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Stromlüge statt Stromlücke

20.03.2008

Hans-Josef Fell zu den Aussagen Stephan Kohlers (DENA) ab 2012 könne mit den derzeitigen Kraftwerken nicht ausreichend Strom produziert werden

ja © Hans-Josef Fell
ja © Hans-Josef Fell
Der Geschäftsführer der DENA, Stefan Kohler, vertritt offensichtlich mehr die Interessen der vier großen Stromkonzerne, als die einer nachhaltigen Energieversorgung! Tatsächlich werden 2008 die Stromerzeugungskapazitäten in Erneuerbare Energien stark ausgebaut, was bei ungebremsten Ausbau eben nicht zu einer Stromlücke führen wird. Auch die großen Stromeinsparpotentiale geht die DENA nicht konsequent genug an, so Hans-Josef Fell, energiepolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen, in einer Stellungnahme.
Hintergrund: Eine aktuelle DENA-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass ohne Kraftwerksneubau eine Knappheit an Strom droht. 2020 könne die Leistung von 15 Kraftwerken fehlen. Damit vertritt nun sogar die DENA die zuerst von RWE geäußerten falschen Thesen für den Bau neuer klimaschädlicher Kohlekraftwerke.
Was die Warner vor einer Kraftwerkslücke unterschlagen, ist, dass die meisten verhinderten Kraftwerke Windparks und andere Erneuerbare Energien Anlagen sind. Nordrhein-Westfalen (seit schwarz-gelb), Baden-Württemberg, Bayern und bislang Hessen haben bisher einen Windkraftverhinderungskurs gefahren. In anderen Ländern wie Niedersachsen und Schleswig-Holstein gibt es Höhenbegrenzungen, die entweder dazu führen, dass die Windkraft-Anlagen weniger Strom erzeugen, als sie könnten oder dass die Parks erst gar nicht entstehen, da sie sich aufgrund der geringeren Stromerträge nicht rechnen würden. Auch viele Kraftwerksplanungen mit Bioenergien werden auf Eis gelegt. So hat der Neubau von Biogasanlagen im letzten Jahr einen Einbruch von über 50% erlitten.
Dabei hat gerade das letzte Jahr gezeigt, dass auch ohne die sechs zeitweise stillgelegten Atomkraftwerke das Licht weiter brannte und Deutschland einen hohen Stromexport-Überschuss hatte.
Die behauptete Stromlücke der DENA ist in Wahrheit eine Stromlüge.
Neben der Stromlücke behauptet Stefan Kohler, dass durch den Bau neuer Kohlekraftwerke auch keine höhere Belastung mit klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid drohe, weil die neue Generation der Kraftwerke einen deutlich besseren Wirkungsgrad habe. Die Aussage ist verantwortungslos in anbetracht der Klimaproblematik, denn nur mit einem Umstieg auf Erneuerbare Energie kann man dem Klimaproblem tatsächlich begegnen. So kann auch der immense CO2 Ausstoß effizienterer Kohlekraftwerke vermieden werden.
Die Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hat im vergangenen Jahr mit dem Konzept Energie 2.0 ihre Maßnahmen für eine zukunftsfähige Energieversorgung vorgelegt. Darin haben wir aufgezeigt, dass bei entschlossenem Handeln trotz Atomausstieg und Verzicht auf neue Kohlekraftwerke mehr als 40% der energiebedingten CO2-Emission bis 2020 in Deutschland vermieden werden können. Und eine Stromlücke wie es die DENA postuliert wird es auch nicht geben!
Wir fordern Herrn Kohler auf sich endlich mit den realen Wachstumsmöglichkeiten der Erneuerbare Energien zu beschäftigen, statt weiter dem klimaschädlichen Geschäft der Stromkonzerne fragwürdige politische Unterstützung zu geben, so Fell abschließend.

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20.03.2008 | Autor*in: litschauer
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