Wenn die Wohnung zum Backofen wird: Hitzemessungen zeigen alarmierende Belastung für ältere Menschen
In sieben Wohnungen wurden an mindestens neun Tagen mehr als 30 Grad gemessen, in einer Wohnung sogar an 26 Tagen. Greenpeace und Seniorenorganisationen fordern deshalb mehr Hitzeschutz im Mietrecht und eine Sanierungsoffensive.
Die Wohnung gilt eigentlich als Rückzugsort vor der Hitze. Doch gerade für ältere Menschen kann sie im Sommer selbst zur Gesundheitsgefahr werden. Das zeigen Messungen von Greenpeace, dem Österreichischen Seniorenrat und der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU).
Von Mitte Juni bis Mitte August wurden in zwölf Wohnungen von Wiener Senior:innen Temperatur und Luftfeuchtigkeit erfasst.
Die Ergebnisse sind eindeutig: In allen zwölf Wohnungen wurden an mindestens 14 Tagen mehr als 27 Grad gemessen. In der am stärksten belasteten Wohnung wurde diese Marke sogar an 60 von 61 Messtagen überschritten. In sieben Wohnungen stieg die Temperatur an mindestens neun Tagen über 30 Grad. Spitzenreiter war eine Wohnung mit 26 Tagen über 30 Grad.
Besonders problematisch ist, dass sich die Wohnungen auch nachts vielfach nicht ausreichend abkühlen. In der Hälfte der untersuchten Wohnungen blieb die Temperatur an mindestens 25 Nächten über 27 Grad.
Auch nachts keine Erholung
Gerade die fehlende nächtliche Abkühlung macht die Hitze zur Dauerbelastung. Der Körper kann sich kaum regenerieren, Schlaf wird schwieriger und das Herz-Kreislauf-System bleibt unter Stress.
Die Rückmeldungen der Bewohner:innen bestätigen die Messdaten: Die Hälfte der Befragten berichtete von körperlicher Erschöpfung. Fünf Haushalte meldeten schwere Kreislaufprobleme, sechs Erschöpfungszustände und drei schlaflose Nächte.
Während des Höhepunkts der August-Hitzewelle vom 3. bis 7. August zeigte sich die Situation besonders drastisch. In fünf der zwölf Wohnungen lagen die Temperaturen über weite Strecken bei mehr als 30 Grad.
Altbau, fehlende Dämmung und fehlender Sonnenschutz verschärfen die Situation
Die Ursachen für den Hitzestau sind laut den Initiatoren der Untersuchung vielfach baulich bedingt. Die Mehrheit der untersuchten Wohnungen befindet sich in schlecht gedämmten Altbauten und verfügt über keinen oder nur unzureichenden außenliegenden Sonnenschutz.
Hinzu kommt die Umgebung: Mehr als die Hälfte der untersuchten Wohnungen liegt in stark bis sehr stark versiegelten Gebieten. Asphalt und Beton speichern die Wärme und verhindern eine ausreichende nächtliche Abkühlung.
„Besonders stark heizen sich Wohnungen auf, die direkt besonnt werden und keine außenliegende Beschattung haben“, erklärt Herbert Formayer, Professor für Meteorologie und Klimatologie an der BOKU. Die zunehmende Hitze sei keine vorübergehende Ausnahmeerscheinung, sondern eine Folge der Klimakrise.
Ältere Menschen besonders gefährdet
Für ältere Menschen ist die Situation besonders kritisch. Sie verbringen häufig viel Zeit in der eigenen Wohnung und können einer überhitzten Wohnsituation daher nicht einfach ausweichen. Gleichzeitig können gesundheitliche und finanzielle Einschränkungen die Möglichkeiten zur individuellen Kühlung begrenzen.
Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes, sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf: Eine Wohnung müsse Schutz bieten. Hitze sei mittlerweile eine ernstzunehmende gesundheitliche Bedrohung und dürfe nicht allein zur Verantwortung der Betroffenen gemacht werden.
Auch Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbandes Österreichs, warnt vor einer sozialen Schieflage: Der Schutz vor Hitze dürfe nicht vom Einkommen oder der Wohnsituation abhängen. Gefordert seien klimafitte Wohnungen, Begrünung und Beschattung, kühle öffentliche Räume und Trinkwasserstellen sowie verbindliche Hitzeaktionspläne.
Forderung nach Hitzeschutz im Mietrecht
Greenpeace und die Seniorenorganisationen richten ihre Forderungen deshalb direkt an die Bundesregierung.
Klimaminister Totschnig soll eine Sanierungsoffensive vorantreiben.
Wohnminister Babler wird aufgefordert, Hitzeschutz im Mietrecht zu verankern.
Dazu gehören aus Sicht der Organisationen unter anderem wirksamer außenliegender Sonnenschutz und die Möglichkeit von Mietminderungen bei unzumutbarer Hitzebelastung. Auch für Alten- und Pflegeheime werden österreichweit einheitliche Hitzeschutzstandards gefordert.
Die Messungen machen ein grundsätzliches Problem sichtbar: Klimaanpassung beginnt nicht erst im öffentlichen Raum. Wenn sich eine Wohnung über Wochen aufheizt und nachts kaum mehr abkühlt, wird der private Wohnraum selbst zum Teil des Gesundheitsproblems.
Die Daten der Messreihe sind über ein Online-Dashboard abrufbar. Die Ergebnisse unterstreichen auch eine politische Herausforderung: Österreich muss nicht nur den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase reduzieren, sondern seine Städte und Gebäude gleichzeitig auf die bereits unvermeidbaren höheren Temperaturen vorbereiten.
Denn: Hitzeschutz ist Gesundheitsschutz.
Die Wohnung gilt eigentlich als Rückzugsort vor der Hitze. Doch gerade für ältere Menschen kann sie im Sommer selbst zur Gesundheitsgefahr werden. Das zeigen Messungen von Greenpeace, dem Österreichischen Seniorenrat und der Universität für Bodenkultur Wien (BOKU).
Von Mitte Juni bis Mitte August wurden in zwölf Wohnungen von Wiener Senior:innen Temperatur und Luftfeuchtigkeit erfasst.
Die Ergebnisse sind eindeutig: In allen zwölf Wohnungen wurden an mindestens 14 Tagen mehr als 27 Grad gemessen. In der am stärksten belasteten Wohnung wurde diese Marke sogar an 60 von 61 Messtagen überschritten. In sieben Wohnungen stieg die Temperatur an mindestens neun Tagen über 30 Grad. Spitzenreiter war eine Wohnung mit 26 Tagen über 30 Grad.
Besonders problematisch ist, dass sich die Wohnungen auch nachts vielfach nicht ausreichend abkühlen. In der Hälfte der untersuchten Wohnungen blieb die Temperatur an mindestens 25 Nächten über 27 Grad.
Auch nachts keine Erholung
Gerade die fehlende nächtliche Abkühlung macht die Hitze zur Dauerbelastung. Der Körper kann sich kaum regenerieren, Schlaf wird schwieriger und das Herz-Kreislauf-System bleibt unter Stress.
Die Rückmeldungen der Bewohner:innen bestätigen die Messdaten: Die Hälfte der Befragten berichtete von körperlicher Erschöpfung. Fünf Haushalte meldeten schwere Kreislaufprobleme, sechs Erschöpfungszustände und drei schlaflose Nächte.
Während des Höhepunkts der August-Hitzewelle vom 3. bis 7. August zeigte sich die Situation besonders drastisch. In fünf der zwölf Wohnungen lagen die Temperaturen über weite Strecken bei mehr als 30 Grad.
Altbau, fehlende Dämmung und fehlender Sonnenschutz verschärfen die Situation
Die Ursachen für den Hitzestau sind laut den Initiatoren der Untersuchung vielfach baulich bedingt. Die Mehrheit der untersuchten Wohnungen befindet sich in schlecht gedämmten Altbauten und verfügt über keinen oder nur unzureichenden außenliegenden Sonnenschutz.
Hinzu kommt die Umgebung: Mehr als die Hälfte der untersuchten Wohnungen liegt in stark bis sehr stark versiegelten Gebieten. Asphalt und Beton speichern die Wärme und verhindern eine ausreichende nächtliche Abkühlung.
„Besonders stark heizen sich Wohnungen auf, die direkt besonnt werden und keine außenliegende Beschattung haben“, erklärt Herbert Formayer, Professor für Meteorologie und Klimatologie an der BOKU. Die zunehmende Hitze sei keine vorübergehende Ausnahmeerscheinung, sondern eine Folge der Klimakrise.
Ältere Menschen besonders gefährdet
Für ältere Menschen ist die Situation besonders kritisch. Sie verbringen häufig viel Zeit in der eigenen Wohnung und können einer überhitzten Wohnsituation daher nicht einfach ausweichen. Gleichzeitig können gesundheitliche und finanzielle Einschränkungen die Möglichkeiten zur individuellen Kühlung begrenzen.
Ingrid Korosec, Präsidentin des Österreichischen Seniorenbundes, sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf: Eine Wohnung müsse Schutz bieten. Hitze sei mittlerweile eine ernstzunehmende gesundheitliche Bedrohung und dürfe nicht allein zur Verantwortung der Betroffenen gemacht werden.
Auch Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Pensionistenverbandes Österreichs, warnt vor einer sozialen Schieflage: Der Schutz vor Hitze dürfe nicht vom Einkommen oder der Wohnsituation abhängen. Gefordert seien klimafitte Wohnungen, Begrünung und Beschattung, kühle öffentliche Räume und Trinkwasserstellen sowie verbindliche Hitzeaktionspläne.
Forderung nach Hitzeschutz im Mietrecht
Greenpeace und die Seniorenorganisationen richten ihre Forderungen deshalb direkt an die Bundesregierung.
Klimaminister Totschnig soll eine Sanierungsoffensive vorantreiben.
Wohnminister Babler wird aufgefordert, Hitzeschutz im Mietrecht zu verankern.
Dazu gehören aus Sicht der Organisationen unter anderem wirksamer außenliegender Sonnenschutz und die Möglichkeit von Mietminderungen bei unzumutbarer Hitzebelastung. Auch für Alten- und Pflegeheime werden österreichweit einheitliche Hitzeschutzstandards gefordert.
Die Messungen machen ein grundsätzliches Problem sichtbar: Klimaanpassung beginnt nicht erst im öffentlichen Raum. Wenn sich eine Wohnung über Wochen aufheizt und nachts kaum mehr abkühlt, wird der private Wohnraum selbst zum Teil des Gesundheitsproblems.
Die Daten der Messreihe sind über ein Online-Dashboard abrufbar. Die Ergebnisse unterstreichen auch eine politische Herausforderung: Österreich muss nicht nur den Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase reduzieren, sondern seine Städte und Gebäude gleichzeitig auf die bereits unvermeidbaren höheren Temperaturen vorbereiten.
Denn: Hitzeschutz ist Gesundheitsschutz.