Windkraft in Niederösterreich: Zivilgesellschaft will Zustimmung sichtbar machen
St. Pölten - Windkraft wird in Niederösterreich kontrovers diskutiert. Gleichzeitig gibt es breite Unterstützung für erneuerbare Energien und auch für Windräder in der eigenen Gemeinde. Diese Zustimmung will eine Gruppe von Bürger:innen gemeinsam mit Wissenschafter:innen stärker sichtbar machen.
Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Windpark Schildberg stellten sich Vertreter:innen der Zivilgesellschaft hinter den weiteren Ausbau der Windenergie. Sie wollen damit einem öffentlichen Eindruck entgegentreten, wonach Windkraft grundsätzlich auf Ablehnung stoße oder mit dem Schutz der Natur unvereinbar sei.
Repräsentative Befragungen zeigen laut den Initiator:innen seit Jahren eine hohe Zustimmung. Zwischen 2015 und 2025 erklärten demnach 60 bis 74 Prozent der Befragten, dass sie einem Windrad in der eigenen Gemeinde zustimmen würden.
„Unsere Heimat leidet unter der Klimakrise“
Niki Brunner aus Allentsteig möchte jene Menschen vertreten, die sich für Windkraft aussprechen, im öffentlichen Diskurs aber weniger sichtbar seien.
„Als junger Mensch aus dem Waldviertel sehe ich, wie unsere Heimat unter der Klimakrise leidet – von Borkenkäferbefall, Hagelereignissen und dem Hochwasser 2024 bis zur diesjährigen Hitzekatastrophe“, sagt Brunner. Der Ausbau der Windenergie könne dazu beitragen, fossile Kraftwerke zu ersetzen und die Abhängigkeit von importiertem Öl und Gas zu reduzieren.
Auch in Traismauer gibt es Unterstützer:innen der Windkraft. Alexander Kesselring gründete gemeinsam mit anderen die unabhängige Bürgerinitiative „Traismauer im Aufwind“. Die Initiative wolle auch jenen Menschen eine Stimme geben, die ein Windkraftprojekt in der Region befürworten.
Gerade die Frage nach Windkraft im Wald werde häufig mit dem Argument des Naturschutzes verbunden. Kesselring verweist auf eine Exkursion seiner Initiative zu einem bestehenden Windpark, bei der sich die Teilnehmer:innen selbst ein Bild von einem Windkraftprojekt im Wald machen konnten.
Naturschutz und Klimaschutz gemeinsam denken
Dass nicht jeder Standort für Windkraft geeignet ist, betont auch Biodiversitätsforscher Franz Essl. Für Windkraftanlagen brauche es aus seiner Sicht klare ökologische Ausschlusskriterien, etwa in Naturschutzgebieten oder sensiblen Brutgebieten gefährdeter Vogelarten.
Gleichzeitig dürften Klimaschutz und Naturschutz nicht gegeneinander ausgespielt werden. „Wenn wir die Natur schützen möchten, müssen wir den Klimawandel eindämmen“, so Essl. Der Ausbau der Windkraft sei dabei eine wichtige Maßnahme, um den Ausstieg aus Öl und Gas zu beschleunigen.
Die ausgewiesenen Windkraftzonen sollten daher auch tatsächlich für den Ausbau genutzt werden, argumentiert der Wissenschaftler.
Neue Broschüre soll Fakten von Mythen trennen
Unterstützung kommt auch von den Scientists for Future Österreich. Die Wissenschaftler:innen haben eine neue Faktenbroschüre zur Windkraft veröffentlicht. Sie soll Bürger:innen, Gemeinden und Journalist:innen eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für die Diskussion bieten.
„Viele der Bedenken rund um Windkraft sind wissenschaftlich bereits gut erforscht“, erklärt der niederösterreichische Doktorand und Mitautor Max Nutz. Ziel sei es, Fakten und häufig verbreitete Behauptungen besser voneinander unterscheiden zu können.
Nutz sieht Windkraft als wichtigen Bestandteil eines vielfältigen Energiesystems. Gerade im Winter erzeugten Windräder besonders viel Strom und könnten damit Wasserkraft und Photovoltaik ergänzen.
Für die Energiewende gehe es deshalb nicht um ein Entweder-oder: „Die Energiewende ist die Kombination aus allen dreien“ – Energieeinsparung, Photovoltaik und Windkraft.
Energie-Stammtische im Waldviertel
Die Veranstaltung in Schildberg soll der Auftakt für weitere Aktivitäten sein. Fridays for Future und Scientists for Future planen vom 2. bis 4. Oktober 2026 drei Energie-Stammtische im Waldviertel – in Horn, Zwettl und Bärnkopf.
Mit dabei sind unter anderem Johannes Schmidt von der Universität für Bodenkultur, Sigrid Stagl von der Wirtschaftsuniversität Wien und Hanns Moshammer von der Medizinischen Universität Wien. Sie wollen mit Bürger:innen direkt über die Energiewende und Windkraft diskutieren und Fragen zu häufigen Einwänden beantworten.
Damit soll eine Diskussion angestoßen werden, in der neben kritischen Stimmen auch jene Menschen stärker zu Wort kommen, die den Ausbau der erneuerbaren Energien unterstützen.
Treffen unter dem Motto „Impulse für die Energiewende“
Fr, 2.10 in Horn (S-Treff, 18 Uhr) mit Univ. Prof. Dr. Johannes Schmidt von der Boku Wien
Sa, 3.10. in Zwettl (Bergwirt Schrammel, 18 Uhr) mit Univ. Prof Dr. Hanns Moshammer von der MedUni Wien
So, 4.10. in Bärnkopf (Pfarrsaal, 16 Uhr) mit Univ. Prof Dr. Sigrid Stagl von der WU Wien
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