Von der Leyen bei der UNO: „Europas Zukunft muss elektrisch sein“
Für von der Leyen ist die Klimakrise eng mit einer zweiten Frage verbunden: der europäischen Energiesicherheit. Die Erfahrungen mit dem russischen Gasstopp hätten gezeigt, wie riskant eine starke Abhängigkeit von Energieimporten sei. Auch die jüngsten Verwerfungen rund um die Straße von Hormus hätten Europa die Kosten fossiler Abhängigkeiten erneut vor Augen geführt. Seit Beginn des Konflikts seien dadurch zusätzliche Kosten von rund 90 Milliarden Euro für fossile Energieimporte entstanden , ohne dass Europa dadurch mehr Energie erhalten habe.
Als zentralen Ausweg nennt die Kommissionspräsidentin den Ausbau heimischer sauberer Energie. In Europa stammen nach ihren Angaben bereits rund 70 Prozent des Stroms aus sauberen Energiequellen (Leider ist für van der Leyen auch Kernenergie eine solche). Gleichzeitig betont sie, dass erneuerbare Energien weltweit die am schnellsten wachsende Energiequelle seien.
Besonders deutlich wird sie beim Thema Elektrifizierung: Bis 2040 soll sich der Anteil von Strom am Energieverbrauch Europas verdoppeln. Dadurch könnten die jährlichen Kosten für importierte fossile Brennstoffe um rund 260 Milliarden Euro sinken.
„Europa mit Strom zu versorgen heißt, Europa unabhängiger zu machen“, lautet die Botschaft der Kommissionspräsidentin.
Gleichzeitig macht von der Leyen auf ein Problem aufmerksam, das für die Energiewende immer wichtiger wird: Nicht die Erzeugung allein entscheidet über den Erfolg, sondern auch Netze, Speicher und Flexibilität.
Allein im vergangenen Jahr wurden in der EU mehr als 80 Gigawatt erneuerbare Erzeugungskapazität installiert. Gleichzeitig wartet laut von der Leyen eine Kapazität, die etwa dem Sechsfachen dieser Größenordnung entspricht, noch auf ihren Netzanschluss.
Für die Kommissionspräsidentin ist das eine klare Aufforderung zum Handeln: Netzausbau und Netzanschlüsse müssten beschleunigt, Speicher ausgebaut und das europäische Energiesystem flexibler werden.
Das passt auch zu den energiepolitischen Vorhaben der EU-Kommission. Im Juli stellte die Kommission einen Electrification Action Plan vor, der die Elektrifizierung beschleunigen und Hindernisse für den Umstieg auf Strom abbauen soll.
Von der Leyen will die europäische Energiewende dabei nicht allein als Klimaschutzprojekt verstanden wissen. Sie verbindet sie ausdrücklich mit wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit, Versorgungssicherheit und strategischer Unabhängigkeit.
Auch international soll Europa eine stärkere Rolle übernehmen. Von der Leyen verwies auf die europäische Unterstützung für CO₂-Bepreisung, eine Verdoppelung des Tempos bei der Energieeffizienz sowie das Ziel, die weltweite Kapazität erneuerbarer Energien bis 2030 zu verdreifachen. Über das Programm Global Gateway sollen insgesamt 300 Milliarden Euro für den Übergang zu einer sauberen Wirtschaft mobilisiert werden; 150 Milliarden Euro davon sind für Afrika vorgesehen.
Die Rede reiht sich damit in die jüngsten klimapolitischen Aussagen der Kommissionspräsidentin ein. Bereits in ihrer Rede zur Lage der Union hatte von der Leyen angesichts von Hitze, Dürren, Waldbränden und anderen Extremereignissen betont, dass Europa bei seinen Klimazielen Kurs halten müsse. Gleichzeitig forderte sie eine deutlich stärkere Anpassung an die bereits unvermeidbaren Folgen des Klimawandels.
Die Botschaft aus New York ist nun noch stärker energiepolitisch geprägt: Weg von fossilen Importen, hin zu heimischer sauberer Energie, gleichzeitig Netze, Speicher und Elektrifizierung massiv beschleunigen.
Oder, wie von der Leyen es zusammenfasst: „Für diese Unabhängigkeit müssen wir Europa elektrifizieren.“