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 Studie: Ankerschäden bedrohen artenreiche Seegraswiesen im Mittelmeer

25.07.2025

Urlaubssaison am Mittelmeer: Seegraswiesen durch ankernde Boote gefährdet - Wichtiger Lebensraum mit über 400 Tier- und 1.000 Pflanzenarten - WWF fordert Ausweitung von Schutzzonen

Seegras.jpg
Seegras am Meeresboden © faespencer pixabay.com
Wien/Rom  - Seegraswiesen speichern pro Fläche 15-mal mehr CO₂ als Regenwälder und zählen zu den artenreichsten Lebensräumen der Meere. Allein im Mittelmeer beheimaten sie über 400 Tier- und 1.000 Pflanzenarten, darunter Jungfische, Seepferdchen und Weichtiere. Doch die Vielzahl ankernder Boote gefährdet diesen wichtigen Lebensraum zusehends, wie ein neuer Bericht der Umweltschutzorganisation WWF (World Wide Fund for Nature) zeigt. Demnach könnten allein im Jahr 2024 mehr als 50.000 Hektar des ökologisch wichtigen Seegrases Posidonia oceanica oder “Neptungras” betroffen sein. Das entspricht einem jährlichen wirtschaftlichen Verlust in Form von Ökosystemleistungen von über vier Milliarden Euro.


 “Das Neptungras ist die Kinderstube zahlreicher Fischarten und unterstützt damit die Fischerei. Es schützt zudem Küsten vor Erosion und bindet riesige Mengen an Kohlenstoff – vergleichbar mit dem jährlichen CO₂-Ausstoß von 430 Millionen Autos. Dennoch wurde in den letzten 50 Jahren ein Drittel der Seegraswiesen im Mittelmeer zerstört”, sagt WWF-Expertin Simone Niedermüller.

Der WWF fordert daher von der Politik unter anderem strengere Anker-Vorschriften und mehr Schutzzonen für die wertvollen Seegraswiesen.
Mithilfe von Daten des automatischen Identifikationssystems (AIS) von Global Fishing Watch, kartiert der WWF-Bericht den Druck durch Anker auf Seegraswiesen in der gesamten Mittelmeerregion. Dabei zeigt sich, dass die Auswirkungen in Gebieten mit strengen Vorschriften für das Ankern, wie beispielsweise in Südfrankreich deutlich geringer sind. "Die Erhaltung und Wiederherstellung von Seegraswiesen ist nicht nur eine ökologische Aufgabe, sondern auch eine strategische Notwendigkeit für den Klimaschutz. Die Regierungen müssen jetzt handeln, um schädliche Praktiken zu verbieten und eine nachhaltige Meeresnutzung zu fördern", sagt Simone Niedermüller vom WWF.


Seegras-Schutz durch Ankerverbote

Dem WWF-Bericht zufolge haben im Jahr 2024 mehr als 179.000 Schiffe auf Seegras geankert, davon waren 45 Prozent länger als 24 Meter. Diese großen Schiffe sind für fast 60 Prozent der zerstörten Gebiete verantwortlich. Zu den Hotspot-Regionen gehören Italien, Spanien, die Türkei, Griechenland und Frankreich. In einigen Gebieten wurden durch unkontrolliertes Ankern bis zu 50 Prozent der Wiesen beschädigt. "Ankerschäden heilen nur langsam. Die betroffenen Ökosysteme brauchen teilweise mehr als 100 Jahre, um sich zu erholen. Schutz und verbessertes Management der Boots- und Schifffahrt sind die einfachsten und wirksamsten Mittel, um diese wertvollen Naturräume zu schützen", sagt WWF-Expertin Simone Niedermüller.

Der WWF arbeitet in mehreren Mittelmeerländern, um die vielfältigen Bedrohungen für das Neptungras zu verringern – von der Verankerung bis zur illegalen Fischerei und Verschmutzung. Das Ziel lautet, bis 2027 150.000 Hektar zu regenerieren.
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Seegras am Meeresboden © faespencer pixabay.com