„Urban Tree Intelligence“: Wenn Bäume nach Wasser rufen
Köln – Sie stehen still, wirken robust – und leiden oft lautlos: Stadtbäume. Vor allem in Hitzesommern wie diesem geraten sie zunehmend unter Trockenstress. Ein Problem, das nicht nur das Stadtbild betrifft, sondern auch das Stadtklima. Denn Bäume sind wahre Multitalente: Sie kühlen die Luft, binden CO₂, filtern Feinstaub und spenden Schatten. Doch all diese Leistungen funktionieren nur, wenn der Baum ausreichend Wasser hat.
Genau hier setzt das Kölner Startup dataMatters an – eine Ausgründung der RWTH Aachen. Mit ihrem Projekt „Urban Tree Intelligence“ hat das Unternehmen ein KI-gestütztes Bewässerungssystem entwickelt, das kommunalen Entscheidungsträgern erstmals eine datenbasierte und punktgenaue Versorgung des Stadtgrüns ermöglicht. Der Clou: Die Bäume senden selbst ein Signal, wenn sie durstig sind – und zwar per Funk.
Wenn Stadtbäume smart werdenDas Prinzip ist ebenso einfach wie effektiv: Sensoren messen die Feuchtigkeit im Baumgewebe und übertragen die Daten in Echtzeit an das Smart-City-Betriebssystem urbanOS. Dort analysiert eine Künstliche Intelligenz die Werte – und berücksichtigt dabei Wetterprognosen, Bodenbeschaffenheit und weitere Umweltparameter. Die Folge: Gießrouten lassen sich gezielt planen, überflüssiges Wässern entfällt, Wasser wird gespart, Personal entlastet.
„Ein Baum funktioniert nur, wenn er gesund ist“, sagt Dr. Daniel Trauth, Geschäftsführer von dataMatters. „Doch die Gießkolonne auf gut Glück loszuschicken, ist weder nachhaltig noch effizient. Unsere Lösung liefert erstmals präzise Informationen darüber, welcher Baum wirklich Wasser braucht – und wann.“
Um nicht jeden einzelnen Baum mit einem Sensor ausstatten zu müssen, arbeitet die KI mit sogenannten „Baumpersönlichkeiten“. Diese basieren auf Standort, Art, Sonneneinstrahlung, Bodenprofil und weiteren Faktoren. Durch dieses Modell genügt es, eine kleinere Zahl repräsentativer Bäume zu überwachen – der Wasserbedarf ähnlicher Bäume wird mit hoher Genauigkeit mitberechnet.
Mittlerweile kommt die Lösung in mehreren Kommunen zum Einsatz, darunter Dormagen, Hürth, Nordkirchen und Köln. Unterstützt werden die Projekte jeweils von lokalen Wirtschaftsförderungen oder Stadtwerken. Und: Das System kann mehr. Neben dem Bewässerungsmanagement lassen sich auch Verkehrsflüsse, Energieverbrauch oder Temperaturzonen in Städten analysieren – alles über eine gemeinsame Datenplattform.
Die Stadt als lernendes System„Städte sind Brennpunkte des Klimawandels“, so Dr. Trauth. „Sie verbrauchen 80 Prozent der Energie, verursachen über 70 Prozent der Emissionen – und spüren gleichzeitig die Folgen am stärksten.“ Aus seiner Sicht kann nur ein vernetzter Ansatz helfen: Sensoren und Künstliche Intelligenz, die gemeinsam Lösungen ermöglichen – vom ÖPNV über Abfallwirtschaft bis zur Hitzeschutzplanung.
„Eine Smart City ist wie ein großes Puzzle“, erklärt der Ingenieur. „Jede Kommune entscheidet selbst, mit welchem Teil sie beginnt. Wichtig ist: Alle Teile passen am Ende zusammen.“
Unterstützung ohne große HürdenBesonders attraktiv für Kommunen: Im Rahmen von Pilotprojekten stellt dataMatters die Sensorik und Software zunächst kostenfrei zur Verfügung – samt Begleitung durch Techniker:innen, Partnernetzwerke und Beratung bei Fördermöglichkeiten. Das senkt die Einstiegshürden und erlaubt Städten einen schnellen, praxisnahen Zugang zur Digitalisierung.
Die Idee, dass Bäume kommunizieren, klingt futuristisch – ist aber längst Realität. Mit „Urban Tree Intelligence“ bringt dataMatters ein Stück Zukunft in die Gegenwart und zeigt, wie smarte Technologien ganz konkret zur Lebensqualität in Städten beitragen können. Denn wer dem Stadtgrün zuhört, handelt nicht nur klug, sondern sorgt für eine nachhaltigere, gesündere und lebenswertere urbane Zukunft.
Video zum Projekt: „Urban Tree Intelligence“ auf YouTube