Uruguay: Elektroautos knacken im Juli die 50-Prozent-Marke
Diese Zahlen wurden im Juli wieder getoppt: Es wurden insgesamt 6.889 Neuwagen verkauft, ein Anstieg von 13 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Im Segment der Pkw beliefen sich die Verkäufe auf insgesamt 2.388 Einheiten, von denen 57 % Elektrofahrzeuge waren, wie aus von der Automotive Trade Association (ACAU) veröffentlichten Informationen hervorgeht. Addiert man die beiden Kategorien SUV und Pkw so erreicht deren Anteil am Gesamtvolumen von 52 %.
Der Unterschied ist enorm: Während in Uruguay inzwischen mehr als vier von zehn Neuwagen elektrisch sind, liegt der Anteil in Brasilien, das den größten Automarkt der Region hat, bei 13,5 Prozent, der Anteil reiner Elektroautos beträgt dort nur 7,5 Prozent. Uruguay hat damit bei den BEVs eine fast fünfmal höhere Marktdurchdringung.
Auch andere Länder in der Region holen auf. Costa Rica erreicht rund 22 Prozent Elektroanteil, Kolumbien mehr als 20 Prozent und Ecuador mehr als 11 Prozent. Uruguay liegt aber weiter deutlich an der Spitze.
E-Autos werden zur Konkurrenz für Benziner
Der Wandel zeigt sich nicht nur in den Marktanteilen. Bereits im Juni wurde berichtet, dass Elektroautos in Uruguay erstmals mehr Neuzulassungen als Benzinfahrzeuge erreichten.
Damit hat Elektromobilität zunehmend Auswirkungen auf den traditionellen Automarkt und darüber hinaus. Für Tankstellenbetreiber bedeutet der wachsende Anteil von Elektroautos langfristig eine sinkende Nachfrage nach Benzin und Diesel.
Gleichzeitig beschleunigt sich die Elektrifizierung in Lateinamerikas insgesamt. Im zweiten Quartal 2026 wurden in der Region knapp 190.000 Elektrofahrzeuge verkauft, im Unterschied zum ersten Quartal mit rund 120.000. Der regionale Marktanteil stieg innerhalb eines Jahres von 4,6 auf 10,7 Prozent.
Besonders spannend: Der Zuwachs bei Elektrofahrzeugen übertraf das Wachstum des Gesamtmarktes deutlich. Während der gesamte Fahrzeugabsatz um rund 50.000 Fahrzeuge zunahm, stiegen die Verkäufe von E-Autos um etwa 110.000 Einheiten. Gleichzeitig gingen die Verkäufe klassischer Verbrenner und nicht extern aufladbarer Hybride um mehr als 60.000 zurück.
Uruguay setzt auf reine Elektroautos
Anders als in manchen anderen Märkten wird der Wandel in Uruguay vor allem durch vollelektrische Fahrzeuge getragen. Plug-in-Hybride spielen eine eher geringe Rolle. Das zeigt, wie schnell sich ein Automarkt verändern kann, wenn Elektroautos wirtschaftlich attraktiv werden und die notwendige Infrastruktur parallel wachsen muss. Was übrigens weitere Investments auslöst, denn die Ladeinfrastruktur muss mit dem rasanten Wachstum Schritt halten.
Der staatliche Energieversorger UTE baut das Ladenetz aktuell weiter aus. Für 2026 sind rund 300 zusätzliche Ladepunkte vorgesehen. Gleichzeitig werden private Betreiber stärker eingebunden. UTE sucht u.a. Grundstückseigentümer, die Flächen für öffentlich zugängliche Ladestationen zur Verfügung stellen.
E-Mobilität trifft auf erneuerbaren Strom
Besonders interessant ist der Blick auf das Stromsystem: Uruguay hat seine Elektrizitätsversorgung in den vergangenen Jahren massiv auf erneuerbare Energien umgestellt. Windkraft, Wasserkraft, Biomasse und Solarenergie prägen den Strommix.
Damit trifft der Boom der Elektroautos auf ein Stromsystem, das bereits weitgehend erneuerbar ist. Das E-Auto ersetzt in diesem Fall also nicht nur den Verbrennungsmotor durch einen Elektromotor: Es wird gleichzeitig Teil eines erneuerbaren Energiesystems.
Genau diese Kombination macht Uruguay zu einem spannenden Modellfall für andere Länder: Ein kleiner Automarkt zeigt, dass Elektromobilität innerhalb weniger Jahre vom Nischenprodukt zu einem wesentlichen Teil des Neuwagenmarktes werden kann.
Der Blick auf LateinamerikaUruguay hat zwar nur 3,44 Mio EInwohnger und ist damit kein großer Absatzmarkt. Aber steuerliche Vorteile, der Ausbau der Ladeinfrastruktur, ein wachsendes Angebot an Elektrofahrzeugen am Markt und rund 98% des Stroms rein aus erneuerbaren Energien treffen hier aufeinander.
Die entscheidende Frage ist nun, ob Uruguay diese Dynamik halten kann. Denn mit dem Erfolg wächst auch der politische Druck: Änderungen bei steuerlichen Vergünstigungen für Elektroautos könnten den weiteren Hochlauf bremsen.
Fest steht: Mit mehr als 40 Prozent Elektroanteil bei den Neuwagen ist Uruguay inzwischen dort angekommen, wo viele größere Automärkte, auch in Europa, erst noch hinwollen.