Slowakei setzt auf Atomkraft - Erneuerbare bleiben zurück
JESS bereitet den Bau eines neuen Kernkraftwerks in Jaslovské Bohunice vor. Das Projekt soll vollständig in Staatsbesitz stehen. Als möglicher Hauptpartner für die Technologie gilt das US-Unternehmen Westinghouse.
Der Rückkauf des ČEZ-Anteils verzögert sich jedoch seit Monaten. Im Zentrum steht unter anderem die Bewertung der Beteiligung. Ein Gutachten soll den Anteil mit rund 190 Millionen Euro bewerten, während ČEZ selbst in seinem Jahresbilanzn einen deutlich niedrigeren Wert angesetzt hatte. Fico kritisiert deshalb auch sein Wirtschaftsministerium und drängt auf eine rasche Lösung.
Strombedarf steigt deutlich
Gleichzeitig warnt die Slowakische Vereinigung für nachhaltige Energie (SAPI) davor, dass Atomkraft die künftigen Energieprobleme des Landes nicht lösen wird. Der slowakische Nationale Energie- und Klimaplan sieht für 2030 lediglich einen Anteil von 25 Prozent erneuerbarer Energien vor. Damit würde die Slowakei deutlich hinter dem EU-Ziel von rund 35 Prozent zurückbleiben.
Besonders problematisch ist dies angesichts des erwarteten steigenden Strombedarfs. Durch die Elektrifizierung der Industrie, den zunehmenden Einsatz von Wärmepumpen und die wachsende Elektromobilität könnte der Stromverbrauch bis 2035 um rund ein Drittel steigen.
SAPI fordert daher einen wesentlich schnelleren Ausbau von Windkraft, Photovoltaik, Wasserkraft und Geothermie. Diese Anlagen könnten deutlich schneller errichtet werden als ein neues Großkraftwerk, außerdem wären sie günstiger.
Gefahr von Stromimporten
Auch beim geplanten neuen Atomkraftwerk sieht SAPI offene Fragen. Angesichts der bisherigen Verzögerungen und der hohen Kosten vergleichbarer Projekte sei fraglich, ob der neue Reaktor tatsächlich bis 2040 fertiggestellt werden kann. Auch der Preis ist ungewiss. Ohne einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien könnte die Slowakei nach 2030 zunehmend auf Stromimporte angewiesen sein.
Der Nationale Energie- und Klimaplan wurde erst mehr als neun Monate verspätet verabschiedet. Für SAPI ist dies ein Zeichen dafür, dass die Regierung bisher nicht ausreichend auf den wachsenden Energiebedarf vorbereitet ist.
Damit steht die Slowakei vor einem energiepolitischen Spagat: Fico will mit einem neuen Atomkraftwerk langfristig Versorgungssicherheit und staatliche Kontrolle stärken. Das Land muss aber seinen Ausbau erneuerbaren Energien massiv beschleunigen, wenn es Energieimporte vermeiden und die steigende Nachfrage decken will.