Trotz ausgezeichneter Wasserqualität: Österreichs Seen geraten zunehmend unter Druck
Mehr als 60 Fachleute aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis diskutierten dabei über die Herausforderungen für die heimischen Gewässer und mögliche Lösungsansätze.
Veranstaltet wurde die Konferenz vom Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverband (ÖWAV) gemeinsam mit dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK).
Gute Wasserqualität allein reicht nicht aus
Ein zentrales Thema der Tagung war die Unterscheidung zwischen chemischer Wasserqualität und ökologischem Zustand. Während rund 96 Prozent der österreichischen Badestellen eine ausgezeichnete Wasserqualität aufweisen, zeigt sich bei der ökologischen Bewertung ein weniger positives Bild.
Nach Angaben des Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplans 2021 erreichen 11 der 62 bewerteten Seen – rund 18 Prozent – derzeit nicht den von der europäischen Wasserrahmenrichtlinie geforderten guten oder sehr guten ökologischen Zustand. Zudem beobachten Fachleute seit etwa zwei Jahrzehnten eine kontinuierliche Verschlechterung.
Für ÖWAV-Geschäftsführer Daniel Resch ist der Zustand der Seen ein wichtiger Gradmesser ihrer Belastbarkeit: „Der ökologische Zustand unserer Seen ist nicht nur ein Spiegel der bestehenden Belastungen, sondern vor allem auch ein Maß für ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel und ihrer intensiven Nutzung durch Wirtschaft und Gesellschaft.“
Neue Herausforderungen für empfindliche Ökosysteme
Dass die Wasserqualität heute vielerorts so hoch ist, gilt als Erfolg jahrzehntelanger Umweltmaßnahmen. Vor allem die Reduktion von Nährstoffeinträgen aus ungeklärten Abwässern und phosphathaltigen Waschmitteln hat die Situation deutlich verbessert.
Doch inzwischen stehen die Seen vor neuen Problemen. Als besonders kritisch gelten die zunehmende Verbauung der Uferzonen, der Verlust natürlicher Lebensräume sowie der intensive Schiffs- und Freizeitverkehr. Hinzu kommen Eingriffe in Fischbestände, die Ausbreitung invasiver Arten und die Folgen des Klimawandels.
Steigende Wassertemperaturen, veränderte Schichtungsverhältnisse in den Seen, Sauerstoffmangel in tieferen Wasserschichten und häufigere Starkregen mit erhöhten Nährstoffeinträgen setzen die sensiblen Ökosysteme zusätzlich unter Druck. Besonders problematisch ist dabei das Zusammenwirken dieser Faktoren, die sich gegenseitig verstärken können.
Vorsorge statt teurer Sanierung
Gisela Ofenböck vom BMLUK betonte auf der Konferenz die Bedeutung eines frühzeitigen Handelns. Intakte Ökosysteme könnten Belastungen deutlich besser verkraften als bereits geschädigte Gewässer. Sobald ein See aus dem ökologischen Gleichgewicht geraten sei, lasse sich dieser Zustand oft nur mit großem Aufwand oder gar nicht mehr rückgängig machen.
Die Fachleute sehen deshalb vorbeugenden Schutz als wichtigsten Ansatz. Dazu gehören der Erhalt und die Wiederherstellung natürlicher Uferbereiche, die Verringerung von Nutzungskonflikten und Schadstoffeinträgen sowie eine stärkere Berücksichtigung ökologischer Zusammenhänge bei Planung und Management. Ebenso müsse die Widerstandsfähigkeit der Seen gegenüber den Folgen des Klimawandels gezielt gestärkt werden.
Dialog als Schlüssel für den Schutz der Seen
Zum Abschluss der Konferenz unterstrich ÖWAV-Geschäftsführer Daniel Resch, dass Österreich zwar weiterhin über Badegewässer von europäischer Spitzenqualität verfüge, der Schutz der ökologischen Funktionen der Seen aber künftig noch stärker in den Mittelpunkt rücken müsse.
Entscheidend sei dabei, alle Nutzergruppen – von Gemeinden über Tourismus und Wirtschaft bis hin zu Naturschutz und Bevölkerung – frühzeitig in Lösungsprozesse einzubinden. Als positives Beispiel wurde der derzeit laufende Seendialog am Wörthersee genannt, der auf einen gemeinsamen Ausgleich zwischen Nutzung und Schutz setzt.