Wien ist Europas Nachtzug-Hauptstadt - der Rest der EU schläft noch
Unter den erreichbaren Zielen finden sich zahlreiche wichtige europäische Städte, darunter Amsterdam, Berlin, Bukarest, Hamburg, Warschau und Zürich. Auch Rom ist derzeit täglich erreichbar. Wegen Bauarbeiten wird die Verbindung allerdings ab 21. August vorübergehend nur bis Bologna geführt und soll erst ab 20. September wieder bis Rom verkehren.
Budapest und Bukarest auf Platz zwei
Hinter Wien folgen Bukarest und Budapest mit jeweils zwölf Nachtzug-Zielen. Von Bukarest aus verkehren zehn dieser Verbindungen täglich, von Budapest neun. Auf den weiteren Plätzen liegen Prag und Paris mit jeweils zehn erreichbaren Destinationen.
Insgesamt ist das Nachtzugangebot innerhalb der EU allerdings noch weit von einem flächendeckenden europäischen Netz entfernt. Nur 17 der EU-Hauptstädte verfügen überhaupt über Nachtzugverbindungen. Regelmäßige tägliche Nachtzüge gibt es laut VCÖ von nur 15 Hauptstädten.
Besonders groß sind die Lücken in Süd-, West- und Nordosteuropa: Von Athen, Dublin, Valletta, Lissabon, Luxemburg, Madrid, Nikosia, Tallinn, Riga und Vilnius gibt es derzeit keine Nachtzugverbindungen.
Wien: 15 Nachtzugverbindungen (davon 13 täglich)
Bukarest: 12 (davon 10 täglich)
Budapest: 12 (davon 9 täglich)
Prag: 10 (davon 9 täglich)
Paris: 10 (davon 8 täglich)
Rom: 9 (davon 5 täglich)
Warschau: 8 (davon 7 täglich)
Berlin: 7 (davon 3 täglich)
Sofia: 5 (davon 5 täglich)
Stockholm: 5 (davon 3 täglich)
Zagreb: 5 (davon 2 täglich)
Amsterdam: 4 (davon 3 täglich)
Brüssel: 4 (keiner täglich)
Ljubljana: 4 (davon 2 täglich)
Bratislava: 3 (davon 3 täglich)
Helsinki: 3 (davon 2 täglich)
Kopenhagen: 2 (keiner täglich)
Keine Nachtzugverbindungen:
Athen, Dublin, Valetta, Lissabon, Luxemburg, Madrid, Nikosia, Tallinn, Riga, Vilnius.
Quelle: Back on Track, Bahnunternehmen, VCÖ 2026
Europa braucht ein besseres internationales Bahnnetz
Für den VCÖ ist die Spitzenposition Wiens zwar erfreulich, gleichzeitig zeigt das Ranking aber auch die Schwächen des europäischen Bahnverkehrs. Internationale Zugverbindungen seien über Jahrzehnte nicht ausreichend ausgebaut worden.
„Von keiner EU-Hauptstadt aus gibt es so viele Nachtzugverbindungen wie von Wien“, sagt VCÖ-Experte Michael Schwendinger. Gleichzeitig sei der Aufholbedarf in Europa enorm.
Aus Sicht des VCÖ sollte jede Großstadt und jede Hauptstadt am europäischen Festland gut mit der Bahn erreichbar sein – auch über Nacht. Dafür brauche es mehr grenzüberschreitende Verbindungen sowie bessere Voraussetzungen für die Planung und Buchung internationaler Bahnreisen.
Denn gerade bei internationalen Zugreisen ist die Suche nach einer passenden Verbindung heute häufig komplizierter als bei Flugreisen. Unterschiedliche Bahngesellschaften, Buchungssysteme und Tarife erschweren die Planung.
Nachfrage nach Bahnreisen steigt
Dass das Interesse an Bahnreisen vorhanden ist, zeigen auch die österreichischen Zahlen. Laut Statistik Austria wurden im vergangenen Jahr 4,11 Millionen Urlaubsreisen mit der Bahn unternommen – ein neuer Höchstwert. Davon führten 1,37 Millionen Zugreisen ins Ausland. Zusätzlich kamen rund 250.000 geschäftliche Bahnreisen ins Ausland hinzu.
Der Nachtzug könnte dabei eine besondere Rolle spielen: Lange Distanzen lassen sich während der Schlafenszeit zurücklegen, während gleichzeitig eine Hotelnacht und – gegenüber dem Flugzeug – häufig auch ein Flughafentransfer eingespart werden können.
Wien zeigt, was möglich ist. Aber die Rangliste macht auch deutlich: Von einem wirklich europäischen Nachtzugnetz ist die EU noch weit entfernt. Gerade auf langen internationalen Strecken könnte die Bahn eine deutlich stärkere Alternative zum Flugverkehr werden: Aber nur, wenn die Verbindungen vorhanden, zuverlässig und einfach buchbar sind.