Tschechien setzt auf SMR, aber die Kritik an neuer Atomstrategie wächst
Die tschechische Regierung sieht in den Reaktoren eine Chance für Energiesicherheit und die heimische Industrie. Ein geplanter Reaktor von Rolls-Royce SMR soll 470 Megawatt leisten und rund eine Million Haushalte mit Strom versorgen können. Südböhmen hofft zudem auf Tausende Arbeitsplätze und sogar ein Produktionszentrum für SMR-Module.
Umweltorganisationen sehen die Pläne jedoch kritisch. Die Initiative Calla betont, dass ein Memorandum noch keine konkreten Verpflichtungen und schon gar keinen fertigen Reaktor bedeute. Andere Kritiker warnen davor, dass Tschechien wertvolle Zeit und Investitionen in eine Technologie stecke, die bislang absolut noch nicht kommerziell im großen Maßstab erprobt sei. Auch die versprochene Serienproduktion existiere derzeit noch nicht.
Außerdem stellen sich Fragen nach den tatsächlichen Kosten, den Genehmigungsverfahren und der Verfügbarkeit von Kühlwasser. Gerade angesichts zunehmender Hitze und Trockenheit durch die Klimaveränderung könnte der Wasserbedarf von Atomkraftwerken künftig zum Problem werden. Auch die Nähe Temelíns zur österreichischen Grenze dürfte die Diskussion über Sicherheit, radioaktive Abfälle und grenzüberschreitende Auswirkungen erneut anheizen.
Kritiker sehen deshalb die Gefahr, dass Tschechien mit der SMR-Strategie zu lange auf eine ungewisse nukleare Zukunft setzt, während andere europäische Länder massiv in Windkraft, Photovoltaik, Speicher, Netze und Energieeffizienz investieren. Erneuerbare Energien sind günstiger und Projekte sind sofort umsetzbar. Die Debatte um die Erweiterung von Temelín dürfte damit nicht nur eine technologische, sondern auch eine grundsätzliche Frage werden: Wie viel Zeit und Geld soll in neue Atomkraft fließen und wie viel in jene erneuerbaren Lösungen, die bereits heute verfügbar sind?