gibt es noch nicht einmal ein Einreichprojekt für die Bahnlinie am Marchegger Ast, geschweige denn ein Behördenverfahren dazu.

Donauquerung Stadlauer Brücke: zwei Gleise fehlen!

Als die Stadt Wien in den frühen 90er Jahren erstmals plante, das Flugfeld Aspern zu verbauen, gab es noch kein Projekt einer U2 nach Aspern. Damals wollte man die Schnellbahn S80 (Südbahnhof – Hausfeldstrasse) bis zum Flugfeld verlängern und etwa alle 5 bis 10 Minuten fahren lassen (derzeit fährt sie alle 30 Minuten). Die Donauquerung über die Stadlauer Brücke (Ostbahnbrücke) sollte von zwei auf vier Gleise ausgebaut werden, zwei Gleise für den Regionalverkehr, zwei Gleise für den Fernverkehr. Bei der Hebung der Ostbahnbrücke (durch das Kraftwerk Freudenau stieg der Spiegel der Donau) wurde im Prater bereits ein breiter Damm für vier Gleise angelegt, der heute noch gut sichtbar ist. Als das Projekt U2–Aspern entstand, landete das Projekt der 4–gleisigen Donauquerung im Papierkorb.
Inzwischen nahm der Bahnverkehr in diesem Bereich zu, es gibt stündlich einen Zug von und nach Bratislava sowie viele Güterzüge aus dem Osten, und es gibt halbstündlich eine neue Schnellbahnlinie S8 vom Südbahnhof über Simmering und Stadlau nach Leopoldau und Floridsdorf. Die Schnellbahnlinie S80 wurde jedoch Ende 2005 von 3 Zügen pro Stunde auf 2 Züge pro Stunde reduziert: Eine innerstädtische Bahnachse, die parallel zur Praterbrücke verläuft, mit zwei Zügen in der Hauptverkehrszeit!!! Grund ist die Überlastung der Donauquerung. Wie ÖBB–Vertreter (inoffiziell) mitteilten, bräuchte man dringend die 4–gleisige Donauquerung, da auf zwei Gleisen nicht genug Platz für Regionalverkehr und Fernverkehr existiert.
Fazit: Eine 4–gleisige Donauquerung zwischen Simmering und Stadlau ist dringend notwendig. Da Planung und Behördenverfahren aufwändig sind, sollte der Beschluss dazu möglichst bald erfolgen, da dieses Nadelöhr sonst noch lange den Bahnverkehr nach Osten und den innerstädtischen Schnellbahnverkehr behindert. Hätte schon in den 90er Jahren gebaut werden müssen.

Verknüpfung S–Bahn S80 Richtung Liesing

Auch die ÖBB weiß seit Jahren, dass eine Weiterführung der S80 aus der Donaustadt Richtung Liesing dringend nötig ist. Bisher enden die Züge blind am Südbahnhof, die U1 ist weit entfernt. Der Bau einer Schleife für die S80 zur Einbindung in die Stammstrecke (über Südtirolerplatz U1 und Meidling U6 nach Liesing) wurde jahrelang hinausgezögert, da man auf den Zentralbahnhof warten wollte. Nach Eröffnung des Zentralbahnhofs (etwa 2011?) wird die S80 nun endlich nach Westen weiterfahren können (nach Liesing, oder über Speising zur S45 Vorortelinie).
Fazit: Hätte längst passieren müssen. Sehr viel Zeit ist schon verloren gegangen.
Lesen Sie morgen mehr!!

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16.01.2007 | Autor*in: holler
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