Österreichs Mineralölsteuer-Einnahmen sinken - Straßenerhaltung wird immer teurer
Damit setzt sich ein langfristiger Trend fort. Bereits 2025 waren die Einnahmen aus der Mineralölsteuer mit 3,774 Milliarden Euro auf den niedrigsten Stand seit 2007 gefallen. Für den VCÖ zeigt sich damit zunehmend ein strukturelles Problem: Während die Einnahmen aus fossilem Verkehr zurückgehen, wird die Erhaltung der bestehenden Straßeninfrastruktur immer teurer.
Mineralölsteuer verliert an Bedeutung
Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Blick über mehrere Jahre. Im ersten Halbjahr 2019 nahm der Staat noch 1,971 Milliarden Euro an Mineralölsteuer ein, 2018 waren es 2,116 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr 2019 wurden 4,516 Milliarden Euro verbucht.
2025 waren es dagegen nur noch 3,774 Milliarden Euro. Zum Vergleich: 2023 lagen die Einnahmen bei 4,030 Milliarden Euro, 2022 bei 3,922 Milliarden Euro und 2021 bei 4,366 Milliarden Euro.
„Zu berücksichtigen ist, dass seither die Inflation kumuliert um 62 Prozent gestiegen ist. Wären die Mineralölsteuereinnahmen wie die sonstigen Lebenshaltungskosten seither mit der Inflation gestiegen, wären sie im Vorjahr bei rund sechs Milliarden Euro gelegen“, sagt VCÖ-Experte Michael Schwendinger.
Die Mineralölsteuer wurde zuletzt am 1. Jänner 2011 erhöht. 2026 wurde sie im Zuge der Spritpreisbremse außerdem zusätzlich vorübergehend gesenkt.
Straßen werden älter - und die Klimaschäden nehmen zu
Dem Rückgang der Einnahmen stehen steigende Ausgaben für die Straßeninfrastruktur gegenüber. Das österreichische Landesstraßennetz umfasst fast 34.000 Kilometer, das Gemeindestraßennetz rund 93.500 Kilometer. Viele Straßen, Brücken und Tunnel kommen zunehmend in ein Alter, in dem kostspielige Generalsanierungen notwendig werden.
Besonders teuer ist die Erhaltung von Brücken und Tunneln. Allein auf Österreichs Autobahnen und Schnellstraßen gibt es rund 160 Tunnel und etwa 5.900 Brücken.
Zusätzlich verschärft der Klimawandel die Situation. Häufigere Hitzeperioden, Starkregen und Murenabgänge setzen der Verkehrsinfrastruktur zu.
„Durch den Klimawandel gibt es mehr Extremwetterereignisse. Vermehrte Hitze, Starkregen und Murenabgänge führen zu mehr Straßenschäden“, erklärt Schwendinger.
Hohe Temperaturen können etwa die Lebensdauer von Asphalt verkürzen und Schäden wie Spurrillen und Schlaglöcher begünstigen. Nach Extremwetterereignissen kommen zudem Schäden durch Überflutungen, Hangrutschungen und Muren hinzu. Gerade aus Gründen der Verkehrssicherheit müssen solche Schäden rasch behoben werden.
Instandhaltung kostet bereits fast doppelt so viel
Wie stark die Kosten für die Erhaltung wachsen, zeigen Zahlen der ASFINAG. Auf Autobahnen und Schnellstraßen lagen die Instandhaltungskosten 2025 bei rund 929 Millionen Euro. 2019 waren es noch 494 Millionen Euro. Damit haben sich die Kosten innerhalb von sechs Jahren nahezu verdoppelt.
Für den VCÖ ist angesichts dieser Entwicklung ein Kurswechsel bei der Verkehrsinfrastruktur notwendig. Statt zusätzliche Straßen zu bauen, sollten die verfügbaren Mittel vorrangig für die Erhaltung und Sanierung des bestehenden Netzes eingesetzt werden.
VCÖ fordert Straßenbaumoratorium
Der VCÖ fordert deshalb angesichts der angespannten Budgets von Bund, Ländern, Städten und Gemeinden ein Straßenbaumoratorium.
„Es ist wichtig, dass sich die Straßenbudgets auf die Instandhaltung und Sanierung der Straßen, Brücken und Tunnel fokussieren und beim Neubau auf die Stopptaste drücken“, so Schwendinger.
Jede zusätzliche Straße verursache nicht nur Baukosten, sondern langfristig auch weitere Kosten für Betrieb, Wartung und Sanierung. Gleichzeitig seien neue Straßen nicht zwangsläufig die effizienteste Antwort auf Verkehrsprobleme.
Stattdessen fordert der VCÖ Maßnahmen, die mehr Menschen mit weniger Ressourcen transportieren können.
Öffentlicher Verkehr und Fahrgemeinschaften gegen Staus
Ein wichtiger Hebel ist aus Sicht des VCÖ eine stärkere Nutzung des öffentlichen Verkehrs. Ein Bus mit 50 Fahrgästen könne bei der derzeitigen durchschnittlichen Pkw-Besetzung rund 43 Autos ersetzen.
Auch Fahrgemeinschaften könnten die Zahl der Fahrzeuge auf den Straßen deutlich reduzieren. Würden künftig durchschnittlich zwei Personen statt einer Person in einem Auto sitzen, könnte sich die Zahl der benötigten Pkw laut VCÖ im Vergleich zum heutigen Niveau um rund 40 Prozent reduzieren. Damit ließen sich Staus reduzieren, ohne dafür zusätzliche Straßen bauen zu müssen.
Verkehrspolitik vor einer doppelten Herausforderung
Die Entwicklung der Mineralölsteuer zeigt zugleich einen grundlegenden Wandel im österreichischen Verkehrssystem. Einnahmen aus dem fossilen Kraftstoffverbrauch gehen zurück, während die Kosten für eine alternde Infrastruktur und die Folgen des Klimawandels steigen.
Für die Verkehrspolitik stellt sich damit immer mehr die Frage, wie ein Straßennetz finanziert werden soll, dessen Erhaltung immer teurer wird, während eine wichtige Einnahmequelle des Staates an Bedeutung verliert.
Aus Sicht des VCÖ sollte die Antwort nicht im weiteren Ausbau der Straßeninfrastruktur liegen. Vorrang müssten die Sanierung des bestehenden Netzes, Klimaanpassung und eine effizientere Nutzung der vorhandenen Verkehrsinfrastruktur haben.
Die Zahlen zeigen ein wachsendes Spannungsfeld auf: Weniger Einnahmen aus fossiler Mobilität treffen auf steigende Kosten für Straßen - und der Klimawandel verschärft beide Herausforderungen.
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