Österreichs Treibhausgas-Emissionen steigen 2025 wieder an
Wien - Nach mehreren Jahren rückläufiger Treibhausgas-Emissionen zeichnet sich in Österreich für 2025 wieder ein leichter Anstieg ab. Laut der aktuellen Nahzeitprognose des Umweltbundesamtes erhöhten sich die Emissionen gegenüber 2024 um rund 0,7 Prozent beziehungsweise 0,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent. Damit wurden 2025 vorläufig 67,1 Millionen Tonnen Treibhausgase ausgestoßen.
Ein genauerer Blick auf die einzelnen Bereiche zeigt allerdings ein differenziertes Bild. Besonders erfreulich entwickelt sich weiterhin der Verkehr: Die Emissionen gingen 2025 um 6,5 Prozent beziehungsweise rund 1,3 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent zurück. Ein wesentlicher Faktor war der rückläufige Dieselverbrauch. Der Absatz von Dieselkraftstoff sank um 7,3 Prozent, während der Benzinabsatz um 0,7 Prozent zunahm.
Der zunehmende Umstieg auf Elektromobilität trägt damit weiter zur Reduktion der Verkehrsemissionen bei.
Auch im Bereich Energie und Industrie außerhalb des europäischen Emissionshandels gab es einen deutlichen Rückgang. Die Emissionen sanken um 8,6 Prozent beziehungsweise rund 0,4 Millionen Tonnen. Ausschlaggebend war vor allem ein geringerer Erdgasverbrauch der produzierenden Industrie.
Für den Gesamtanstieg waren dagegen vor allem die Gebäude verantwortlich. Nach dem außergewöhnlich warmen Jahr 2024 war 2025 deutlich kühler. Die Zahl der Heizgradtage lag um 12 Prozent höher. Entsprechend stieg der Energiebedarf für die Raumwärme: Der Heizölverbrauch nahm um 9 Prozent, der Erdgasverbrauch zum Heizen um 8 Prozent zu.
Die Emissionen des Gebäudesektors erhöhten sich dadurch um 8 Prozent beziehungsweise rund 0,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent.
Auch in der Landwirtschaft (+1,6 Prozent) und Abfallwirtschaft (+1,7 Prozent) stiegen die Emissionen. In der Landwirtschaft spielten unter anderem ein höherer Mineraldüngerverbrauch und der gestiegene Energieeinsatz von Maschinen eine Rolle. Bei der Abfallwirtschaft gingen die Methanemissionen aus Deponien zwar weiter zurück, gleichzeitig stiegen die Emissionen aus der Abfallverbrennung leicht.
Eine weitere Besonderheit des Jahres 2025 war die schwache Wasserkrafterzeugung. Trockenheit und niedrige Pegelstände der Flüsse führten zu einer deutlich geringeren Stromproduktion aus Wasserkraft. Gleichzeitig wurde die Photovoltaik weiter ausgebaut.
Die Energieversorgung stand zudem weiterhin unter dem Einfluss des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Die Gasversorgung musste auf andere Bezugsquellen umgestellt werden.
„Österreich hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass wir Emissionen erfolgreich reduzieren können. Dass wir nach mehreren Jahren sinkender Emissionen jetzt wieder einen Anstieg sehen, zeigt aber auch klar den aktuellen Handlungsbedarf“, sagt Klimaschutzminister Norbert Totschnig. Der Umstieg von fossilen Energieträgern auf erneuerbaren Strom und erneuerbare Wärme müsse konsequent weitergeführt werden.
“Die aktuellen Berechnungen zeigen für 2025 einen Anstieg der Treibhausgas-Emissionen. Der höhere Heizenergiebedarf und die deutlich geringere Stromerzeugung aus Wasserkraft waren wesentliche Faktoren für diese Entwicklung. Gleichzeitig wirkten die schwache Konjunktur und der Rückgang im Verkehr emissionsmindernd. Das zeigt einmal mehr, wie notwendig es ist, kontinuierlich Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen und Erneuerbare Energieträger auszubauen”, betont DI Günther Lichtblau, Klimaexperte des Umweltbundesamts.
Besonders relevant ist der Blick auf jene Bereiche, die unter die europäische Effort Sharing Regulation (ESR) fallen. Hier sanken die Emissionen 2025 zwar um rund 2,8 Prozent beziehungsweise 1,2 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent. Trotzdem liegt Österreich nach den vorläufigen Berechnungen über seinem zulässigen Jahresbudget.
Für 2025 war eine Höchstmenge von rund 40,7 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent vorgesehen. Diese wurde voraussichtlich um etwa 0,8 Millionen Tonnen überschritten.
Damit zeigt sich: Österreich erzielt in einzelnen Sektoren deutliche Fortschritte, ist insgesamt aber noch nicht auf einem ausreichend stabilen Reduktionspfad.
Anders als bei den ESR-Sektoren entwickelten sich die Emissionen im europäischen Emissionshandel (EU-ETS) negativ. Sie stiegen 2025 gegenüber dem Vorjahr um 1,7 Millionen Tonnen beziehungsweise 6,9 Prozent.
Höhere Emissionen wurden unter anderem bei Kraft- und Fernwärmewerken sowie in der Chemie-, Zement-, Kalk- und Stahlindustrie registriert. Auch Erdgaspipelineverdichter trugen zum Anstieg bei.
Die vorläufigen Zahlen machen deutlich, dass Österreich bei der Klimapolitik nicht nachlassen kann . Bis 2030 müssen die Emissionen in den vom Effort Sharing erfassten Bereichen weiter deutlich sinken. Gleichzeitig steht langfristig die Klimaneutralität auf der Agenda.
Das Umweltbundesamt verweist daher auf die Notwendigkeit rasch wirksamer Maßnahmen in allen Sektoren, wie sie auch im Nationalen Energie- und Klimaplan (NEKP) vorgesehen sind. Neben dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien geht es insbesondere um die Reduktion fossiler Energieträger bei Heizung, Verkehr und Industrie.
Bleiben die unionsrechtlich verbindlichen Klimaziele unerreicht, können für Österreich zudem Kosten durch den notwendigen Ankauf von Emissionszertifikaten entstehen.
Die jetzt präsentierte Nahzeitprognose basiert auf dem Wissensstand von Juli 2026 und ist noch mit Unsicherheiten behaftet. Die endgültigen Zahlen werden mit der Österreichischen Luftschadstoff-Inventur im Jänner 2027 vorliegen.
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