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Wenn Hitze zur Energiefrage wird: Unternehmen müssen ihr Energiemanagement neu denken

17.08.2026

Hitzewellen zeigen zunehmend, wie eng Klimaveränderungen und Energiesystem miteinander verbunden sind. Für Unternehmen werden Daten, vorausschauende Planung, Energieeffizienz und Flexibilität damit zu entscheidenden Erfolgsfaktoren.

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Roland Kuras, Geschäftsführer der PowerSolution Energieberatung GmbH © RAFFEINER REPUTATION
Die anhaltenden Hitzewellen in Mitteleuropa machen sichtbar, was sich bereits seit Jahren abzeichnet: Wetter- und Klimaveränderungen wirken sich unmittelbar auf das Energiesystem aus. Sie beeinflussen die Stromerzeugung, die Belastung der Netze und das Verbrauchsverhalten  und damit auch Versorgungssicherheit und Energiekosten von Unternehmen.

„Wir sehen, dass Hitzeperioden nicht nur eine Frage des Wetters sind, sondern zu einem relevanten Faktor für Energieerzeugung, Netzauslastung und Stromverbrauch werden“, sagt Roland Kuras, Geschäftsführer der PowerSolution Energieberatung GmbH. Für Unternehmen werde Energiemanagement dadurch zwar komplexer, gleichzeitig entstünden aber neue Möglichkeiten, wenn Daten, Flexibilität und Effizienz zusammengedacht werden.


Klimaveränderungen erhöhen die Volatilität

Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen bei der Stromerzeugung. Wasserkraft ist Österreichs wichtigste Stromquelle und lieferte 2025 mehr als die Hälfte der Bruttostromerzeugung. Trockenperioden, veränderte Niederschlagsmuster und hohe Temperaturen können die Produktion jedoch zeitweise beeinträchtigen. Im Juli 2026 lag die Wasserkraftproduktion laut Fraunhofer Energy Charts rund 40 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Aber auch konventionelle Kraftwerke können während extremer Hitzeperioden vor Herausforderungen stehen, etwa wenn Kühlwasser knapp wird oder dessen Temperatur steigt.

„Das bedeutet nicht, dass wir eine Schwächung der Erneuerbaren sehen, sondern eine höhere Sensibilität des Gesamtsystems gegenüber Wetterextremen“, erklärt Kuras. Erneuerbare Energien blieben das Rückgrat der Energiewende. Entscheidend sei jedoch, besser zu verstehen, wie sich Erzeugung und Verbrauch unter veränderten klimatischen Bedingungen verschieben.
 

Wind, Sonne, Wasser und Speicher gemeinsam denken

Mit der zunehmenden Elektrifizierung steigt gleichzeitig der Strombedarf. Hitzewellen können diesen Effekt noch verstärken: Klimaanlagen und Kühlsysteme treiben den Verbrauch gerade dann nach oben, wenn das Energiesystem besonders gefordert ist.
 

Eine Antwort darauf ist ein breit aufgestelltes erneuerbares Energiesystem. Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik haben unterschiedliche Erzeugungsprofile und können sich gegenseitig ergänzen. Das europäische Stromverbundnetz hilft zusätzlich dabei, regionale Schwankungen auszugleichen.
 

Eine zentrale Rolle spielen dabei Speicher. Batteriespeicher, Pumpspeicherkraftwerke und thermische Speicher können Strom zeitlich verschieben und Erzeugung und Verbrauch voneinander entkoppeln. Auch flexible Verbraucher werden wichtiger: Unternehmen können bestimmte Prozesse gezielt in Zeiten verschieben, in denen Strom günstig verfügbar oder das Netz weniger stark belastet ist.
 

„Die gute Nachricht ist: Wir kennen die Bausteine eines stabilen, erneuerbaren Energiesystems: Wasser, Wind, Photovoltaik, Speicher und starke Verbund- und Verteilnetze“, sagt Kuras. Die Herausforderung liege zunehmend in der Koordination und im Umgang mit der Volatilität.
 

Für Unternehmen wird Flexibilität zum Wettbewerbsvorteil

Was auf Ebene des Energiesystems passiert, kommt direkt bei den Unternehmen an. Energiekosten bestehen längst nicht mehr nur aus dem eigentlichen Strompreis. Auch Netzkosten sowie Abgaben und Steuern spielen eine wichtige Rolle.
 

Dabei gewinnen Lastspitzen und die Frage, wann Strom verbraucht wird, an Bedeutung. Unternehmen, die ihre Energieverbräuche gezielt steuern können, erhalten dadurch neue Handlungsmöglichkeiten.
 

„Unternehmen, die Energie weiterhin als fixe Kostenposition behandeln, lassen wesentliche Gestaltungsspielräume liegen“, warnt Kuras. Wer seine Lastprofile kenne, Flexibilitäten identifiziere und auf Preis- und Netzsignale reagieren könne, habe die Möglichkeit, Kosten zu senken und gleichzeitig Risiken zu reduzieren.
 

Ein Beispiel dafür sind zeitabhängige Netzentgeltmodelle. Der Sommer-Nieder-Arbeitspreis der E-Control schafft bereits heute Anreize, Verbräuche in Zeiten geringerer Netzbelastung zu verlagern. Derzeit gilt dieses Modell allerdings nur auf Netzebene 7. Mit einer weiteren Entwicklung dynamischer Tarife und stärker differenzierter Netzentgelte dürfte die Bedeutung flexiblen Verbrauchs weiter zunehmen.
 

Gebäude werden im Sommer zum Energiespeicher

Besonders großes Potenzial liegt bei Gebäuden. Steigende Temperaturen erhöhen den Energiebedarf für Kühlung und Klimatisierung und können damit gerade an heißen Tagen zusätzliche Lastspitzen verursachen.

Neben effizienter Kältetechnik lohnt sich daher der Blick auf Maßnahmen, die den Kühlbedarf von vornherein reduzieren. Verschattung, außenliegender Sonnenschutz, Begrünung oder eine geeignete Gebäudegestaltung können verhindern, dass sich Räume stark aufheizen.
 

Auch thermische Speicher können helfen. Eisspeicher oder andere Speichersysteme ermöglichen es, Kälte zeitlich unabhängig vom unmittelbaren Bedarf bereitzustellen.
 

„Jede Kilowattstunde, die durch kluge Gebäudekonzepte gar nicht erst benötigt wird, entlastet das Unternehmen, das Netz und damit unser Energiesystem“, betont Kuras. Gerade unter den Bedingungen des Klimawandels würden vielfach bekannte Technologien und Maßnahmen strategisch wichtiger.
 

Gute Energiedaten werden zum Schlüssel

Damit Unternehmen diese Möglichkeiten nutzen können, brauchen sie vor allem eines: eine solide Datenbasis. Entscheidend ist zu wissen, wann, wo und wofür Energie verbraucht wird.
 

Lastgänge, Leistungsspitzen und temperaturabhängige Verbrauchsmuster können zeigen, wo Einspar- und Flexibilitätspotenziale liegen. Auf dieser Grundlage lassen sich Szenarien für unterschiedliche Wetterlagen, Strompreise und Tarife entwickeln.
 

Aus Sicht von PowerSolution sollten Unternehmen deshalb ihre Energiedaten strukturiert aufbereiten, Verbrauch und Erzeugung vorausschauend planen und vorhandene technische wie organisatorische Flexibilität aktiv nutzen.
 

Denn Hitzeperioden dürften nicht nur häufiger zum Thema werden: Sie verändern auch die Anforderungen an das Energiemanagement. Wer seine Energieverbräuche und Lastprofile kennt, kann auf diese Veränderungen besser reagieren und gleichzeitig wirtschaftliche Chancen nutzen.

„Klimawandel und Energiewende nehmen Unternehmen nicht die Verantwortung ab, sondern erhöhen den Steuerungsbedarf“, fasst Kuras zusammen. „Wer seine Energiedaten im Griff hat, kann Volatilität nicht nur aushalten, sondern aktiv nutzen  -  für geringere Kosten, mehr Versorgungssicherheit und einen nachhaltigen Beitrag zum Klimaschutz.“

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