Solarstrom macht Österreich wieder zum Exporteur
Österreichs Stromsystem hat im Juni 2026 eine bemerkenswerte Wende vollzogen: Erstmals seit neun Monaten war die Strombilanz wieder positiv. Unter dem Strich exportierte Österreich im Juni 218 Gigawattstunden (GWh) Strom. Im Juni des Vorjahres hatte der Exportüberschuss noch 275 GWh betragen.
Den entscheidenden Beitrag dazu kam von der Photovoltaik. Während der Stromverbrauch im Vergleich zum Vorjahr um 2,5 Prozent zunahm, sank die Windstromerzeugung um 15 Prozent. Auch Wasserkraft verzeichnete einen weiteren Rückgang um 2 Prozent. Die Solarstromproduktion legte dagegen dank vieler Sonnenstunden und der ausgeprägten Hitzewelle um 15 Prozent zu.
Damit konnte die Photovoltaik die schwächere Erzeugung aus Wind- und Wasserkraft sowie den höheren Verbrauch bilanziell ausgleichen. Insgesamt lag die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien damit fast auf dem Niveau des Vorjahres, mit einem leichten Minus von 0,2 Prozent.
Solarstromüberschüsse werden exportiert
An insgesamt 16 Tagen im Juni konnte Österreich bilanziell Strom ins Ausland exportieren. Vor allem während der sonnenreichen Stunden stand ausreichend elektrische Energie zur Verfügung. In den Nachtstunden und bei geringerer erneuerbarer Erzeugung wurde hingegen Strom importiert.
„Der Juni hat einmal mehr gezeigt, wie eng Österreichs Stromhandelsbilanz mit der Verfügbarkeit erneuerbarer Energien verknüpft ist“, sagt Gerhard Christiner, Vorstandssprecher der Austrian Power Grid (APG). Stromüberschüsse aus erneuerbaren Energien könnten exportiert werden, während Defizite durch Importe ausgeglichen würden.
Die Entwicklung zeigt auch, wie stark Österreichs Stromsystem inzwischen von den Schwankungen der erneuerbaren Erzeugung geprägt ist. Während tagsüber große Mengen Solarstrom zur Verfügung stehen, können in den Nachtstunden oder bei wenig Wind und Wasser zusätzliche Strommengen benötigt werden.
Strom muss dorthin, wo er gebraucht wird
Eine wichtige Rolle spielt dabei auch der innerösterreichische Energieaustausch. Überschüsse aus Regionen mit hoher Stromproduktion können über das Übertragungsnetz in andere Bundesländer transportiert werden.
Im Juni speisten vor allem Niederösterreich mit 267 GWh und Tirol mit 258 GWh große Strommengen in das APG-Netz ein. Besonders viel Strom wurde aus dem Netz nach Wien (490 GWh) und Kärnten (153 GWh) geliefert.
Gleichzeitig stellte die hohe Volatilität der erneuerbaren Stromproduktion das Netzmanagement vor Herausforderungen. An 25 Tagen waren Maßnahmen zur Bewältigung von Netzengpässen notwendig. Dabei mussten 10.105 MWh erneuerbarer Strom abgeregelt werden, ausschließlich Laufwassererzeugung. Die Redispatch-Kosten beliefen sich bis Ende Juni auf 37 Millionen Euro.
Der Juni zeigt damit exemplarisch, wohin sich Österreichs Stromsystem entwickelt: Immer mehr Solarstrom bringt an sonnigen Tagen große Überschüsse, während gleichzeitig flexible Lösungen für Zeiten mit geringer erneuerbarer Erzeugung notwendig werden. Netzausbau, Speicher, flexible Verbraucher und ein leistungsfähiger Stromhandel werden daher entscheidend sein, um die wachsenden Mengen an erneuerbarer Energie optimal zu nutzen.