Von Preisschock bis Energiewende: E-Control zieht Bilanz der letzten fünf Jahre
Die E-Control blickt auf eine Zeit zurück, in der vor allem die Bewältigung von Herausforderungen im Mittelpunkt stand – von der Covid-Pandemie bis zur Energiepreiskrise infolge des Ukraine-Kriegs sowie aktuellste Entwicklungen. E-Control Vorstand Wolfgang Urbantschitsch, dessen Vertrag nach zwei Funktionsperioden nicht noch einmal verlängert werden kann, zieht Bilanz und betont: „Auch jetzt stehen wir wieder vor herausfordernden Zeiten. Heute wollen wir aber in erster Linie noch einmal zurückschauen.“
Extreme Preisschwankungen und ihre Folgen
Die Energiepreise erlebten massive Schwankungen. Während sie zu Beginn der Pandemie stark sanken, stiegen sie ab 2021 – verstärkt durch geopolitische Spannungen – rasant an. Im Sommer 2022 erreichten Strom- und Gaspreise historische Höchststände. Diese Entwicklungen trafen Haushalte direkt: Neukundenangebote wurden zeitweise extrem teuer, während bestehende Verträge verzögert nachzogen.
Staatliche Maßnahmen wie der Stromkostenzuschuss halfen, die Belastung abzufedern. Inzwischen haben sich die Preise wieder etwas stabilisiert, bleiben aber anfällig für geopolitische Entwicklungen.
Weniger Wettbewerb, langsame Erholung
Die Krise führte zu einem deutlichen Rückgang von Anbietern und Tarifen. Viele Energieunternehmen zogen sich aus dem Wettbewerb zurück, besonders im Gasbereich. Zwar hat sich die Lage inzwischen verbessert, das Angebot liegt aber weiterhin unter dem Vorkrisenniveau. Auch die Wechselbereitschaft der Kund:innen bleibt vergleichsweise niedrig.
Gasversorgung neu organisiert
Ein zentraler Umbruch betrifft die Gasversorgung: Es gab starke Verbrauchsrückgänge sowie Unsicherheiten über die künftige Rolle von Gas. „Sinkende Absatzmengen verteilen die Netzkosten auf weniger Verbrauch – das führt zu höheren Gasnetzentgelten," betont Alfons Haber, Vorstand der E-Control.
Die Abhängigkeit Österreichs von russischem Gas wurde stark reduziert. Neue Lieferquellen wie LNG sowie Importe aus Norwegen und anderen Regionen gewannen an Bedeutung. Österreich reagierte unter anderem mit einer strategischen Gasreserve und zusätzlichen Maßnahmen zur Sicherung der Versorgung.
Energiesystem im Wandel – Erneuerbare und Energiegemeinschaften im Aufwind
Parallel zur Krisenbewältigung wurde die Energiewende deutlich vorangetrieben. Vor allem der Ausbau von Photovoltaik legte stark zu. In den vergangenen fünf Jahren sind beinahe 8 GW PV, allerdings nur etwas über 1 GW an Windkraft zugebaut worden. Gleichzeitig gewinnen Energiegemeinschaften zunehmend an Bedeutung: Mitte des Vorjahres gab es 3.868 erneuerbare Energiegemeinschaften, 737 Bürgerenergiegemeinschaften (BEGs) und 5.043 Gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen (GEAs). Solcher Zusammenschlüsse ermöglichen es Bürger:innen, gemeinsam Strom zu erzeugen, zu nutzen und Kosten zu teilen.
Gleichzeitig steigt der Druck auf die Netze: Für den Ausbau der Strominfrastruktur sind bis 2034 Investitionen von rund 30 Milliarden Euro geplant. Diese sind notwendig für Elektrifizierung und erneuerbare Energie, führen aber wahrscheinlich auch zu steigenden Netzkosten.
Ausblick bleibt herausfordernd
Auch wenn sich die Lage zuletzt beruhigt hat, bleiben Unsicherheiten bestehen. Die Energiepreise könnten durch geopolitische Entwicklungen erneut unter Druck geraten. Für Konsument:innen bleibt es daher wichtig, ihren Verbrauch im Blick zu behalten und Tarife regelmäßig zu vergleichen.
Die E-Control betont: Eine stabile Energieversorgung konnte trotz aller Krisen sichergestellt werden – doch die kommenden Jahre werden weiterhin große Herausforderungen bringen.