Trump-Regierung will Klimaschutz bei Kraftwerken zurückdrehen
Die US-Umweltbehörde EPA hat dem Weißen Haus zwei Maßnahmen zur abschließenden Prüfung vorgelegt. Die konkreten Inhalte sind noch nicht vollständig öffentlich, nach vorliegenden Berichten könnten die Pläne jedoch weitreichende Konsequenzen für die Regulierung von Kohle- und Gaskraftwerken haben.
CO₂-Grenzwerte für Kraftwerke vor dem Aus?
Ein Teil der Pläne sieht vor, zentrale Elemente der 2024 verabschiedeten CO₂-Standards der EPA wieder abzuschaffen.
Betroffen wären insbesondere bestehende Kohlekraftwerke. Nach dem früheren Vorschlag der Trump-Regierung könnten deren bundesweite CO₂-Grenzwerte vollständig entfallen. Auch Vorgaben für neue Gaskraftwerke, ihre Emissionen langfristig um bis zu 90 Prozent zu reduzieren, könnten abgeschafft werden.
Noch weiter geht ein zweiter möglicher Schritt: Die EPA könnte sich selbst künftig die Möglichkeit nehmen, Klimabelastungen des Energiesektors auf nationaler Ebene zu regulieren.
Das wäre ein grundlegender Bruch mit der bisherigen Klimapolitik der USA. Zudem steht ein solcher Schritt rechtlich unter Druck. Der Oberste Gerichtshof hat bereits 2011 die Befugnis und Verantwortung der EPA zur Regulierung der Klimabelastung durch Kraftwerke bestätigt.
Tausende zusätzliche Todesfälle befürchtet
Besonders umstritten sind die möglichen Folgen für Gesundheit und Klima. Nach einer eigenen Analyse der EPA könnten die bisherigen Schutzmaßnahmen im Jahr 2035 mehr als 1.200 Menschenleben retten, Tausende Asthmaanfälle und andere Erkrankungen verhindern und bis 2047 Netto-Klima- und Gesundheitsvorteile von rund 370 Milliarden US-Dollar bringen.
Werden die Standards dagegen abgeschafft oder deutlich abgeschwächt, drohen nach Einschätzung von unzähligen Umweltorganisationen zusätzliche gesundheitliche Belastungen und höhere Kosten für die Bevölkerung.
Die Diskussion fällt in eine Zeit, in der die Folgen des Klimawandels in den USA bereits deutlich zu spüren sind. In den vergangenen fünf Jahren wurden mehr als 115 Wetter- und Klimakatastrophen mit Schäden von jeweils über einer Milliarde Dollar registriert.
Fossile Kraftwerke verursachen rund ein Viertel der Klimabelastung
Kohle-, Gas- und Ölkraftwerke gehören zu den größten Quellen von Treibhausgasemissionen in den Vereinigten Staaten. Nach den im Bericht angeführten Daten sind sie für etwa ein Viertel der gesamten Klimabelastung des Landes verantwortlich und damit die zweitgrößte Quelle nach dem Verkehrssektor.
Gleichzeitig wächst der Strombedarf, unter anderem durch den rasanten Ausbau von Rechenzentren und künstlicher Intelligenz.
Allein die Vorschläge für neue Gaskraftwerke haben sich in der ersten Hälfte des Jahres 2026 angesichts des erwarteten zusätzlichen Strombedarfs laut Global Energy Monitor um rund 50 Prozent erhöht.
Damit könnte die Lockerung der Emissionsvorgaben ausgerechnet zu einem Zeitpunkt kommen, an dem der US-Stromsektor vor einem erheblichen Ausbau steht.
Regierung setzt weiter auf Kohle
Die möglichen Änderungen sind Teil eines größeren energiepolitischen Kurswechsels. Die Trump-Regierung hat nach Angaben des Berichts mehr als eine Milliarde Dollar an Subventionen angekündigt, um bestehende Kohlekraftwerke zu unterstützen und neue Anlagen zu errichten. Gleichzeitig seien 99 Prozent der US-Kohlekraftwerke teurer im Betrieb als ein Ersatz durch saubere Energiequellen.
Darüber hinaus ordnete die Regierung für sechs Kohlekraftwerke an, ihren Betrieb über die ursprünglich geplante Stilllegung hinaus fortzusetzen. Die zusätzlichen Kosten dafür werden mit nahezu 1,5 Millionen Dollar pro Tag angegeben. Insgesamt seien bereits rund 440 Millionen Dollar angefallen.
Erneuerbare Energien wachsen trotzdem
Der politische Kurs steht allerdings im Kontrast zur Entwicklung des amerikanischen Energiemarktes.
Nach den im Bericht zitierten Prognosen der US-Energieinformationsbehörde EIA wird ein großer Teil des zusätzlichen Kapazitätsausbaus in den USA sowohl kurz- als auch langfristig aus erneuerbaren Energien kommen.
Auch am Arbeitsmarkt spielen Wind- und Solarenergie eine immer größere Rolle. Ein Bericht des US-Energieministeriums aus dem Jahr 2025 kam zu dem Ergebnis, dass Solar- und Windenergie die größten Arbeitgeber unter den Stromerzeugungsbranchen sind.
Damit steht die politische Rückkehr zu fossilen Kraftwerken einer Entwicklung gegenüber, bei der erneuerbare Energien zunehmend wirtschaftlich attraktiv werden.
Konflikt um die Energiezukunft der USA
Für Umweltorganisationen ist der geplante Abbau der Klimaschutzvorgaben deshalb ein Schritt in die falsche Richtung. Sie warnen davor, dass fossile Kraftwerke künftig mehr klimaschädliche und gesundheitsschädliche Schadstoffe ausstoßen könnten.
Die Debatte reicht damit weit über einzelne Grenzwerte hinaus. Es stellt sich die grundsätzliche Frage, wie die USA ihren wachsenden Strombedarf künftig decken wollen: mit einer Verlängerung des fossilen Zeitalters oder mit einem schnelleren Ausbau von Solarenergie, Windkraft, Speichern und anderen emissionsarmen Technologien.
Während extreme Hitze, Brände und andere Wetterextreme bereits heute hohe wirtschaftliche und gesellschaftliche Kosten verursachen, könnte die US-Regierung gleichzeitig die wichtigsten Instrumente zur Begrenzung der Emissionen aus dem Stromsektor schwächen.
Der Konflikt zwischen fossiler Energiepolitik und dem Ausbau sauberer Energien dürfte damit in den USA noch größer werden.