Rekordhitze treibt Inflation: OeNB sieht Klimarisiken zunehmend auch im Geldbörsel
Für die Inflation im gesamten ist das zwar zunächst ein vergleichsweise kleiner Effekt. Bei einzelnen Produkten können die Auswirkungen aber deutlich stärker ausfallen. Besonders sensibel reagieren laut OeNB die Preise von Energie sowie bestimmten Lebensmitteln und Getränken, darunter Fruchtsäfte, Milchprodukte und Bier. Die Analyse der OeNB zeigt damit auch die zunehmend wichtige Verbindung zwischen Klimakrise und Preisentwicklung. Wetterextreme sind nicht mehr nur ein ökologisches oder landwirtschaftliches Problem, sondern können zunehmend zu einem wirtschaftlichen Risiko werden.
Hitze beeinflusst Lebensmittel und Energie
OeNB-Ökonomin Mirjam Salish hat Daten aus den Jahren 2000 bis Juni 2026 ausgewertet und untersucht, welche Preise im österreichischen Verbraucherpreisindex besonders auf ungewöhnliche Wetterbedingungen reagieren.
Dabei zeigte sich, dass die Temperatur unter den untersuchten Wetterfaktoren die größte Rolle spielt. Hitze, Trockenheit und Starkregen können landwirtschaftliche Erträge beeinträchtigen und dadurch das Angebot bestimmter Lebensmittel reduzieren.
Die Folgen reichen aber weiter. Wetterbedingungen beeinflussen auch den Energiebedarf, Transport und Lieferketten sowie das Konsumverhalten. Während milde Winter den Bedarf an Heizenergie reduzieren und damit den Preisdruck bei Energie dämpfen können, steigt bei großer Sommerhitze der Bedarf an Kühlung.
Gerade dieser Zusammenhang ist bemerkenswert: Der Klimawandel kann zwar langfristig zu weniger Heizbedarf führen, gleichzeitig aber den Energieverbrauch im Sommer erhöhen.
Grüne: „Kein Klimaschutz kostet am meisten“
Der Grünen-Budgetsprecher Jakob Schwarz sieht im OeNB-Bericht eine Bestätigung für die wirtschaftlichen Folgen der Klimakrise. „Kein Klimaschutz kostet am meisten“, erklärte Schwarz. Die Auswirkungen seien bereits heute sichtbar und reichen von Ernteausfällen über steigende Energiepreise bis hin zu höheren Kosten durch Wetterextreme.
Besonders verweist Schwarz auf die Landwirtschaft. Durch die Hitze und Trockenheit könnten Ernten ausfallen, während gleichzeitig die Tierhaltung unter den hohen Temperaturen leide. Kühe produzierten bei Hitze weniger Milch, Hennen weniger Eier. Auch der Preis von Fruchtsäften könne steigen, weil aufgrund der Wetterbedingungen weniger Obst geerntet werde.
Die Grünen sehen auch einen Zusammenhang mit den Energiekosten. Bei hohen Temperaturen steigt der Strombedarf für Klimaanlagen. Wenn dieser zusätzliche Bedarf nicht ausreichend durch erneuerbare Energien gedeckt werden kann, können fossile Kraftwerke zur Stromversorgung beitragen. Schwarz argumentiert, dass dadurch auch der Gasverbrauch und letztlich die Energiepreise beeinflusst werden können.
0,1 Prozentpunkte - klein, aber wirtschaftlich relevant
Der von der OeNB erwartete Effekt von 0,1 Prozentpunkten klingt zunächst gering. Schwarz zieht allerdings einen politischen Vergleich: Dieser Effekt entspreche ungefähr jenem Betrag, um den die von der Bundesregierung beschlossene Mehrwertsteuersenkung den Preisanstieg gedämpft habe.
Seine Schlussfolgerung: Die Maßnahme könne durch die wetterbedingten Preissteigerungen praktisch wieder aufgezehrt werden. Gleichzeitig warnt die OeNB selbst davor, die Bedeutung solcher Entwicklungen zu unterschätzen. Extreme oder länger anhaltende Wetteranomalien erhöhen die Unsicherheit von Inflationsprognosen.
Damit bekommt die Klimakrise eine zusätzliche wirtschaftliche Dimension. Wenn Dürren, Hitzewellen und andere Wetterextreme häufiger oder intensiver werden, können ihre Auswirkungen auf Preise und Inflation ebenfalls an Bedeutung gewinnen.
Klimarisiko wird zum Inflationsrisiko
Die OeNB kommt daher zu einem bemerkenswerten Schluss: Wetterinformationen werden für die Inflationsprognose und die Einschätzung von Preisrisiken zunehmend relevant.
Das bedeutet nicht, dass jede Hitzewelle automatisch zu einer deutlich höheren Inflation führt. Die Auswirkungen hängen davon ab, wie stark Angebot und Nachfrage betroffen sind, wie lange die Wetterextreme dauern und welche Ausweichmöglichkeiten bei Energie, Lebensmitteln und Lieferketten bestehen.
Der Sommer 2026 liefert allerdings ein deutliches Beispiel dafür, dass Klimarisiken und wirtschaftliche Risiken immer stärker miteinander verbunden sind. Was auf dem Feld als Dürre beginnt, kann über geringere Ernten, höhere Lebensmittelpreise und veränderte Energieverbräuche letztlich auch bei den Konsumentinnen und Konsumenten ankommen.
Die OeNB wird am 11. September 2026 ihre neue Wirtschafts- und Inflationsprognose vorlegen. Dann wird sich zeigen, wie stark die Nationalbank die Auswirkungen des außergewöhnlichen Sommers tatsächlich in ihren Prognosen berücksichtigt.
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