Sicherheit beginnt in den eigenen vier Wänden
Erinnert sich noch jemand an das Gefühl der „unerschütterlichen Gewissheit“? Dass das Gas immer günstig fließen würde, dass die Heizung im Winter eine reine Preisfrage sei, aber nie eine der Verfügbarkeit? Diese Zeiten sind endgültig vorbei. Zum vierten Jahrestag des Krieges in der Ukraine müssen wir uns in Österreich einer unbequemen Wahrheit stellen: Wer seine Energie aus dem Ausland bezieht, kauft die Unsicherheit immer mit ein.
Das Ende der Gemütlichkeit
Die aktuellen Zahlen der E-Control lassen aufhorchen: Die heimischen Gasspeicher sind Ende Februar auf rund ein Drittel geleert – ein Niveau, das gefährlich nahe an die Krisenjahre 2022 und 2023 erinnert. Gleichzeitig hat die EU beschlossen, bis Ende 2027 vollständig aus russischem Erdgas auszusteigen.
Was früher als „billiges Gas aus dem Osten“ galt, ist heute ein geopolitisches Druckmittel. Doch die Alternative – Flüssiggas (LNG) aus den USA oder aus Katar – macht uns nicht freier, sondern nur von anderen Akteuren abhängig, außerdem ist es teurer. „Es gibt keine Sicherheit ohne Energiesicherheit“, warnt Michael Zinkanell, Direktor des Austria Instituts für Europa- und Sicherheitspolitik. Für ihn ist jede Investition in heimische Energie eine Investition in unsere Verteidigungsfähigkeit. Denn: Jeder Euro, den wir für Importe überweisen, fehlt uns beim Aufbau einer stabilen, eigenständigen Strategie.
3 Milliarden Euro für das Ausland – jedes Jahr
Es ist eine Summe, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: Rund 3 Milliarden Euro überweist Österreich jährlich allein für Gasimporte ins Ausland. Rechnet man Öl und Kohle dazu, sind es sogar 14 Milliarden. Das ist Geld, das nicht in unsere Regionen, nicht in unsere Betriebe und nicht in unsere Infrastruktur fließt.
Franz Angerer von der Österreichischen Energieagentur betont die wirtschaftliche Vernunft eines Umstiegs: „Volkswirtschaftlich gesehen macht der Ausstieg aus Gas absolut Sinn. Er reduziert nicht nur Emissionen, sondern macht uns vor allem weniger erpressbar.“ Besonders für die hunderttausenden Haushalte, die noch mit Gas heizen, gibt es längst erprobte, verlässliche Alternativen.
Windkraft: Ein Schutzschirm für den Winter
Wenn es draußen stürmisch und kalt ist, zeigt eine Technologie ihre wahre Stärke, die oft unterschätzt wird: Windkraft. Während Solaranlagen im Winter naturgemäß weniger liefern, hat die Windenergie jetzt Hauptsaison. Zwei Drittel ihres Jahresstroms produziert sie im Winterhalbjahr – genau dann, wenn wir ihn für unsere Wärmepumpen und den erhöhten Strombedarf am dringendsten brauchen.
„Das Potenzial ist da und griffbereit“, erklärt Josef Plank, Präsident der IG Windkraft. Aktuell sind in Österreich 214 Windräder mit einer Leistung von 1.200 Megawatt fertig genehmigt und baureif. Diese könnten sofort 925.000 Haushalte mit sauberem Winterstrom versorgen – das entspricht dem gesamten Stromverbrauch von Vorarlberg. Genug Strom für Wärmepumpen oder den Betrieb der Pelletheizung.
Vernunft statt Ideologie
Für die Menschen geht es hier nicht um ökologische Träumereien, sondern um harten Realismus. Es geht darum, dass die Heizung läuft, die Industrie wettbewerbsfähig bleibt und wir als Land nicht zum Spielball globaler Mächte werden.
Über 200 mittelständische Betriebe und rund 8.000 Beschäftigte in ganz Österreich arbeiten bereits an dieser Energieunabhängigkeit. Sie stehen für eine saubere Energie „Made in Austria“, die uns davor schützt, dass Gas jemals wieder als Waffe gegen uns eingesetzt werden kann.
Der nächste Winter kommt bestimmt. Die Frage ist nur, ob wir ihn mit dem Hoffen auf volle Pipelines im Ausland verbringen – oder mit der Gewissheit, dass unsere Energie auf unseren eigenen Feldern und Bergen gewonnen wird.
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