Strom aus der Sonne bringt Regen in die Wüste?
Die Idee klingt futuristisch: Dunkle Solarfelder erhitzen die Luft über der Wüste. Vom Meer strömt feuchte Luft nach. Die warme Luft steigt auf, kühlt in höheren Atmosphärenschichten ab – Wolken entstehen, möglicherweise sogar Regen und Gewitter. Entscheidend sei dabei die Größe der Anlagen, erklärt der Meteorologe Dr. Oliver Branch von der Universität Hohenheim: „Sobald Solarparks groß genug sind, könnten sie genügend Auftrieb erzeugen, damit feuchte Luftschichten die Wolkenbildung erreichen.“
Zusätzlich setzen die Forschenden auf künstliche Dünen von mehreren hundert Metern Höhe. Ähnlich wie Berge könnten sie Luftströmungen umlenken und diese zum Aufsteigen zwingen. Treffen feuchte Winde auf diese Hindernisse, könnten Wolken entstehen und abregnen.
Die Vision der Wissenschaftler geht weit über einzelne Solarfelder hinaus: In küstennahen Wüstenregionen könnten künftig Mega-Solarparks entstehen, kombiniert mit bewässerten Pflanzenfeldern und künstlichen Landschaftsformen. Die Pflanzen würden die Umgebung zusätzlich kühlen und dadurch sogar den Wirkungsgrad der Solarmodule verbessern.
Um herauszufinden, ob das Konzept tatsächlich funktioniert, wollen die Forscher nun hochpräzise Wetterdaten direkt neben bestehenden Solarparks in den Emiraten sammeln. Dafür kommen spezielle Lasersysteme – sogenannte LiDARs – zum Einsatz, die Wind, Temperatur und Luftfeuchtigkeit dreidimensional erfassen können. Anschließend sollen Supercomputer detaillierte Wettersimulationen berechnen.
Unterstützt wird das Projekt vom Forschungsprogramm der Vereinigten Arabischen Emirate für künstliche Regenverstärkung. Das sogenannte UAEREP-Programm fördert weltweit ausgewählte Spitzenforschung zur Regenbildung in Trockenregionen mit insgesamt fünf Millionen US-Dollar pro Jahr. Die Universität Hohenheim gehört bereits zum zweiten Mal zu den ausgezeichneten Forschungsteams.
Noch ist unklar, ob riesige Solarparks tatsächlich zuverlässig Regen erzeugen können. Doch die Forschenden sehen darin einen möglichen doppelten Nutzen: mehr erneuerbare Energie – und langfristig bessere Bedingungen für Landwirtschaft und Leben in extrem trockenen Regionen.