UN-Umweltversammlung: Alarmzeichen für Wissenschaft, Beteiligung und Multilateralismus
Nairobi - Mit ernüchterndem Ergebnis ist in Nairobi die siebte Umweltversammlung der Vereinten Nationen (UNEA-7) zu Ende gegangen. Nach zweiwöchigen Verhandlungen mehren sich die Sorgen, dass wissenschaftsbasierte Entscheidungsfindung, zivilgesellschaftliche Teilhabe und multilaterale Ambitionen zunehmend unter Druck geraten.
Mehrfach wurden wissenschaftliche Erkenntnisse politisiert oder verwässert: Nicht aus fachlichen Gründen, sondern weil sie kurzfristigen nationalen Interessen oder etablierten Wirtschaftsmodellen widersprachen. Besonders deutlich zeigte sich das am Widerstand gegen eine von Vanuatu eingebrachte Resolution zu Tiefseeökosystemen. Trotz grosser Wissenslücken und irreversibler Risiken wurde der Vorschlag blockiert, der Inselstaat zog ihn schliesslich zurück. Vanuatu kündigte jedoch eine neue wissenschaftliche Initiative an, die international breite Unterstützung fand.
Ein wichtiges Gegensignal setzte die Schweiz: In einer von 58 Staaten unterstützten Plenarerklärung bekräftigte sie die zentrale Rolle unabhängiger Wissenschaft für die Umweltpolitik. Für Organisationen wie OceanCare ist das ein dringend nötiger Schritt, um evidenzbasierte Entscheidungen gegen politische Einflussnahme zu verteidigen.
Kritisch bewertet wurde auch der schrumpfende Raum für Zivilgesellschaft und indigene Gruppen. Eingeschränkter Zugang zu Dokumenten und Verhandlungen hinter verschlossenen Türen untergraben Transparenz und demokratische Mitwirkung: Grundpfeiler wirksamer Umweltpolitik.
Insgesamt hinterlässt die UNEA-7 den Eindruck einer Erosion multilateraler Umweltgovernance. Nun stehen die Staaten vor einer Richtungsentscheidung: Entweder akzeptieren sie weiter sinkende Ambitionen - oder sie stärken Wissenschaft, Zusammenarbeit und Beteiligung als Basis für den Umgang mit der globalen Umweltkrise.