Spritpreisbremse: Wenig Entlastung, mehr Förderung für Vielverbraucher
Wien – Die heute vom Nationalrat beschlossene Spritpreisbremse bringt für Autofahrerinnen und Autofahrer nur eine vergleichsweise geringe finanzielle Entlastung. Gleichzeitig profitieren Haushalte mit hohem Spritverbrauch stärker von der Maßnahme als jene mit geringem Einkommen. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) plädiert deshalb für Maßnahmen, die den Spritverbrauch selbst reduzieren.
Österreichs Haushalte tanken mit ihren Pkw durchschnittlich rund 54 Liter Benzin oder 67 Liter Diesel pro Monat. Die nun beschlossene Spritpreisbremse senkt die monatlichen Kosten im Oktober und November laut VCÖ durchschnittlich um weniger als sieben Euro pro Benzin-Pkw beziehungsweise rund acht Euro pro Diesel-Pkw.
Deutlich größer wäre die finanzielle Wirkung einer Reduktion des Spritverbrauchs. Wer beispielsweise durch spritsparendes Fahren den Verbrauch um 20 Prozent senkt, könnte sich laut VCÖ im Durchschnitt 21 Euro pro Monat bei einem Benzin-Pkw und rund 30 Euro bei einem Diesel-Pkw ersparen.
VCÖ-Expertin Klara Maria Schenk kritisiert vor allem die soziale Verteilungswirkung der Maßnahme: „Die Spritpreisbremse trägt zur Verringerung der Spritkosten wenig bei, hat null Wirkung für die Reduktion unserer Abhängigkeit von Erdölimporten und weist eine gravierende soziale Schieflage auf.“
Der Grund: Wer mehr tankt, erhält auch eine größere Entlastung. Wohlhabendere Haushalte verbrauchen im Durchschnitt mehr Treibstoff als Haushalte mit niedrigerem Einkommen. Damit komme von einer nach dem Verbrauch gewährten Entlastung insgesamt ein größerer Anteil bei Besserverdienenden an, argumentiert der VCÖ.
Auch der Straßengüterverkehr wird durch die Maßnahme indirekt begünstigt. Die Spritpreisbremse entlastet damit auch den Transit-Lkw-Verkehr, obwohl dessen Abgase und Lärm entlang wichtiger Transitrouten für zahlreiche Menschen eine Belastung darstellen.
Aus Sicht des VCÖ wäre es sinnvoller, den Treibstoffverbrauch selbst zu reduzieren. Das senke nicht nur die Kosten für die Autofahrerinnen und Autofahrer, sondern auch den CO₂-Ausstoß und Österreichs Abhängigkeit von Erdölimporten.
Geringerer Spritverbrauch könne zudem einen Beitrag zur Eindämmung der Teuerung leisten. Gleichzeitig würden weniger gesundheitsschädliche Schadstoffe ausgestoßen. Ein spritsparender Fahrstil gehe häufig auch mit niedrigerem Tempo einher und könne damit zusätzlich die Verkehrssicherheit erhöhen.
Nicht der verbilligte Liter Sprit, sondern ein geringerer Spritverbrauch bringt Autofahrerinnen und Autofahrern langfristig die größere Entlastung – und reduziert gleichzeitig Umwelt- und Gesundheitsbelastungen.