Österreichs Trinkwasser unter Druck: Ruf nach klaren Regeln für eine knappe Ressource
Beim Trinkwassergipfel 2026 berieten Bund, Länder, Gemeinden und Wasserversorger über Maßnahmen zur langfristigen Sicherung der Versorgung. Umweltminister Norbert Totschnig betonte, Österreich verfüge weiterhin über eine flächendeckende und sichere Trinkwasserversorgung. Gleichzeitig zeige die aktuelle Entwicklung, wie wichtig Vorsorge, verlässliche Daten und Investitionen in eine klimaresiliente Infrastruktur seien.
Die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) sieht allerdings dringenden Handlungsbedarf bei der rechtlichen Absicherung der Trinkwasserversorgung. „Es muss endlich Schluss sein mit der Vogelstraußpolitik im Wasserbereich. Wir laufen sehenden Auges in eine Versorgungskrise“, warnt ÖVGW-Vizepräsident Nikolaus Sauer.
Drei Maßnahmen für mehr Versorgungssicherheit
Die ÖVGW fordert insbesondere drei zentrale Schritte. An erster Stelle steht ein verbindliches Wasserentnahmeregister, das sämtliche relevanten Grundwasserentnahmen erfasst. Nur wenn bekannt sei, wie viel Wasser von Industrie, Landwirtschaft und anderen Nutzern tatsächlich entnommen werde, könne die Ressource auch nachhaltig bewirtschaftet werden.
„Wir sind hier schon zu lange im Blindflug unterwegs. Jede Entnahme muss über Wasserzähler dokumentiert und nachweisbar kontrolliert werden“, fordert Sauer.
Zweitens verlangt die ÖVGW eine gesetzliche Vorrangstellung der Trinkwasserversorgung in Zeiten von Wasserknappheit. Dafür müsse das Wasserrechtsgesetz angepasst und die Versorgung rechtssicher abgesichert werden. Drittens brauche es eine langfristige nationale Trinkwasserstrategie, die gemeinsam mit Bund, Ländern, Gemeinden, Wasserversorgern und weiteren Interessensgruppen entwickelt wird. Auch Investitionen in Infrastruktur und gezielte öffentliche Kofinanzierungen seien notwendig.
Greenpeace kritisiert fehlende Umsetzung
Deutlich schärfer fällt die Kritik von Greenpeace aus. Die Umweltschutzorganisation wirft Umwelt- und Wasserminister Norbert Totschnig vor, beim Schutz der Wasserressourcen zu langsam zu handeln. Das angekündigte Grundwasser-Entnahmeregister, eine nationale Wasserstrategie und ein wirksames Klimaschutzgesetz seien aus Sicht von Greenpeace weiterhin nicht ausreichend umgesetzt.
„Ein längst überfälliger Verordnungsentwurf schützt noch kein Grundwasser und Spartipps beim Zähneputzen stoppen keine Dürre“, sagt Greenpeace-Wasserexperte Sebastian Theissing-Matei. Die Politik müsse vor allem den Wasserverbrauch großer Nutzer stärker regulieren und den Schutz der Ressource gesetzlich absichern.
Das Ministerium verweist hingegen auf bereits laufende Maßnahmen. Seit 2023 seien mehr als 3.000 Projekte zur Trinkwasserversorgung unterstützt und rund 1,5 Milliarden Euro investiert worden. Zudem soll ein österreichweites Wasserentnahmeregister künftig die Datengrundlage verbessern. Der Entwurf für die entsprechende Verordnung wurde laut Ministerium an die Koalitionspartner übermittelt.
Angesichts der zunehmenden Trockenheit dürfte die Debatte damit weiter an Bedeutung gewinnen. Für die ÖVGW steht fest: Neben Investitionen in Leitungsnetze, Speicher und Quellen brauche es vor allem klare gesetzliche Regeln, verlässliche Daten und einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser und zwar von privaten Haushalten genauso wie von der Landwirtschaft und der Industrie.
Die fortschreitende Klimaveränderung ist eine tickende Uhr, die auch in Österreich das Thema Wasserverbrauch mehr in den Vordergrund rücken sollte.