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Weltweiter Skandal um Rinderschiff vor Türkei – Spur führt zu Exportfirma in Österreich

14.11.2025

Der Fall der „Spiridon II“ zeigt die strukturellen Risiken der Lebendtierexporte. Offiziell bisher 58 tote Rinder, 140 Fehlgeburten, 90 vermisste Kälber an Bord.

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Spiridon II © Animal Welfare Foundation/ Animal Save Movement Türkiye
Bandırma/Wien  -  Der Fall geht derzeit um die Welt: Ein über 50 Jahre alter Frachter mit togolesischer Flagge, beladen mit fast 3.000 Rindern aus Uruguay, liegt seit Wochen vor der türkischen Küste fest. Dutzende Tiere sind bereits verendet, die Zustände an Bord gelten als katastrophal. Die „Spiridon II“ ist zum Symbol für das Versagen internationaler Tiertransporte geworden – Recherchen von The Marker führen zu einer möglichen Beteiligung eines Unternehmens aus Österreich.

Wie The Marker recherchiert hat, könnte das Unternehmen an der Organisation oder Durchführung des Rinderexports maßgeblich beteiligt gewesen sein – möglicherweise im Auftrag oder als Partner der uruguayischen Exportfirma Ganosan. Die The Marker vorliegenden Informationen legen eine direkte operative Rolle nahe.
 

Mindestens 58 Rinder tot – Internationale Kritik wächst

 

Die „Spiridon II“ wurde am 22. Oktober 2025 in Bandirma (Türkei) gestoppt, nachdem bei fast 500 Rindern gravierende Dokumentationsmängel festgestellt wurden. Über 100 Tiere trugen keine Ohrmarken, bei den anderen stimmten die Kennungen nicht mit den Begleitpapieren überein. Die türkischen Behörden verweigerten die Einfuhr – seitdem sitzt das Schiff fest.

Ein Zwischenstopp zum Nachladen von Futter wurde am 8. November erlaubt – die Tiere blieben jedoch an Bord. Laut Gerichtsakten sind seither mindestens 58 Rinder verendet. Zudem erlitten 140 trächtige Tiere während der Überfahrt Fehlgeburten. 50 neugeborene Kälber wurden lebend gefunden, weitere 90 geborene Kälber blieben laut Kapitän unauffindbar.

Mehrere NGOs, darunter die Animal Welfare Foundation, drängen auf eine sofortige Entladung der Tiere. Projektleiterin Maria Boada Saña, die den Fall genau beobachtet, warnt: „Nach der wochenlangen Überfahrt von Uruguay in die Türkei sind die Tiere ohnehin geschwächt. Jede weitere Verzögerung bedeutet massives Tierleid.“
 

Österreichs Exportpolitik: Hochrisiko-Märkte trotz bekannter Probleme

 

Recherchen von The Marker zeigen, dass das österreichische, mutmaßlich in Uruguay beteiligte Unternehmen, auch Rinder aus Österreich nach Algerien exportiert. Laut Statistiken der Rinderzucht Austria wurden im 1. Halbjahr 2025 insgesamt 5.754 Rinder nach Algerien exportiert – ein Plus von 3.400 Tieren gegenüber dem Vorjahr. Damit ging nahezu die Hälfte aller österreichischen Zuchtrinderexporte in diesem Zeitraum in das nordafrikanische Land.

Diese Transporte folgen dem gleichen Prinzip: Meist trächtige Rinder werden über Sammelstellen in Österreich zusammengeführt, anschließend per Lkw an einen Hafen transportiert und dort auf Schiffe verladen, die tagelang unterwegs sind. Die Risiken sind identisch: unklare Zuständigkeiten, fehlende Kontrolle auf hoher See, extreme Transportdauern, und eine rechtliche Grauzone, sobald die Schiffe die EU-Gewässer verlassen.

Die Tragödie von Bandirma kann sich jederzeit auch mit österreichischen Tieren wiederholen, weil sie unter vergleichbaren Bedingungen und auf denselben Schiffstypen transportiert werden. „Unsere Recherchen zeigen, dass dieser Fall kein Ausreißer ist, sondern ein strukturelles Problem. Wer Tiere auf diese Routen schickt, muss damit rechnen, dass genau solche Situationen entstehen“, sagt Tobias Giesinger von der Investigativ-Plattform The Marker.

Auf schriftliche Anfrage von The Marker reagierte das Unternehmen nicht; telefonisch wurde eine Beteiligung an dem Transport bestritten.

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