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Offener Brief an die EU-Kommission: Leder muss im Anwendungsbereich der EU-Entwaldungsverordnung bleiben

03.04.2026

Breites zivilgesellschaftliches Bündnis warnt vor Schwächung der Entwaldungsverordnung durch Lobbyismus - Südwind: „Ausnahme für Leder entbehrt jeder Grundlage”

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© jkdberna pixabay.com
Wien -  Gemeinsam mit einem breiten Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen fordert Südwind die EU-Kommission dazu auf, Leder nicht aus dem Anwendungsbereich der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) auszuschließen. „Die Integrität des globalen Waldschutzes darf nicht durch politische Ausnahmen untergraben werden – schon gar nicht als Reaktion auf Industrie-Lobbying“, so Gudrun Glocker, Südwind-Sprecherin für Lieferketten und verweist auf klare Widersprüche, die eine von der Lederindustrie geforderte Ausnahme zur Folge hätte.

„Rinderprodukte zählen zu den wichtigsten Treibern für Entwaldung. Daher wäre es absurd, wenn das Fleisch einer auf abgeholztem Land aufgezogenen Kuh verboten ist, ihre Haut aber problemlos in der EU verkauft werden darf”, erklärt Südwind-Expertin Glocker und hält fest: „Eine Ausnahme für Leder entbehrt jeder Grundlage. Die EUDR muss faktenbasiert und konsequent bleiben!“



Forderungen an die EU-Kommission



Südwind und die unterzeichnenden Organisationen fordern die Kommission auf: 

  • Leder im Anwendungsbereich der EUDR zu belassen – als Teil einer kohärenten, wissenschaftlich fundierten Politik.

  • Industrie-Lobbying zu widerstehen und die Verordnung als Instrument für Klimagerechtigkeit und Menschenrechte zu stärken.

  • Transparenz und Rückverfolgbarkeit in der Lederlieferkette durchzusetzen, um Entwaldung und Menschenrechtsverletzungen zu bekämpfen.



Klare ökologische Grundlage



Die Aufnahme von Rinderprodukten in die EUDR basiert auf klaren ökologischen Fakten: Allein die Ausweitung von Weideland für Rinder war zwischen 2010 und 2022 für 2 Prozent der globalen Entwaldung verantwortlich. Zwischen 2010 und 2022 ging eine Waldfläche in der Größe Spaniens verloren. Die Rohstoffgewinnung für Rinderprodukte macht die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen aus Landnutzung aus. 
Besonders problematisch ist die Situation in Brasilien. Dort ist die Lederindustrie nicht nur ein wirtschaftlicher Schlüsselsektor, sondern auch eng mit Menschenrechtsverletzungen, illegaler Abholzung und Gewalt gegen indigene Gemeinschaften verknüpft.

Gleichzeitig ist die Europäische Union ein zentraler Absatzmarkt für Leder: 2020 wurde Leder aus Brasilien im Wert von 2,5 Milliarden Euro in die EU importiert.



Nachhaltige EU-Vorgaben sind Anreiz für Veränderung



„Der Zugang zum EU-Markt ist ein entscheidender Anreiz für Brasilien, nachhaltigere Praktiken umzusetzen“, so Gudrun Glocker. Tatsächlich haben brasilianische Entscheidungsträger:innen die EUDR bereits als Katalysator für neue Rückverfolgbarkeitssysteme bezeichnet. Diese Systeme, die bereits in einigen Bundesstaaten und bei großen Produzenten wie JBS und Durlicouros existieren, beweisen: Die Rückverfolgung von Leder ist technisch machbar.
„Die Entwaldungsverordung ist ein Meilenstein im Kampf gegen die weltweite Entwaldung. Jetzt gilt es, sie vor faulen Kompromissen und Zugeständnissen an Lobbyisten zu schützen“,
so Gudrun Glocker.

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