Von Null auf 1.000 Kilometer: Kelag Energie & Wärme feiert historischen Fernwärme-Meilenstein
St. Andrä / Kärnten. Es ist ein symbolträchtiger Moment mit enormer Tragweite für die regionale Energiewende: Die Kelag Energie & Wärme verlegt in der Stadtgemeinde St. Andrä im Lavanttal den 1.000sten Kilometer ihrer Fernwärmetrasse. Anlass ist die Netzanbindung einer modernen, zukunftsweisenden Wohnanlage des Kärntner Siedlungswerkes (KSW). Damit schließt sich am historischen Ursprungsort des Starts der KELAG-Fernwärme ein Kreis, der vor über 35 Jahren als visionäres Pionierprojekt begann.
Um die Bedeutung dieses Meilensteins zu verstehen, hilft ein Blick zurück ins Jahr 1989. Damals betrat die Kelag unternehmerisches Neuland und nahm im November die erste Ausbaustufe des Fernwärmenetzes in St. Andrä in Betrieb. Was aus heutiger Sicht bescheiden klingt – ein 7,5 Kilometer langes Netz und rund 200 Kunden mit Fernwärmelieferverträgen –, war der Grundstein für eine Erfolgsgeschichte. Umgesetzt in enger Kooperation mit der damaligen ÖDK, stammte die Wärme anfänglich aus dem lokalen Dampfkraftwerk sowie zwei Biomassekesseln. Was einst klein in St. Andrä begann, entwickelte sich über Jahrzehnte hinweg zu einem zentralen Geschäftsfeld, das heute im Tochterunternehmen Kelag Energie & Wärme gebündelt ist.
Aus den Anfängen im Lavanttal hat sich das Unternehmen dynamisch entwickelt. Reinhard Draxler, Vorstand der Kelag, fasst den bemerkenswerten Wachstumskurs zusammen: „Wir haben bei null angefangen und halten jetzt bei 1.000 km Fernwärmetrasse. Unser Tochterunternehmen Kelag Energie & Wärme ist heute der größte österreichweit tätige Fernwärmeanbieter auf der Basis von industrieller Abwärme und Biomasse und damit die Nummer 2 auf dem österreichischen Fernwärmemarkt.“
Mittlerweile betreibt das Unternehmen 89 Fernwärmenetze und rund 900 Heizzentralen in ganz Österreich, liefert rund zwei Milliarden Kilowattstunden Fernwärme an seine Kunden und beschäftigt knapp 300 Mitarbeiter. Das Versorgungsgebiet erstreckt sich von Vorarlberg bis ins Burgenland und von Kärnten bis ins niederösterreichische Waldviertel.
In St. Andrä selbst ist die Fernwärme längst eine tragende Säule der kommunalen Infrastruktur. Aktuell versorgt das rund 20 Kilometer lange Netz etwa 400 Gebäude pro Jahr mit rund 16 Millionen Kilowattstunden (kWh) grüner Wärme – dies entspricht dem Bedarf von rund 3.200 Wohnungen. Neben klassischen Wohnräumen profitiert auch die lokale Wirtschaft: Eine Besonderheit des Netzes stellt die energetische Maistrocknung dar.
Die Reise ist hier jedoch noch lange nicht zu Ende. Die Wärme, die derzeit primär aus dem Biomasseheizwerk St. Andrä bezogen wird, soll zukünftig durch die Integration industrieller Abwärme der Firma Mondi in Frantschach noch nachhaltiger und krisensicherer werden.
„Wir arbeiten am Projekt der Fernwärmetransportleitung zwischen den Netzen in St. Andrä und Wolfsberg/ Frantschach-St. Gertraud“, erläutert Adolf Melcher, Sprecher der Geschäftsführung der Kelag Energie & Wärme. „Nach deren Inbetriebnahme im Jahr 2027 können wir beide Netze energiewirtschaftlich optimieren und die Sicherheit der Versorgung in beiden Netzen weiter erhöhen.“
Auch über 2027 hinaus bleibt das Wachstum stark: Bis zum Jahr 2040 prognostiziert Melcher allein für das Netz in St. Andrä ein zusätzliches Absatzpotenzial von rund fünf Millionen Kilowattstunden.
Ein zentraler Erfolgsfaktor der vergangenen 37 Jahre war und bleibt die Kontinuität in den Partnerschaften. Damals wie heute gilt, dass sich Großprojekte im Bereich der erneuerbaren Energien nur im Schulterschluss mit den Gemeinden und der regionalen Wirtschaft realisieren lassen.
„Investitionen in den Fernwärmeausbau erfordern Ausdauer und eine langfristige Planung“, betont Reinhard Draxler. „ Auch heute ist die Zusammenarbeit mit den Gemeinden ein wichtiger Erfolgsfaktor: Nur in enger Partnerschaft mit den Gemeinden lassen sich Fernwärmesysteme nachhaltig umsetzen. Schon 1989 setzte die Kelag auf Kooperationen, mit der ÖDK als Wärmelieferant und mit der Stadtgemeinde St. Andrä mit dem damaligen Bürgermeister Rudolf Kores.“
Geförderter Wohnbau setzt neue Maßstäbe: Das KSW-Projekt
Wie eine solche zukunftsorientierte Partnerschaft in der Praxis aussieht, zeigt die Kooperation mit dem Kärntner Siedlungswerk (KSW). Bundesweit werden bereits rund 25 Liegenschaften mit nahezu 1.000 Wohnungen des KSW durch die Kelag mit Wärme versorgt. Das neueste Projekt in St. Andrä verbindet nun moderne energetische Standards mit sozialer Verantwortung.
Hier entstehen aktuell 24 geförderte Mietwohnungen, die im anspruchsvollen klimaaktiv Silber Standard realisiert werden. Das Gebäude verbindet eine ressourcenschonende Bauweise mit einer hauseigenen Photovoltaikanlage und dem neu gelegten Fernwärmeanschluss. KSW-Geschäftsführer Stefan Konecny erklärt: „Eine verlässliche und nachhaltige Energieversorgung ist heute ein zentraler Bestandteil zukunftsfähiger Wohnbauprojekte. Das KSW setzt im Wohnbau konsequent auf zeitgemäße energetische Standards. Unsere langjährige Zusammenarbeit mit der Kelag Energie & Wärme zeigt, wie wichtig starke regionale Partnerschaften für eine nachhaltige und leistbare Wohnbauentwicklung sind.“
Inklusion und Ökologie Hand in Hand
Neben den strengen ökologischen Auflagen zeichnet sich das Bauprojekt durch eine ausgeprägte gesellschaftliche Komponente aus. In enger Kooperation mit dem Hilfswerk Kärnten werden im Erdgeschoss des Gebäudes vier voll betreute Wohneinheiten für Menschen mit Beeinträchtigung realisiert.
Florian Stadtschreiber, ebenfalls Geschäftsführer des KSW, führt dazu aus: „Damit verbindet unser Wohnprojekt in St. Andrä ökologische und soziale Nachhaltigkeit auf besondere Weise. Mit großzügigen Freiflächen, Photovoltaik und einer modernen Energieversorgung entsteht hier leistbarer Wohnraum mit hoher Lebensqualität, der Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Inklusion verbindet. Unser Anspruch als gemeinnütziger Bauträger ist es, leistbaren Wohnraum zu schaffen, der gleichzeitig ökologisch nachhaltig, qualitativ hochwertig und zukunftsorientiert ist.“
Die feierliche Begehung der Baustelle des 1.000sten Trassenkilometers stieß auch in der Politik auf reges Interesse. Maria Knauder, Bürgermeisterin der Stadt St. Andrä im Lavanttal, meint zur historischen Kontinuität vor Ort: „Es freut mich sehr, dass dieser besondere Meilenstein gerade hier in St. Andrä erreicht wird. Das erste Fernwärmeprojekt der Kelag wurde damals in unserer Stadt begonnen. Umso schöner ist es, dass wir heute den 1.000sten Kilometer Fernwärmetrasse ebenfalls hier in St. Andrä feiern dürfen. Mit dem Ausbau wird in eine nachhaltige Energieversorgung investiert, die zugleich die Lebensqualität in St. Andrä weiter verbessert und eine gute Zukunft für kommende Generationen schafft.“
Landeshauptmann Daniel Fellner, der selbst Bürger der Stadtgemeinde St. Andrä ist, sieht in dem Meilenstein ein wichtiges Aufbruchssignal für das gesamte Bundesland: „Der 1.000ste Kilometer Fernwärmetrasse in St. Andrä ist ein starkes Zeichen dafür, wie konsequent wir in Kärnten an einer nachhaltigen Energiezukunft arbeiten. Mit der Verbindung der Fernwärmesysteme im Lavanttal entsteht eine moderne, intelligente Wärmeversorgung, von der die Menschen in der Region langfristig profitieren. Dieses Projekt steht für Klimaschutz und Versorgungssicherheit, vor allem aber auch für echten Fortschritt vor Ort.“