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Solarwärme macht Wärmenetze zukunftsfähig 

30.09.2026

Solarthermie ergänzt bestehendes Biomasse-Nahwärmenetz: In Waldalgesheim wird die Wärmeversorgung Schritt für Schritt weiterentwickelt. Rund 950 MWh Solarwärme pro Jahr sollen künftig den Brennstoffbedarf senken und die Versorgung unabhängiger von Energiepreisen machen.

Waldalgesheim.jpg
Die neue Solarthermie-Freiflächenanlage des Nahwärmenetzes Waldalgesheim © EKA.rlp
Wärmenetze müssen nicht komplett neu gebaut werden, um klimafit zu werden. Das zeigt ein Projekt im rheinland-pfälzischen Waldalgesheim. Dort wird ein seit 2003 bestehendes Nahwärmenetz, das vor allem mit Holzhackschnitzeln betrieben wird, um eine großflächige Solarthermieanlage ergänzt.

Statt die vorhandene Infrastruktur zu ersetzen, setzt die EnergieDienstleistungsGesellschaft Rheinhessen-Nahe mbH (EDG) auf deren Weiterentwicklung. Die neue Solarwärme soll vor allem in den Sommer- und Übergangsmonaten einen Teil der Wärmeerzeugung übernehmen und damit den Einsatz der Biomasse reduzieren.
 

1.889 Quadratmeter Solarthermie

Die von Ritter XL Solar realisierte Freiflächenanlage verfügt über 1.889 Quadratmeter Kollektorfläche mit 144 CPC-Vakuumröhrenkollektoren. Erwartet wird ein jährlicher Solarwärmeertrag von rund 950 MWh. Damit soll die Solarthermie etwa 26 Prozent des jährlichen Wärmebedarfs des Nahwärmenetzes abdecken.
 

Die Wärme wird in einem 60 Kubikmeter großen Pufferspeicher zwischengespeichert und bedarfsgerecht in das bestehende Netz eingespeist. Versorgt werden unter anderem die Wohngebiete Waldstraße und Untere Amalienhöhe sowie kommunale Gebäude wie Keltenhalle, Kindertagesstätte und Bauhof.
 

Solarwärme spart wertvolle Biomasse

Der Vorteil der Kombination liegt nicht nur in der zusätzlichen erneuerbaren Energie. Solarthermie kann insbesondere dann Wärme liefern, wenn der Wärmebedarf geringer ist und Biomassekessel ansonsten auch für vergleichsweise kleine Leistungen betrieben werden müssten.
 

Die Solarwärme kann damit den Einsatz von Holzhackschnitzeln reduzieren. Eine orientierende technische Abschätzung kommt bei 950 MWh Solarwärme auf eine mögliche Einsparung von rund 320 bis 370 Tonnen Holzhackschnitzeln pro Jahr. Dabei handelt es sich allerdings ausdrücklich um eine Berechnung und nicht um einen gemessenen Betriebswert. Die tatsächliche Einsparung hängt unter anderem vom Kesselwirkungsgrad, der Holzfeuchte, dem Heizwert und der Betriebsweise des Gesamtsystems ab.

Damit wird Holz nicht überflüssig, sondern kann gezielter dort eingesetzt werden, wo Biomasse ihre Vorteile ausspielt, etwa bei höherem Wärmebedarf und wenn die Solarerträge geringer sind.
 

Bestehende Infrastruktur weiter nutzen

Ein wichtiger Aspekt des Projekts ist die schrittweise Transformation. Das bestehende Wärmenetz und die vorhandene Erzeugungsinfrastruktur bleiben erhalten und werden um eine weitere erneuerbare Wärmequelle ergänzt.

Bereits 2022 wurde die Heizzentrale umfassend saniert. Dabei wurde ein neuer Holzhackschnitzelkessel mit 700 kW thermischer Leistung installiert. Ein nachgeschalteter Elektrofilter reduziert die Staubemissionen auf unter 15 mg/m³ Abgas.
 

Zusätzlich wurde die Elektro- und MSR-Technik aus der Heizzentrale ausgelagert. In dem neu errichteten Bereich wurde auch Platz für ein Blockheizkraftwerk geschaffen. Dieses liefert 20 kW elektrische Leistung für den Eigenbedarf der Anlagen sowie 44 kW Wärme für die Grundlast. Die hydraulische Einbindung der späteren Solarthermieanlage wurde bereits bei der Sanierung vorbereitet.
 

3,3 Millionen Euro für die Wärmewende
 

Insgesamt investierte die EDG nach eigenen Angaben 1,1 Millionen Euro in die Sanierung der Heizzentrale und weitere 2,2 Millionen Euro in die Solarthermieanlage, zusammen also  3,3 Millionen Euro.

„Bezahlbare Wärmeprojekte entstehen dort, wo wir vorhandene Infrastruktur klug weiterentwickeln und die wirtschaftlich sinnvollsten erneuerbaren Wärmequellen miteinander kombinieren“, sagt EDG-Geschäftsführer Christoph Zeis. Solarthermie reduziere den Brennstoffeinsatz und mache einen Teil der Wärmeerzeugung langfristig unabhängig von Brennstoffpreisen.

Auch die Energieagentur Rheinland-Pfalz sieht in solchen Projekten ein wichtiges Element der Wärmewende. Paul Ngahan, Leiter des Referats Nahwärme und des Kompetenzzentrums Nahwärme, betont, dass ein großes Potenzial in bestehenden Wärmenetzen liege. Durch die Integration zusätzlicher erneuerbarer Wärmequellen könnten Emissionen reduziert, Ressourcen geschont und die Abhängigkeit von fossilen Energien Schritt für Schritt verringert werden.
 

Vorbild für die Transformation bestehender Netze

Das Beispiel Waldalgesheim zeigt damit einen Weg, der für viele bestehende Wärmenetze interessant sein kann: Nicht alles neu bauen, sondern vorhandene Strukturen intelligent weiterentwickeln.

Biomasse, Solarthermie, Speicher und bestehende Netzinfrastruktur werden zu einem gemeinsamen System verbunden. Gleichzeitig bleibt die regionale Verankerung erhalten.

Gerade für Kommunen kann dieser Ansatz interessant sein. Die Transformation eines Wärmenetzes muss nicht zwangsläufig mit einem vollständigen Austausch der bestehenden Erzeugungsanlagen beginnen. Zusätzliche erneuerbare Wärmequellen können schrittweise integriert werden – und damit Investitionen in die bestehende Infrastruktur weiter nutzbar machen.

 

Die neue Solarthermieanlage auf einen Blick

  • Kollektorfläche: 1.889 m2
  • Solarthermie: 144 CPC-Vakuumröhrenkollektoren
  • Erwartete Jahreswärmeertrag: rund 950 MWh
  • Deckungsanteil am Wärmebedarf: ca. 26 %
  • Pufferspeicher: 60 m³

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Die neue Solarthermie-Freiflächenanlage des Nahwärmenetzes Waldalgesheim © EKA.rlp