Rekordsommer 2026: Oberösterreich erlebt Hitze, Trockenheit und Wetterextreme
Damit zeigt der Sommer 2026 eindrucksvoll, wie sich die Klimakrise bemerkbar macht.
2,8 Grad über dem Jahres-Klimamittel
Der Sommer 2026, also die Monate Juni, Juli und August, lag in Oberösterreich 2,8 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. Damit war er der wärmste Sommer der Messgeschichte, sowohl in Oberösterreich als auch österreichweit.
Besonders markant waren zwei ausgeprägte Hitzewellen. Nach einem zunächst wechselhaften und teilweise sogar kühlen Sommerbeginn änderte sich die Wetterlage Mitte Juni grundlegend. Eine rund zweiwöchige Hitzeperiode brachte außergewöhnlich hohe Temperaturen.
Ende Juli und Anfang August folgte die nächste Hitzewelle. Österreichweit wurden zwischen 3. und 6. August zahlreiche Temperaturrekorde gebrochen. An elf Messstationen wurden mindestens 40 Grad erreicht.
Insgesamt wurden in Österreich heuer bereits sechs Tage mit mindestens 40 Grad registriert, so viele wie noch nie seit Beginn der Messgeschichte.
Oberösterreich blieb zwar knapp unter der 40-Grad-Marke. Die höchste Temperatur des Jahres wurde am 31. Juli in Weyer mit 39,6 Grad gemessen.
44 Hitzetage in Linz
Wie außergewöhnlich der Sommer war, zeigt sich auch bei der Zahl der sogenannten heißen Tage mit mehr als 30 Grad. In weiten Teilen Oberösterreichs wurden zwei- bis dreimal so viele Hitzetage registriert wie im Mittel der Jahre 1991 bis 2020.
An der Spitze lagen Braunau, Enns, Bad Goisern und Weyer mit jeweils mehr als 40 Tagen über 30 Grad. In Linz wurden 44 Hitzetage gezählt.
Besonders belastend waren zudem die Nächte. In Linz wurden 20 Tropennächte registriert, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sank. Zum Vergleich: Im gesamten Sommer 2025 gab es in Linz keine einzige Tropennacht.
Für den menschlichen Körper sind solche Nächte besonders problematisch, weil die dringend benötigte nächtliche Abkühlung ausbleibt.
Dramatische Trockenheit
Noch auffälliger als die Temperaturentwicklung war die Niederschlagsbilanz. In Oberösterreich fiel im Sommer rund 43 Prozent weniger Regen als im Klimamittel.
Besonders extrem war die Situation in einzelnen Regionen. In Wels wurden im Juli gerade einmal rund 13 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge gemessen, das ist ein Defizit von 87 Prozent. Im Raum Steyr fehlten sogar 91 Prozent.
In Linz fielen im bisherigen Sommer lediglich rund 180 Millimeter Niederschlag, verglichen mit durchschnittlich 276 Millimetern. Auf das gesamte Jahr gerechnet fehlen dort aktuell bereits 236 Liter Regen pro Quadratmeter.
Die Trockenheit ist zudem keineswegs auf die Sommermonate beschränkt. Österreichweit waren die zwölf Monate bis August 2026 die trockensten seit Beginn der Messungen im Jahr 1850.
Ausgetrocknete Bäche, niedrige Flüsse
Die Folgen sind vielerorts sichtbar. Flüsse wie Traun und Donau führen Niedrigwasser, kleinere Gewässer wie Gusen oder Mattig sind teilweise vollständig ausgetrocknet.
Für die Natur ist die Situation dramatisch. Niedrige Wasserstände und hohe Wassertemperaturen setzen Fischen und anderen Wasserorganismen zu. Landwirtschaftliche Flächen leiden unter dem Wassermangel, während Wälder durch Hitze und Trockenstress anfälliger für Schäden und Brände werden.
Dabei ist nicht allein die Regenmenge entscheidend. Durch die hohen Temperaturen verdunstet gleichzeitig wesentlich mehr Wasser. Die sogenannte klimatische Wasserbilanz, also das Verhältnis zwischen Niederschlag und Wasserverlust durch Verdunstung, verschlechtert sich dadurch zusätzlich.
Ein kräftiges Gewitter kann daran wenig ändern: Starkregen fällt meist auf kleinem Raum und in kurzer Zeit. Er kann ein über Monate aufgebautes Niederschlagsdefizit nicht ausgleichen.
Zwischen Dürre und Starkregen
Paradoxerweise bedeutet zunehmende Trockenheit nicht, dass extreme Niederschläge verschwinden. Auch im Sommer 2026 kam es zu heftigen lokalen Unwettern.
Eine spektakuläre Ausnahme war der 17. August, als ein kleinräumiger Tornado durch Eferding zog und eine Schneise der Verwüstung hinterließ.
Das zeigt eine weitere Herausforderung der Klimakrise: Extremwetter kann in kurzer Abfolge sehr unterschiedliche Gesichter zeigen, von langanhaltender Dürre bis zu lokalem Starkregen.
Gletscher unter vehementem Druck
Die Erwärmung macht sich auch in den Alpen bemerkbar. Am Dachsteingletscher zeichnet sich heuer mit hoher Wahrscheinlichkeit der stärkste Rückgang seit Beginn des dortigen Forschungsprogramms vor rund 20 Jahren ab.
Die Entwicklung steht im Einklang mit dem langfristigen Erwärmungstrend. In Österreich sind die Sommer innerhalb der vergangenen rund 40 Jahre um etwa drei Grad wärmer geworden.
Der Sommer 2026 setzt diese Entwicklung fort und verschärft gleichzeitig die bereits aus dem Winter und Frühjahr vorhandene Trockenheit.
„Die Klimakrise ist da“
Umwelt- und Klima-Landesrat Stefan Kaineder sieht in den Entwicklungen ein klares Warnsignal:
„Was wir erleben, ist kein Ausnahmezustand mehr, sondern der neue Normalzustand.“
Die Klimakrise zeige sich nicht nur in wissenschaftlichen Modellen, sondern unmittelbar vor der Haustür: in ausgetrockneten Feldern und Flussbetten, in Hitzetagen und zunehmenden Wetterextremen.
Nach Angaben des Landes sind allein im Juni und Juli in Österreich mehr als 600 Menschen an den Folgen der Extremtemperaturen gestorben.
Für Kaineder braucht es deshalb zwei parallele Strategien: konsequente Emissionsreduktion und Anpassung an jene Folgen des Klimawandels, die bereits nicht mehr verhindert werden können.
Mehr Schatten, weniger Beton
Bei der Klimaanpassung gehe es um konkrete Maßnahmen in Städten und Gemeinden: mehr Bäume und Schatten, entsiegelte Flächen, Hochwasserschutz und renaturierte Gewässer.
Denn versiegelte Flächen verschärfen gleich mehrere Probleme. Asphalt und Beton heizen sich auf, speichern Wärme und verhindern gleichzeitig, dass Regenwasser in den Boden eindringen kann. Bei Starkregen steigt dadurch das Risiko von Überflutungen.
Oberösterreich setzt unter anderem auf eine Entsiegelungsförderung sowie ein Gemeinde-Klimaanpassungsprogramm.
„Jeder neu gepflanzte Baum, jeder entsiegelte Quadratmeter, jede renaturierte Flusslandschaft ist ein Stück Sicherheit für die Menschen in diesem Land“, betont Kaineder.
Der Sommer 2026 liefert dafür eindrucksvolle Argumente. Hitze, Dürre, Niedrigwasser und Unwetter sind längst keine abstrakten Zukunftsszenarien mehr. Sie prägen bereits heute den Alltag in Oberösterreich, genauso wie in ganz Österreich.
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