Pflanzlich essen und Sport? Die Leistung bleibt auf Kurs
An der Untersuchung beteiligten sich 36 Studierende der Rutgers University, der Stanford University, der Vanderbilt University und der University of Reading in England. Unter ihnen waren 16 Freizeitausdauersportler und 20 Kraftsportler, die drei- bis viermal pro Woche trainierten.
Das Studiendesign war als sogenanntes Crossover-Modell angelegt: Alle Teilnehmer absolvierten zwei vierwöchige Ernährungsphasen. In einer Phase ernährten sie sich gemischt und sollten täglich mindestens zwei Portionen tierisches Eiweiß konsumieren. In der anderen Phase ersetzten sie Fleisch durch mindestens zwei Portionen pflanzlicher Proteinquellen wie Bohnen, Tofu oder pflanzliche Fleischalternativen. Die Reihenfolge der Ernährungsformen wurde zufällig festgelegt, sodass sich jeder Teilnehmer gewissermaßen selbst als Vergleich diente.
Kaum Unterschiede bei Ausdauer und Kraft
Die Ausdauerathleten mussten in einem zwölfminütigen Lauf möglichst viel Strecke zurücklegen. Während der Ernährungsphase mit Fleisch erreichten sie durchschnittlich knapp 2.658 Meter, mit pflanzenbasierter Ernährung waren es rund 2.622 Meter. Der Unterschied von etwa 36 Metern war statistisch nicht signifikant.
Auch bei den Kraftsportlern zeigte sich ein ähnliches Bild. Getestet wurde das Drei-Wiederholungs-Maximum an Brustpresse, Latzug und Beinpresse. Die kombinierte Kraftleistung lag während der pflanzenbasierten Phase zwar um rund vier Prozent niedriger, auch dieser Unterschied erreichte jedoch keine statistische Signifikanz.
„Nach vier Wochen mit den jeweiligen Ernährungsformen zeigten sich keine statistisch signifikanten Unterschiede in der sportlichen Leistung zwischen der pflanzenbasierten und der omnivoren Phase“, fasst Peggy Policastro, Leiterin der Abteilung für Verhaltensernährung an der Rutgers University und staatlich anerkannte Diätassistentin, die Studienergebnisse zusammen.
Weniger Protein - aber ausreichend?
Interessant ist dabei vor allem ein weiterer Befund: Während der pflanzenbasierten Phase nahmen die Teilnehmer deutlich weniger Protein zu sich. Im Durchschnitt waren es rund 71 Gramm täglich - gegenüber etwa 103 Gramm während der gemischt essenden Phase.
Nach Angaben der Forscher lag die Proteinzufuhr dennoch innerhalb der veröffentlichten Empfehlungen für regelmäßig aktive Menschen. Gleichzeitig enthielt die pflanzenbasierte Ernährung mehr Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Eisen und Kalzium. Die gemischte Ernährung mit Fleisch lieferte dagegen mehr gesättigte Fettsäuren, Cholesterin und Vitamin B12. Die angegebene Kalorienaufnahme war in beiden Ernährungsphasen ähnlich.
Die Ergebnisse zeigen damit auch, dass eine pflanzenbasierte Ernährung nicht automatisch mit einer schlechteren Nährstoffversorgung gleichzusetzen ist. Entscheidend ist vielmehr, welche Lebensmittel ausgewählt und wie ausgewogen die Ernährung zusammengestellt wird. Bei einer langfristig rein pflanzlichen Ernährung ist vor allem auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B12 zu achten.
Keine Freikarte für Spitzensportler
Die Aussagekraft der Studie hat allerdings Grenzen. Untersucht wurden gesunde, körperlich aktive Freizeitsportler – und das über einen Zeitraum von vier Wochen. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf Spitzensportler übertragen. Auch langfristige Auswirkungen auf Muskelaufbau, Regeneration und Leistungsentwicklung wurden nicht untersucht.
Außerdem wiesen die von den Teilnehmern angegebenen Kalorienmengen teilweise ungewöhnlich niedrige Werte auf. Die Forscher gehen daher davon aus, dass möglicherweise nicht alle konsumierten Lebensmittel vollständig dokumentiert wurden. Größere und länger angelegte Studien unter stärker kontrollierten Bedingungen wären notwendig, um die Ergebnisse weiter abzusichern.
Trotzdem liefert die Untersuchung ein interessantes Signal für alle, die beim Essen häufiger zu pflanzlichen Alternativen greifen möchten. Für Freizeitsportler spricht nach den Ergebnissen dieser Studie jedenfalls wenig dafür, dass der Ersatz von Fleisch durch pflanzliche Proteinquellen automatisch zu einem Verlust an Ausdauer oder Kraft führt.
Gerade Hochschulen und Mensen könnten daraus Konsequenzen ziehen und ihr pflanzliches Angebot weiter ausbauen. Denn neben der sportlichen Leistungsfähigkeit spielen auch Geschmack, Vielfalt, Kosten und Verfügbarkeit eine wichtige Rolle dabei, ob Menschen pflanzliche Gerichte tatsächlich wählen. Die Studienteilnehmer wünschten sich unter anderem mehr abwechslungsreiche Angebote und bevorzugten teilweise unverarbeitete Lebensmittel wie Bohnen und Tofu gegenüber stark verarbeiteten Fleischersatzprodukten.
Die Botschaft der Studie ist damit weniger „vegan ist besser“ als vielmehr: Wer sportlich aktiv ist, kann auch mit einer gut zusammengestellten pflanzenbasierten Ernährung leistungsfähig bleiben. Für endgültige Aussagen über die langfristige Leistungsfähigkeit und den Spitzensport braucht es aber noch weitere Forschung.