Vom Abwasser zur Ressource: Europa testet neue Wege für die Wasserwiederverwendung
Das EU-Forschungsprojekt DECIRE-WATER entwickelt dezentrale Systeme, die Abwasser aufbereiten, Wasser wieder nutzbar machen und zugleich wertvolle Nährstoffe zurückgewinnen. Erste Demonstrationsanlagen laufen bereits unter realen Bedingungen.
Wasser wird in vielen Regionen Europas zunehmend zur knappen Ressource. Klimawandel, längere Trockenperioden und steigende Anforderungen an die Infrastruktur machen neue Lösungen für die Wasserwirtschaft notwendig. Genau hier setzt das europäische Forschungsprojekt DECIRE-WATER an. Unter Federführung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) entwickeln internationale Partner dezentrale Systeme für eine nachhaltige und kreislauforientierte Wasserwirtschaft.
Ziel ist es, Wasser aus unterschiedlichen Abwasserströmen aufzubereiten und wiederzuverwenden. Gleichzeitig sollen wertvolle Ressourcen wie Stickstoff und Phosphor zurückgewonnen werden. Die modularen Systeme können eigenständig oder als Ergänzung zu bestehenden zentralen Infrastrukturen eingesetzt werden – vom einzelnen Wohngebäude über Wohnanlagen bis hin zu ganzen Stadtgebieten.
Naturbasierte und digitale Technologien kombiniertIm Mittelpunkt stehen unter anderem bepflanzte Bodenfilter. In mit Sand oder Kies gefüllten und mit Schilf oder anderen Pflanzen bewachsenen Becken bauen Mikroorganismen Schadstoffe ab und reinigen das Abwasser. Je nach Anforderungen werden die naturbasierten Verfahren durch technische Lösungen wie Membranbioreaktoren oder UV-Anlagen ergänzt.
Digitale Technologien überwachen die Anlagen kontinuierlich, erkennen mögliche Risiken frühzeitig und sollen eine sichere und effiziente Wasseraufbereitung ermöglichen.
Praxistest an sechs StandortenNach der ersten Entwicklungsphase werden die Systeme nun an sechs Demonstrationsstandorten in Europa und Südafrika unter realen Bedingungen getestet. Dabei soll sich zeigen, wie zuverlässig und wirtschaftlich die Technologien im Alltag funktionieren.
„Wir erproben modulare Systeme und digitale Technologien unter realen Praxisbedingungen. Das ist der Schlüssel für marktfähige Lösungen, die sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch überzeugen und eine klimaresiliente Wasserwirtschaft unterstützen“, sagt Professorin Heidrun Steinmetz von der RPTU.
Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Systeme auch bei schwankenden Abwassermengen zuverlässig aufbereitetes Wasser für Anwendungen wie die Bewässerung bereitstellen können.
Neben der technischen Entwicklung untersucht das Projekt auch wirtschaftliche, rechtliche und regionale Rahmenbedingungen. Lebenszyklusanalysen sollen die Umweltwirkungen bewerten, während Workshops den Austausch zwischen Forschung, Unternehmen und Kommunen fördern.
An DECIRE-WATER sind 15 Partner aus Deutschland, Griechenland, Österreich, Polen, Spanien, Südafrika und Tschechien beteiligt. Das dreijährige Projekt wird im Rahmen von Horizon Europe gefördert und verfügt über ein Gesamtbudget von fünf Millionen Euro.