Seidenstraßen-Karawane erreicht Mongolei: Weideland im Fokus der UN-Wüstenkonferenz
Im Mittelpunkt der Reise stehen Weidelandschaften und die Menschen, die von ihnen leben. Hirten, Wissenschaftler, politische Entscheidungsträger, junge Menschen und lokale Gemeinschaften tauschten entlang der Route Erfahrungen darüber aus, wie degradiertes Land wiederhergestellt und die Widerstandsfähigkeit gegenüber zunehmender Trockenheit gestärkt werden kann.
Die Mongolei ist dafür ein besonders wichtiger Schauplatz. Rund 70 Prozent des Landes bestehen aus Weideland, von dem etwa ein Drittel der Bevölkerung unmittelbar abhängig ist. Gleichzeitig stehen die Landschaften massiv unter Druck: Nach Angaben des UNCCD sind knapp 77 Prozent der mongolischen Landesfläche von Landdegradation betroffen. Dürren nehmen zu, während Sand- und Staubstürme deutlich häufiger werden.
Besonders dramatisch zeigte sich die Verwundbarkeit der Viehhaltung 2023 und 2024. Auf eine Dürre im Sommer folgte ein extrem harter Winter, ein sogenannter Dzud. Mehr als sieben Millionen Nutztiere gingen verloren.
Die Bedeutung des Themas reicht weit über die Mongolei hinaus. Weidelandschaften bedecken rund 54 Prozent der weltweiten Landfläche, sichern die Lebensgrundlage von etwa zwei Milliarden Menschen und liefern knapp 70 Prozent des Futters für die globale Viehhaltung. Gleichzeitig gelten bis zu 50 Prozent dieser Flächen als degradiert.
Die Karawane steht daher auch im Zeichen des Internationalen Jahres der Weidelandschaften und Hirten 2026. Die Erfahrungen aus den verschiedenen Regionen sollen nun bei der UNCCD COP17 in konkrete internationale Maßnahmen einfließen.
„Menschen stehen im Mittelpunkt der Wiederherstellung“, betont UNCCD-Generalsekretärin Yasmine Fouad. Es gebe keinen einheitlichen Weg zur Renaturierung. Entscheidend seien internationale Zusammenarbeit und Investitionen in jene Menschen, die diese Landschaften seit Generationen bewirtschaften.
In der Mongolei führt die letzte Etappe der Karawane unter anderem durch die Gobi, den Hustai-Nationalpark, das UNESCO-Welterbe Orkhon-Tal und zum Ramsar-Schutzgebiet am Ugii-See. Die Teilnehmer treffen Nomadenfamilien, Forschungseinrichtungen, lokale Behörden und Weidewirtschaftsgenossenschaften und besuchen Projekte zur Wiederherstellung geschädigter Flächen.
Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Vom 17. bis 28. August 2026 findet in Ulaanbaatar die UNCCD COP17 statt. Regierungen, Wissenschaft, indigene Gemeinschaften, Hirten, Zivilgesellschaft und Unternehmen beraten dort über Landdegradation, Dürrerisiken und eine nachhaltigere Bewirtschaftung von Weideland.
Damit wird die Mongolei für zwei Wochen zum internationalen Zentrum der Diskussion über eine Frage, die angesichts von Klimawandel, zunehmender Trockenheit und Bodendegradation immer dringlicher wird: Wie können die Lebensgrundlagen auf den großen Weidelandschaften der Erde langfristig erhalten werden?