Riskante Begleiter im Alltag: Wenn falsch entsorgte Akkus brandgefährlich werden
Millionen Akkus im Restmüll
Lithium-Akkus sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken – ob in E-Zigaretten, Laptops, kabellosen Kopfhörern oder elektrischen Zahnbürsten. Doch ihre Entsorgung wird zunehmend zum Problem: Laut Schätzungen der Montanuniversität Leoben landen in Österreich jährlich rund drei Millionen Lithium-Batterien im Restmüll. In den kommenden Jahren könnte sich diese Zahl auf sechs Millionen verdoppeln.
Die Folgen sind dramatisch. 2025 wurden in Österreichs Entsorgungs- und Recyclingbetrieben 36 größere Brandereignisse registriert. In mehreren Fällen stehen falsch entsorgte Lithium-Batterien als mögliche Brandursache im Raum. Insgesamt brennt es in der Abfallwirtschaft statistisch bis zu sechs Mal pro Tag.
Wird ein Lithium-Akku im Müllfahrzeug oder in der Sortieranlage beschädigt, kann es zum sogenannten „thermischen Durchgehen“ kommen – einer Kettenreaktion, bei der sich der Akku selbst entzündet. Im Restmüll trifft der Funke auf ideale Bedingungen: große Mengen leicht brennbarer Materialien lassen selbst kleine Zündquellen zu Großbränden anwachsen.
Für die Feuerwehr bedeuten solche Brände enorme Herausforderungen. Sie können sich über Tage hinziehen, erfordern hohen Personal- und Mitteleinsatz und führen zu erheblicher Schadstoffbelastung in der Luft. Auch kontaminiertes Löschwasser muss aufwendig entsorgt werden.
Während Lithium-Batterien 2024 bereits 46,5 Prozent der in Verkehr gebrachten Gerätebatterien ausmachten, liegt ihre Sammelquote erst bei 13,3 Prozent. Ein Grund ist ihre lange Lebensdauer von fünf bis acht Jahren – oft sogar deutlich länger. Dadurch gelangen viele Akkus zeitverzögert in den Entsorgungsstrom.
Hinzu kommt Unwissen: Neben Smartphones, Laptops oder Powerbanks enthalten auch vermeintlich harmlose Produkte wie E-Vapes, blinkende Haarreifen oder Kinderspielzeug Lithium-Akkus. Viele dieser Geräte sind beim Wegwerfen noch nicht vollständig entladen und bergen weiterhin ein erhebliches Brandrisiko.
Die finanziellen Folgen für Entsorgungsbetriebe sind gravierend. Die Schadenssummen gehen bereits in die Millionen, Versicherungsprämien steigen massiv oder Versicherer ziehen sich ganz zurück. Das gefährdet langfristig die Stabilität der Recycling-Infrastruktur.
Umweltminister Norbert Totschnig betonte die zentrale Rolle der Abfallwirtschaft für Ressourcen- und Klimaschutz. Bereits im Rahmen eines Runden Tisches zu Batterien wurde eine verstärkte Informationskampagne vereinbart, darunter die Weiterentwicklung der Initiative „Her mit Leer“. Ziel ist es, das Bewusstsein für die richtige Entsorgung zu schärfen.
Klar ist: Nur durch das Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Bevölkerung lässt sich das Brandrisiko nachhaltig reduzieren. Batterien und Akkus gehören keinesfalls in den Restmüll, sondern ausschließlich zu den vorgesehenen Sammelstellen. Jeder einzelne Beitrag zählt – für eine sichere Abfallwirtschaft und den Schutz von Mensch und Umwelt.