Vienna to Dakar: 800 Kilometer elektrisch durch Marokko
Nach der Ankunft mit der Fähre in Tanger beginnt das marokkanische Abenteuer: Mit dem Ford Mustang Mach-E geht es quer durch Marokko. Was in Europa längst selbstverständlich ist, bleibt hier noch eine gewisse Herausforderung – die Ladeinfrastruktur. Und doch: Es tut sich viel.
Im Vergleich zu Ende 2023, als ich zuletzt mit dem Elektroauto in Marokko unterwegs war, hat sich enorm viel verändert. Mehrere Schnellladestationen sind hinzugekommen, in den größeren Städten stehen nun auch weitere Tesla Supercharger bereit, das Netz wächst spürbar. Der Ausbau schreitet rasch voran, es gibt unterschiedlichste E-Fahrzeuge. Tesla eröffnet demnächst in Casablanca seinen ersten Standort in Marokko, Die Vielfalt an chinesischen Elektroauto-Marken ist sichtbar, auch Kia und Hyundai sind hier. Es geht schneller, als wir es vor einigen Jahren in Europa erlebt haben.
800 Kilometer an einem Tag - in Marokko
Wir wagen das Unmögliche: fast 800 Kilometer an einem einzigen Tag – von Tanger bis Agadir.
Für Reisende aus dem Ausland, die keinen Tesla fahren, bleibt das Unterfangen allerdings noch ein wenig komplex. Unterschiedliche Anbieter, verschiedene Ladekarten, jeder Anbieter mit eigener App, keine oder kaum Vernetzung. Besonders absurd: Eine der notwendigen Apps lässt sich in unserem App-Store mit einem Android Handy gar nicht herunterladen – damit bleibt uns ein Teil der Infrastruktur schlicht verwehrt.
Gerettet hat uns schließlich KILOWATT.MA. Unser großes Dankeschön geht an Ali Lakrakbi, CEO von Kilowatt.ma. Im wahrsten Sinne des Wortes bewahrte er uns vor dem Hängenbleiben in Rabat: Nach einem persönlichen Anruf schaltete er uns eine Schnellladestation frei – als ich ohne Datenvolumen auf meinem marokkanischen Handy dastand. Das war gelebte Elektromobilität. Und echte Gastfreundschaft.
Thema Mobilfunk: Das ist etwas, was sinnvoll ist und was wir vor unserer Abreise in Tanger tun mussten: Eine marokkanische Karte mit Guthaben kaufen. Das war weit günstiger als eine E-Sim oder ein Tarif europäischer Anbieter.
Reichweitenangst auf marokkanisch
Mein Kollege Thomas Lacher war zuvor noch nie elektrisch in Afrika unterwegs. Dass Stationen, die in Apps angezeigt werden, sich nicht freischalten lassen, ist man aus Europa schlicht nicht gewohnt.
Ein von ihm etwas zu zügig gefahrener Autobahnabschnitt kostet uns am Ende wertvolle Kilometer Reichweite – und Nerven. Die letzten Kilometer rollen wir langsam bergab Richtung Ziel. Kurz davor müssen wir noch einmal an eine 11-kW-Typ-2-Station, eine halbe Stunde Zwischenstopp extra.
Als die Restreichweite sinkt, ist Thomas Angst spürbar - auf der Autobahn hier hängen bleiben? Das wollen wir nicht. Ich gebe zu: Wir mussten die Nerven bewahren, aber wer nimmt schon an, dass wir vorhandene Ladeinfrastruktur nicht nutzen können?
Ein Déjà-vu aus Europa
Viele der Herausforderungen kommen mir bekannt vor:
Abrechnung nach Zeit statt nach geladener Energie
Unterschiedliche Betreiber
Jede Ladestation ihre eigene App
Genau diese Fehler haben wir in Europa bereits vor ein paar Jahren gemacht – und daraus gelernt.
Unser Fazit
Langstrecke mit dem E-Auto ist auch in Marokko möglich.
Ja, es kostet Zeit.
Ja, es braucht Planung.
Aber es funktioniert.
Wir erreichen Agadir – und können unseren Ford Mustang Mach-E im Hotel laden, während wir uns einige Stunden Schlaf gönnen. Wie froh sind wir, dass es hier eine Typ 2 Ladestation gibt!!
Spannend zu beobachten: Auf den Straßen und vor allem an den Ladestationen sieht man zahlreiche chinesische E-Automarken, dazu Tesla und BYD. Elektromobilität ist auch hier längst angekommen.
Fast 800 Kilometer mit öffentlicher Ladeinfrastruktur in Marokko – das war vor nicht allzu langer Zeit noch undenkbar.
VIENNA TO DAKAR geht weiter.
Wir kommen voran.