WindEnergy Hamburg: Windkraft wird zum Schlüssel für Europas Energiesicherheit
Im Mittelpunkt stehen Ausbau, Netze, Speicher, Wettbewerbsfähigkeit und die Verringerung der Abhängigkeit von fossilen Energieimporten.
Hamburg - Die Windenergiebranche will angesichts geopolitischer Unsicherheiten und der anhaltenden Energiewende deutlich stärker wachsen. Das wurde zum Auftakt der WindEnergy Hamburg 2026 deutlich. Rund 43.000 Teilnehmer:innen aus etwa 100 Ländern werden bis 25. September auf dem Hamburger Messegelände erwartet. Mehr als 1.600 Unternehmen präsentieren auf über 83.000 Quadratmetern Produkte und Lösungen für die Onshore- und Offshore-Windenergie.
Die Botschaft der Eröffnung war dabei klar: Windenergie soll nicht nur zur Reduktion von Treibhausgasen beitragen, sondern zunehmend auch die Energiesicherheit und wirtschaftliche Unabhängigkeit stärken.
„Mehr Energieerzeugung durch Wind bedeutet eine größere Unabhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen und senkt die CO₂-Emissionen“, betonte Claus Ulrich Selbach, Vice President Exhibitions Maritime & Energy der Hamburg Messe und Congress.
Auch die europäischen Windenergieverbände sehen erheblichen Handlungsbedarf. Tinne Van der Straeten, CEO von WindEurope und frühere belgische Energieministerin, verwies auf den geplanten Ausbau in Europa.
Nach ihren Angaben könnten in diesem Jahr in Europa rund 24 Gigawatt Windkraft neu installiert werden. Das entspreche laut WindEurope rechnerisch dem Strombedarf von rund 20 Millionen Haushalten und könne gleichzeitig den Import fossiler Energieträger reduzieren.
Damit der Ausbau weiter an Tempo gewinnt, seien allerdings Investitionen in Netze, eine stärkere Elektrifizierung sowie verlässliche Ausschreibungen und langfristige Ausbauziele notwendig, so Van der Straeten.
Gerade beim Netzausbau zeigt sich eine zentrale Herausforderung der Energiewende: Neue Windkraftanlagen können nur dann ihr Potenzial ausschöpfen, wenn ausreichend Netzkapazitäten, Speicher und flexible Verbraucher zur Verfügung stehen.
Entsprechend rückt die WindEnergy Hamburg 2026 nicht nur die Windräder selbst in den Mittelpunkt. Erstmals gibt es einen eigenen Energy-Storage-Bereich in Halle A2 mit rund 3.600 Quadratmetern.
Damit wird deutlich, wie stark sich die Themen Windkraft und Speicher inzwischen verbinden. Mit steigenden Anteilen erneuerbarer Energien wächst der Bedarf, Strom zeitlich flexibel bereitzustellen, Netze zu entlasten und Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abzustimmen.
Neben Batteriespeichern geht es auf der Messe auch um Netzinfrastruktur, Digitalisierung, Systemintegration und die gesamte Wertschöpfungskette der Windenergie.
Die Entwicklung der Windenergie ist längst kein rein europäisches Thema. Ben Backwell, CEO des Global Wind Energy Council (GWEC), bezeichnete Windenergie als wichtigen Baustein für ein sauberes, sicheres und bezahlbares Energiesystem.
Besonders Asien-Pazifik und Europa gelten als wichtige Wachstumsregionen. Auf der Hamburger Messe treffen deshalb Unternehmen und politische Vertreter:innen aus zahlreichen Ländern aufeinander.
Auch Indien und die Türkei präsentierten ihre Ausbaupläne. Die EU-Kommission brachte die europäische Perspektive ein. Vertreter:innen von Unternehmen wie Vestas, Siemens Gamesa, EDP, ENERTRAG, Iberdrola, Ørsted, Flender und Vattenfall diskutierten über die weitere Entwicklung der Branche.
Die WindEnergy Hamburg versteht sich dabei nicht nur als klassische Fachmesse. Mehr als 300 Speaker:innen diskutieren auf sechs Open Stages über technologische, wirtschaftliche und politische Fragen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem die weitere Kostensenkung der Windenergie, Lieferketten, Finanzierung, Netze, Speicher, Offshore-Windkraft und die internationale Entwicklung der Märkte.
Für die Branche geht es dabei um mehr als neue Anlagen: Die Windenergie soll zunehmend Bestandteil eines integrierten Energiesystems werden, in dem Stromerzeugung, Netze, Speicher und flexible Nachfrage zusammenspielen.
Die WindEnergy Hamburg läuft noch bis 25. September 2026. Mehr als 1.600 Aussteller aus rund 40 Ländern präsentieren ihre Technologien und Dienstleistungen auf der Messe. Mit der Messe will Hamburg erneut zum internationalen Treffpunkt der Windindustrie werden. Eine weitere Internationalisierung ist bereits geplant: Im Mai 2027 soll in Singapur die WindEnergy Asia-Pacific powered by RECHARGE stattfinden.
Für die Windbranche ist Hamburg damit nicht nur eine Leistungsschau der aktuellen Technik, sondern vor allem ein Forum für die Frage, wie schnell Windenergie weltweit weiter ausgebaut werden kann und welche Netze, Speicher und politischen Rahmenbedingungen dafür notwendig sind.