Rechenzentren brauchen nicht nur Strom, auch Wasser wird zum Standortfaktor
Wie viel Wasser Rechenzentren tatsächlich benötigen, lässt sich derzeit allerdings nur unvollständig erfassen. Für 2024 weisen verfügbare Meldungen einen Wassereinsatz von rund 1,85 Milliarden Litern aus. Die Zahl bildet jedoch nur einen Teil des Marktes ab. Für das Berichtsjahr 2025 hatten bis Anfang Juli 2026 lediglich 482 von schätzungsweise rund 1.000 meldepflichtigen deutschen Rechenzentren Daten übermittelt.
Wie hoch der Wasserbedarf ausfällt, hängt wesentlich von der eingesetzten Kühltechnik ab. Verdunstungskühlungen können Wärme mit vergleichsweise wenig Strom abführen, benötigen dafür aber Wasser. Trockene Rückkühler kommen mit deutlich weniger Wasser aus, können bei hohen Außentemperaturen jedoch mehr Strom und größere Kühlflächen benötigen.
Ein niedriger Energieverbrauch bedeutet deshalb nicht automatisch die bessere Gesamtbilanz. Entscheidend sind Standort, Klima, Wasserverfügbarkeit, Strommix, Auslastung und die Möglichkeit, entstehende Abwärme weiterzuverwenden.
Auch die derzeit verwendete Kennzahl Water Usage Effectiveness (WUE) hat Grenzen. Sie erfasst im Wesentlichen den direkten Wasserbedarf am Standort. Der Wasserbedarf für die Stromerzeugung und die Herstellung der IT-Hardware bleibt dabei außen vor. Nach einer Modellierung der Internationalen Energieagentur entfielen 2023 von einem weltweiten Wasserbedarf von mehr als 500 Milliarden Litern rund 140 Milliarden Liter auf den direkten Betrieb und etwa 373 Milliarden Liter auf die Bereitstellung des benötigten Stroms.
Die deutsche Regulierung setzt bisher vor allem beim Energieverbrauch an. Für neue Rechenzentren gilt seit 1. Juli 2026 ein maximaler PUE-Wert von 1,2. Zusätzlich müssen Betreiber einen Teil der entstehenden Abwärme nutzbar machen.
Bei der Wasserbilanz fehlen vergleichbare verbindliche Effizienzgrenzwerte bisher. Die EU arbeitet allerdings an einem Bewertungssystem, das neben Energieverbrauch und erneuerbaren Energien auch Wasserfußabdruck und Abwärmenutzung stärker berücksichtigen soll. Vorgesehen ist unter anderem ein Nachhaltigkeitslabel von A bis G für größere Anlagen.
Ein interessantes Beispiel findet sich auf dem incampus in Ingolstadt. Auf dem 75 Hektar großen Areal einer ehemaligen Raffinerie muss belastetes Grundwasser im Rahmen der Altlastensanierung dauerhaft abgepumpt und gereinigt werden. Bis zu 200 Kubikmeter Wasser pro Stunde werden dafür gefördert.
Statt das Wasser ausschließlich für die Sanierung zu nutzen, wird seine relativ konstante Temperatur zusätzlich für Heizung und Kühlung des Campus eingesetzt. Wärmetauscher übertragen die thermische Energie, anschließend wird das gereinigte Wasser wieder versickert. Die technischen Heiz- und Kühlkreisläufe bleiben dabei vom Grundwasser getrennt.
Auf diese Weise entstehen rund 1,5 Megawatt Heiz- und Kühlleistung aus einem Wasserstrom, der für die Grundwassersanierung ohnehin benötigt wird.
Auch das Rechenzentrum ist in das Energiesystem eingebunden. Seine Abwärme wird nicht einfach an die Umgebung abgegeben, sondern in ein Niedrigtemperaturnetz eingespeist. Wärmepumpen und thermische Speicher sorgen dafür, dass Erzeugung und Wärmebedarf zeitlich aufeinander abgestimmt werden können.
Das Beispiel zeigt einen Ansatz, der auch für künftige Standorte interessant sein kann: Nicht Stromversorgung, Kühlung, Wasser und Abwärme isoliert betrachten, sondern als zusammenhängendes Energiesystem.
Das wird angesichts des Klimawandels wichtiger. Steigende Temperaturen erhöhen den Kühlbedarf, gleichzeitig können Dürreperioden die Verfügbarkeit von Wasser einschränken. Damit kann die Wasserfrage zunehmend zu einem wirtschaftlichen und planerischen Standortfaktor werden.
Für neue Rechenzentren reicht es daher künftig wahrscheinlich nicht mehr, lediglich ausreichend Strom, Glasfaser und Fläche zu finden. Genauso wichtig wird die Frage, welche Kühlung an einem Standort langfristig möglich ist und ob sich für die kontinuierlich anfallende Abwärme Abnehmer finden lassen.
Der incampus in Ingolstadt zeigt dabei ein Prinzip mit Potenzial: Was für den einen Teil des Systems Abwärme oder ein notwendiger Wasserstrom ist, kann für einen anderen Teil eine wertvolle Energiequelle sein.
Die effizienteste Lösung könnte daher nicht die einzelne Technologie sein, sondern das Zusammenspiel mehrerer Systeme.