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Wiederholte Dürre schwächt Ökosysteme nachhaltig

19.10.2025

Studie mit Innsbrucker Beteiligung zeigt: Intensität von Trockenperioden entscheidend für Pflanzenwachstum

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Versuchsfläche im Tiroler Stubaital: Im Stubaital untersuchte das Team um Michael Bahn auf Almwiesen mithilfe spezieller Versuchszelte, wie sich die Klimaerwärmung auf den Kohlendioxidhaushalt von Landökosystemen auswirkt. © Eva Fessler
Innsbruck/Rom -  Wenn Trockenphasen über mehrere Jahre hinweg besonders stark ausfallen, verlieren viele Ökosysteme dauerhaft an Produktivität. Zu diesem Schluss kommt eine neue internationale Studie, die in der Fachzeitschrift Science erschienen ist. Das Forschungsteam, an dem auch der Innsbrucker Ökologe Michael Bahn beteiligt war, zeigt: Vor allem wiederholte extreme Dürren bremsen die Erholung von Gras- und Strauchlandschaften deutlich.
 Dürre verändert Funktionsweise der Ökosysteme 

Extreme Trockenheit wirkt sich nicht nur kurzfristig aus, sondern verändert langfristig die Funktionsweise ganzer Ökosysteme. Im Rahmen des International Drought Experiment (IDE) untersuchten mehr als 170 Forschende auf sechs Kontinenten, wie unterschiedlich starke und anhaltende Dürreperioden das Pflanzenwachstum beeinflussen.
 

In Gras- und Strauchlandschaften, die rund 40 Prozent der Erdoberfläche bedecken, reduzierten die Forschenden gezielt die Niederschlagsmenge. So konnten sie messen, wie sich Dürredauer und -intensität auf die Biomasse auswirken. Das Ergebnis: Nach vier Jahren extremer Dürre war die Produktivität der Vegetation im Durchschnitt 2,5-mal geringer als im ersten Trockenjahr.
 

„Unsere Daten zeigen, dass die Intensität einer Dürre entscheidend ist – und dass sich der Effekt nochmals deutlich verstärkt, wenn extreme Dürre wiederholt auftritt“, erklärt Michael Bahn, Leiter der Arbeitsgruppe Funktionelle Ökologie am Institut für Ökologie der Universität Innsbruck.
 

Folgen für Europa und Österreich 

Die Erkenntnisse sind auch für Mitteleuropa relevant. „Wir beobachten bereits heute, dass Dürreereignisse häufiger und intensiver auftreten – besonders in den trockeneren Regionen des Ostens und Südens sowie in Teilen der Alpen“, so Bahn. Selbst bei gleichbleibender Niederschlagsmenge führe die Erwärmung der Atmosphäre zu stärkerer Verdunstung und damit zu trockeneren Böden.

Das hat Folgen für Landwirtschaft und Umwelt: „Grasland ist eine wichtige Grundlage für die Viehwirtschaft und ein zentraler Kohlenstoffspeicher. Wenn sich Dürreereignisse häufen, werden diese Ökosysteme geschwächt – mit Auswirkungen auf Artenvielfalt, Wasserhaushalt und den globalen Kohlenstoffkreislauf“, warnt der Ökologe.

Klimaschutz als beste Vorsorge

Die Studie unterstreicht, dass Klimaschutz auch Bodenschutz bedeutet. „Je besser es gelingt, den Temperaturanstieg insgesamt zu begrenzen, desto geringer wird das Risiko häufiger und intensiver Dürreperioden“, betont Bahn. Nur so könne die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen erhalten bleiben.

Die Ergebnisse liefern eine wichtige Grundlage, um die Folgen des Klimawandels auf natürliche und landwirtschaftliche Systeme besser vorherzusagen und Anpassungsstrategien zu entwickeln. Zugleich verdeutlichen sie, wie eng ökologische Stabilität und menschliche Lebensgrundlagen miteinander verknüpft sind – von der Kohlenstoffspeicherung über die Artenvielfalt bis hin zur Nahrungsmittelproduktion. 


 

Publikation:
Drought intensity and duration interact to magnify losses in primary productivity.
T. Ohlert et al., Science (2025). DOI: 10.1126/science.ads8144

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Versuchsfläche im Tiroler Stubaital: Im Stubaital untersuchte das Team um Michael Bahn auf Almwiesen mithilfe spezieller Versuchszelte, wie sich die Klimaerwärmung auf den Kohlendioxidhaushalt von Landökosystemen auswirkt. © Eva Fessler