TRIGOS 2026: Sechs Unternehmen zeigen, wie Nachhaltigkeit zum Geschäftsmodell wird
Besonders bemerkenswert: 180 Unternehmen reichten heuer Projekte ein, das sind so viele wie seit 13 Jahren nicht mehr. Aus den Einreichungen wählte eine unabhängige Fachjury 19 nominierte Projekte aus, die vorgestellt wurden. In sechs Kategorien wurde dann jeweils ein Unternehmen mit dem TRIGOS 2026 ausgezeichnet. Rund 170 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Medien nahmen an der Gala teil.
Die Bandbreite der Projekte reicht vom Recycling ausgedienter Industrieseile über CO₂-speichernden Straßenbau und die Nutzung industrieller Abwärme bis zu neuen Arbeitsmodellen, internationaler Gesundheitsversorgung und Kooperationen in der Landwirtschaft. Eines wurde bei der Vorstellung der Projekte klar sichtbar: Das Ideenreichtum für nachhaltige Umsetzung ist in vielen Bereichen groß.
Aus alten Seilen werden neue Rohstoffe
In der Kategorie Vorbildliche Projekte wurde die oberösterreichische Teufelberger Fiber Rope GmbH ausgezeichnet. Das Unternehmen entwickelt und produziert industrielle Faserseile und hat ein Rücknahmesystem für gebrauchte Synthetikseile seiner Kund:innen aufgebaut.
Die ausgedienten Seile werden gesammelt, recycelt und wieder zu neuen Fasern verarbeitet. Damit wird aus einem bislang zu entsorgenden Produkt ein neuer Rohstoff. Damit beeidruckt Teufelberger mit einem konkreten Beispiel für Kreislaufwirtschaft in der Industrie.
Radweg speichert CO₂
Die PORR AG erhielt den TRIGOS in der Kategorie Social Innovation & Future Challenges für einen „CO₂-speichernden Radweg aus Pflanzenkohle“.
Gemeinsam mit Partner:innen entwickelte PORR einen Asphalt, in dem Pflanzenkohle eingesetzt wird. Nach Angaben des Unternehmens können dadurch mehr als 60 Tonnen CO₂ pro Kilometer Radweg gespeichert werden. Das Pilotprojekt zeigt bereits in der Praxis, wie Infrastruktur nicht nur möglichst ressourcenschonend gebaut werden kann, sondern selbst Teil einer Klimaschutzlösung wird. Die Hoffnung, das es nicht nur bei diesem ersten Radweg bleibt ist groß.
„Golden Oldies“: Erfahrung länger im Unternehmen halten
Um die Arbeitswelt ging es beim ausgezeichneten Projekt der Pohl Metall GmbH aus Tirol. Unter dem Titel „Golden Oldies“ setzt das Unternehmen Maßnahmen um, um ältere Mitarbeiter:innen länger im Berufsleben zu halten und ihr Faachwissen weiterzugeben.
Dazu gehören unter anderem flexible Arbeitszeiten, angepasste Arbeitsplätze und Gesundheitsangebote. Damit verbindet das Unternehmen Mitarbeiter:innen-Wertschätzung mit der Frage, wie vorhandene Erfahrung und vorhandenes Know-How angesichts des Fachkräftemangels länger erhalten werden können.
Abwärme wird zu Prozessenergie
In der Kategorie Klimaschutz ging der TRIGOS an die niederösterreichische GIG Karasek GmbH. Das Unternehmen entwickelt mit „CompriVap“ eine Technologie, die industrielle Abwärme für die Dampferzeugung nutzbar macht.
Nach Angaben von GIG Karasek handelt es sich um die weltweit leistungsstärkste industrielle Großwärmepumpe ihrer Art. Das System kann jährlich bis zu 100.000 Tonnen CO₂ einsparen. Das Projekt zeigt das Potenzial, das in bislang ungenutzter industrieller Abwärme steckt.
Hörgesundheit für Kinder und Familien
In der Kategorie Internationales Engagement wurde MED-EL Elektromedizinische Geräte GmbH aus Tirol ausgezeichnet. Gemeinsam mit der Austrian Development Agency arbeitet das Unternehmen daran, die Versorgung mit Hörgesundheit in Ländern Subsahara-Afrikas und Südasiens auszubauen.
Im Rahmen des Projekts wurden laut TRIGOS bereits mehr als 97.000 Babys und Kinder auf Hörprobleme untersucht, 762 Fachkräfte ausgebildet sowie 1.244 Expert:innen und Betreuungspersonen geschult.
Landwirtschaft als kooperatives Netzwerk
Der Vetterhof aus Vorarlberg wurde für sein Projekt „Landwirtschaft als kooperatives Netzwerk“ in der Kategorie Regionale Wertschaffung ausgezeichnet.
Vier landwirtschaftliche Betriebe koordinieren dabei Anbau und Fruchtfolgen, teilen Flächen und Maschinen und verbinden Landwirtschaft, Verarbeitung und Vermarktung. Das Modell setzt damit auf Kooperation statt auf individuelles Wachstum und soll regionale Wertschöpfung stärken.
Die Rekordzahl der Einreichungen zeigt, wie breit Nachhaltigkeit mittlerweile in Unternehmen verankert wird. Eingereicht wurden Projekte von kleinen Betrieben bis zu international tätigen Konzernen. Im Mittelpunkt standen unter anderem Kreislaufwirtschaft, Klimaschutz, soziale Verantwortung, Innovation und regionale Entwicklung.
Wirtschaftskammer-Vizepräsidentin Angelika Sery-Froschauer sieht im TRIGOS eine Möglichkeit, Unternehmen bei der strategischen Weiterentwicklung ihrer Nachhaltigkeitsaktivitäten zu unterstützen. Der Preis mache zugleich sichtbar, wie verantwortungsvolles Wirtschaften in der Praxis umgesetzt werden könne.
Auch die politischen Vertreter:innen bei der Gala betonten die Verbindung von Nachhaltigkeit, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. „Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg sind kein Widerspruch. Innovation, effiziente Prozesse und ressourcenschonende Technologien stärken Unternehmen und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit unseres Standorts. Dafür braucht es die richtigen Rahmenbedingungen.“
so Elisabeth Zehetner, Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus.
Sektionschef Jürgen Schneider aus dem BMLUK verwies darauf, dass wirtschaftlicher Erfolg und der Schutz unserer Umwelt keine Gegensätze sind, sondern gemeinsam gedacht werden müssen, während Arbeitsministerin Korinna Schumann in einer Videobotschaft insbesondere faire Arbeitsbedingungen, Menschen- und Arbeitnehmer:innenrechte sowie Nachhaltigkeit in globalen Lieferketten hervorhob.
Der TRIGOS 2026 zeigt damit vor allem eines: Nachhaltigkeit findet nicht in einem einzelnen Unternehmensbereich statt. Sie reicht von der Produktion und Energieeffizienz über Mitarbeiter:innen und Lieferketten bis zur regionalen Zusammenarbeit – und wird immer mehr mit konkreten Geschäftsmodellen und Innovationen verbunden. Sie ist im Unternehmensalltag angekommen und wird ganz bewusst in unterschiedlichste Bereiche integriert.
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