Solar-Boom: Balkonkraftwerke rechnen sich oft schon nach drei Jahren
Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher wollen zumindest einen Teil ihres Stroms selbst erzeugen. Besonders gefragt sind dabei sogenannte Balkonkraftwerke – kleine, vergleichsweise günstige Solaranlagen für Wohnungen.
„Balkonkraftwerke sind der einfachste Einstieg in die eigene Stromproduktion“, erklärt Energieexperte Benjamin Weigl von Finanztip. Sie eignen sich besonders für Miet- und Eigentumswohnungen, da sie ohne großen Installationsaufwand etwa am Balkon oder auf der Terrasse angebracht werden können.
Die Anschaffungskosten liegen häufig nur bei wenigen hundert Euro. Entsprechend schnell rechnet sich die Investition: Ein kleines Balkonkraftwerk für etwa 400 Euro amortisiert sich laut Berechnungen bereits nach knapp drei Jahren. Größere Anlagen für rund 700 Euro erreichen diesen Punkt nach etwa dreieinhalb Jahren.
Ganz unabhängig vom Strommarkt wird man mit einem Balkonkraftwerk allerdings nicht. Ein Beispielhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden kann mit einer kleinen Anlage etwa 15 Prozent seines Strombedarfs selbst decken. Bei größeren Systemen steigt dieser Anteil auf rund 20 Prozent.
Dennoch leisten die Geräte einen wichtigen Beitrag zur Senkung der Stromkosten – und sind rechtlich mittlerweile einfacher umzusetzen: Mieter haben grundsätzlich Anspruch darauf, ein Balkonkraftwerk zu betreiben.
Deutlich höhere Unabhängigkeit bieten klassische Photovoltaikanlagen auf dem Dach. Im gleichen Beispielhaushalt kann eine Anlage mit 18 Solarmodulen und einem Batteriespeicher rund 72 Prozent des Strombedarfs abdecken.
Allerdings sind die Einstiegskosten deutlich höher: Rund 14.000 Euro müssen aktuell für eine solche Anlage inklusive Speicher eingeplant werden. Die Amortisationszeit liegt bei etwa 15 Jahren. Langfristig kann sich die Investition dennoch lohnen: Nach 20 Jahren ergibt sich laut Finanztip ein Überschuss von mehr als 5.400 Euro – auch durch Einnahmen aus der Einspeisevergütung.
Besonders attraktiv sind größere Anlagen für Haushalte mit hohem Stromverbrauch oder künftig steigendem Bedarf, etwa durch Elektroautos oder Wärmepumpen.
Ein weiterer Grund für den aktuellen Solar-Boom liegt in der Energiepolitik: Nach Plänen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie könnte die Einspeisevergütung für neue Anlagen ab 2027 wegfallen. Das würde die Wirtschaftlichkeit deutlich verschlechtern.
Wer ohnehin über die Anschaffung einer Solaranlage nachdenkt, sollte daher nicht zu lange warten.
Die Berechnungen basieren auf einem Beispielhaushalt mit einem jährlichen Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden. Für Balkonkraftwerke wurden zwei Varianten verglichen: eine kleine Anlage mit 0,9 Kilowatt-Peak für 400 Euro sowie eine größere mit 1,8 Kilowatt-Peak für 700 Euro. Diese erzeugen jährlich etwa 770 beziehungsweise 1.300 Kilowattstunden Strom.
Zum Vergleich wurde eine Photovoltaikanlage mit 8,1 Kilowatt-Peak und einem Fünf-kWh-Batteriespeicher herangezogen. Neben Anschaffungskosten wurden auch laufende Kosten, ein möglicher Austausch des Speichers sowie zusätzliche Gebühren berücksichtigt.