Studie: Keine nachweisbaren Gesundheitseffekte durch Windräder
Eine neue groß angelegte Studie zeigt: Das Leben in der Nähe von Windkraftanlagen ist nicht mit messbaren gesundheitlichen Beeinträchtigungen verbunden. Untersucht wurden mögliche Zusammenhänge mit Schlafstörungen, Depressionen, Angststörungen und Kopfschmerzen - ohne jegliche statistisch signifikante Ergebnisse.
Die im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlichte Untersuchung wurde von Forschern der Universität Augsburg, der Columbia University und der University of Pittsburgh durchgeführt. Sie zählt zu den bislang umfangreichsten Längsschnittanalysen zu diesem Thema.
Für die Studie wurden Gesundheits- und Verhaltensdaten von mehr als 120.000 US-Haushalten aus den Jahren 2011 bis 2023 ausgewertet. Zusätzlich flossen Standortdaten von rund 75.000 Windkraftanlagen ein. Die Forschenden verglichen dabei Haushalte vor und nach der Installation nahegelegener Windräder.
Neben selbst berichteten Gesundheitsdaten wurden auch objektive Indikatoren untersucht – etwa der Konsum von Schlaf- und Schmerzmitteln. Auch hier zeigten sich keine Hinweise auf negative Veränderungen.
Methodisch basiert die Studie auf einem sogenannten Event-Study-Design: Jeder Haushalt wurde mit sich selbst über die Zeit verglichen – vor und nach dem Bau eines Windrades in der Nähe. Faktoren wie Einkommen, Alter, Haushaltsgröße oder regionale Entwicklungen wurden statistisch berücksichtigt.
Auch in weiteren Lebensbereichen fanden die Forschenden keine Effekte: Weder Schlafdauer, Freizeitverhalten noch der Konsum von Alkohol, Tabak oder Medikamenten veränderten sich nachweisbar.
Die Resultate blieben konsistent über verschiedene Bevölkerungsgruppen hinweg - unabhängig von Alter, Geschlecht, Einkommen, Bildungsstand oder ethnischer Zugehörigkeit. Insgesamt ergab sich kein messbarer Zusammenhang zwischen Windradnähe und gesundheitlichen Beschwerden.
„Unsere Analysen zeigen keine messbaren negativen Gesundheitseffekte bei typischen Abständen zwischen Windrädern und Wohngebieten“, erklärt Mitautor Niklas Rott von der Universität Augsburg.
Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass Windkraftanlagen dennoch von manchen Menschen lokal als störend empfunden werden können – etwa durch Lärm, Schattenwurf oder visuelle Veränderungen der Landschaft. Solche Faktoren könnten die Akzeptanz beeinflussen, auch ohne gesundheitliche Auswirkungen.
Empfohlen wird daher, die Diskussionen stärker auf messbare Umweltwirkungen, Lärmgrenzwerte und transparente Planung zu fokussieren.
Originalpublikation
Autoren: Niklas Rott (Universität Augsburg), Douglas Almond (Columbia University, New York), Osea Giuntella (University of Pittsburgh)
Zeitschrift: Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), Vol. 123, No. 21