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Tschechiens teure SMR-Wette: Große Versprechen mit hohen Risiken

20.11.2025

Der Staatskonzern ČEZ hat mehr als 7 Milliarden Kronen in Rolls-Royce SMR investiert - eine Technologie, die bisher nirgends kommerziell funktioniert

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© InstagramFOTOGRAFIN pixabay.com

 

Großbritannien will den Bau seiner ersten modularen Atomreaktoren (SMR) auf der Insel Anglesey  umsetzen, trotz  hoher Risken - und auch Tschechien sieht darin die Zukunft der eigenen Energieversorgung. Der Staatskonzern ČEZ hat bereits mehr als 7 Milliarden Kronen in Rolls-Royce SMR investiert: Eine  äußerst riskante Vorleistung auf eine Technologie, die bisher nirgendwo kommerziell funktioniert.

Die britischen Anlagen sollen Mitte der 2030er-Jahre ans Netz gehen. Drei Reaktoren sind in einer ersten Phase geplant, langfristig sogar acht. Doch bisher existiert kein fertiges Pilotprojekt, das zeigt, dass die versprochene Bauzeitverkürzung durch modulare Fertigung tatsächlich funktioniert. Experten warnen seit Jahren, dass SMR-Projekte oft dieselben Probleme wie Großreaktoren haben, nur mit kleinerem Output, aber ähnlich hohen Kosten und identischen Atommüllproblemen.
 

ČEZ investiert Milliarden  - ohne gesicherte Lieferkette für tschechische Firmen


Tschechien will den ersten Rolls-Royce-Reaktor in Temelín errichten, gefolgt von bis zu drei Einheiten in Tušimice. Doch selbst der tschechischen Industrie bleibt bislang unklar, welchen Anteil sie real überhaupt leisten kann. Rolls-Royce setzt stark auf internationale Zulieferer. Für Schlüsselkomponenten sind bereits Verträge mit Siemens Energy und dem US-Unternehmen BWX Technologies geschlossen. Wo es hier Aufträge für  tschechische Firmen geben soll?  Škoda JS könnte eventuell Teile des Primärkreislaufs liefern, Vereinbarungen dazu gibt es aber nicht.  Mit anderen Worten: Die versprochene industrielle Wertschöpfung in Tschechien steht in den Sternen.
 

Unrealistische Zeitpläne und wachsende Abhängigkeiten 

ČEZ spricht von einer Inbetriebnahme in Temelín bis 2034 oder 2035. Das sind ambitionierte Daten, die selbst in Ländern mit etablierten Atomindustrien als kaum haltbar gelten. Rolls-Royce SMR hat noch keinen genehmigten Prototyp gebaut und regulatorische Verfahren in der EU könnten Jahre dauern.

Zudem entsteht eine neue Abhängigkeit von einer technologischen Nische, deren Zukunft politisch unsicher ist: In Großbritannien wurde Rolls-Royce SMR zwar bevorzugt, aber nur unter massivem staatlichen Druck und subventionierten Rahmenbedingungen. Sollte London seine Strategie ändern, könnte Tschechien ohne belastbare Partner dastehen. 

Klimaschutz als Vorwand für ungelöste Risiken

SMR werden von ihren Befürwortern als schnelle, klimafreundliche Lösung präsentiert. Doch sie lösen kein einziges der bekannten Atomprobleme: radioaktiver Abfall bleibt bestehen, Sicherheitsrisiken steigen durch mehr, kleinere Standorte, die Wirtschaftlichkeit ist ungeklärt weil es SMR in Serie noch gar nicht gibt.

Statt  seine Energiewende  rasch zu beschleunigen, setzt Tschechien Milliardenbeträge auf ein technologisches Experiment, das mehr Fragen als Antworten produziert. Erneuerbare Energien  in Kombination mit Speichern sind weit billiger, soviel ist fix. 

Insider sind sich fix: Die tschechischen SMR-Pläne sind weniger ein strategischer Schritt Richtung Energiesouveränität, sondern  riskante Industriepolitik zugunsten eines britischen Projekts, dessen Erfolg völlig ungewiss ist. Tschechien zahlt schon jetzt mit: Für Reaktoren, die vielleicht nie gebaut werden.

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20.11.2025 | Autor*in: Doris Holler-Bruckner
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