Villach setzt Maßstäbe in der Wärmewende
Ziel ist es, die Dekarbonisierung zu beschleunigen, die Versorgungssicherheit zu erhöhen und eines der leistungsfähigsten Fernwärmesysteme Österreichs zukunftsfit zu machen.
Bereits heute zählt Villach zu den führenden Fernwärmestandorten des Landes: Das Netz ist das siebtgrößte Österreichs, umfasst rund 150 Kilometer Leitungen und speist jährlich mehr als 300 Millionen Kilowattstunden Wärme ein. Derzeit stammen rund 90 Prozent der Energie aus erneuerbaren Quellen – vor allem aus Biomasse und industrieller Abwärme, ergänzt durch erste Solarthermie-Anwendungen. Erdgas dient nur noch zur Spitzenlastabdeckung.
Ein zentrales Leuchtturmprojekt ist die Nutzung der Abwärme aus der städtischen Kläranlage. Das gereinigte Abwasser mit Temperaturen zwischen 10 und 20 Grad Celsius wird künftig mithilfe von sechs Großwärmepumpen auf rund 75 Grad Celsius angehoben und in das Fernwärmesystem eingespeist. Die Einbindung erfolgt über das Biomasseheizwerk St. Agathen und nutzt bestehende Infrastruktur effizient weiter.
„Villachs Fernwärmesystem ist schon jetzt vorbildlich nachhaltig. Mit innovativer Technologie und langfristiger Strategie schaffen wir eine klimaneutrale, wirtschaftlich sinnvolle und verlässliche Wärmeversorgung“, betont der Villacher Bürgermeister Günther Albel.
Auch Kelag-Vorstand Reinhard Draxler verweist auf die strategische Transformation: Vor rund 20 Jahren wurde der Fernwärmebedarf nahezu vollständig mit Erdgas gedeckt. Heute stammen 90 Prozent aus erneuerbaren Quellen – bei gleichzeitig mehr als verdreifachtem Absatz. Ab 2028 soll durch die neue Wärmepumpenanlage der Einsatz fossiler Energieträger weiter reduziert werden.
Von den insgesamt 30 Millionen Euro fließen rund 9 Millionen in die Wärmepumpenanlage, 6 Millionen in hydraulische Anpassungen und Netzsicherheit sowie etwa 15 Millionen in den weiteren Netzausbau. Eine zusätzliche Leitung vom Heizwerk St. Agathen Richtung Innenstadt erhöht die Redundanz und schafft Kapazitäten für weiteres Wachstum.
Damit können künftig zusätzliche Kund:innen mit einem Wärmebedarf von rund 25 Millionen Kilowattstunden pro Jahr versorgt werden – das entspricht etwa 5.000 Wohnungen. Gleichzeitig werden jährlich rund 2,5 Millionen Liter Heizöl ersetzt, was einen klar messbaren Beitrag zur CO₂-Reduktion leistet.
Mit diesem Investitionspaket unterstreicht Villach seine Vorreiterrolle in der urbanen Wärmewende – durch regionale Wertschöpfung, technologische Innovation und den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energiequellen.