Österreichs größter Second-Life-Batteriespeicher startet in Wien
Rund 400 Batteriemodule sind in dem stationären Großspeicher gebündelt. Mit einer Leistung von einem Megawatt und einer Kapazität von vier Megawattstunden nimmt die Anlage überschüssigen Strom der angrenzenden Photovoltaikanlage auf und speist ihn bei Bedarf wieder ins Stromnetz ein.
Die PV-Anlage erstreckt sich über eine Fläche von rund zwei Fußballfeldern und umfasst etwa 4.000 Solarmodule. Sie produziert jährlich so viel Solarstrom, dass damit rechnerisch rund 400 Wiener Durchschnittshaushalte versorgt werden könnten.
Für den Second-Life-Speicher kommen derzeit Batteriemodule aus Überschussbeständen zum Einsatz. Die Verfügbarkeit gebrauchter E-Auto-Batterien ist noch begrenzt. Mit dem zunehmenden Bestand an Elektrofahrzeugen dürfte sich das jedoch ändern. In den kommenden Jahren wird die Zahl der Batterien, die nach ihrem Einsatz im Fahrzeug noch über ausreichende Restkapazitäten verfügen, deutlich steigen.
Genau hier setzt das Konzept von Wien Energie an: Batterien, deren Leistung für die hohen Anforderungen eines Elektroautos nicht mehr ausreicht, können stationär noch viele Jahre als Energiespeicher eingesetzt werden. Laut Wien Energie lässt sich ihre Nutzungsdauer dadurch um weitere zehn bis zwölf Jahre verlängern.
„Mit Österreichs größtem Second-Life-Batteriespeicher treiben wir die regionale Speicherung von Ökostrom in der Stadt weiter voran und setzen zugleich ein starkes Zeichen für eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft“, sagt Wien-Energie-Geschäftsführer Sascha Zabransky. Noch funktionsfähige Batterien würden so als leistungsfähige Energiespeicher ein zweites Leben erhalten.
Neben der Speicherung von Solarstrom steht damit auch die Ressourcenschonung im Mittelpunkt. Werden Batterien länger genutzt, können wertvolle Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel effizienter eingesetzt werden. Die Wiederverwendung verbindet damit den Ausbau erneuerbarer Energien mit dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft.
Gesteuert werden die einzelnen Batteriemodule in einem stationären Container durch ein Batterie-Management-System. Der Speicher kann überschüssige Solarenergie aufnehmen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder zur Verfügung stellen. Damit soll er helfen, die schwankende Erzeugung aus erneuerbaren Energien besser mit dem Strombedarf in Einklang zu bringen.
Das Projekt ist der erste Second-Life-Energiespeicher von Wien Energie und entstand aus einer internen Innovations-Challenge. Planung, Betrieb und Vermarktung übernimmt das Unternehmen selbst. Unterstützt wurde das Projekt durch den Wiener Stadtwerke Zukunftsfonds und den Klima- und Energiefonds.
Wien Energie setzt parallel auf den Ausbau weiterer Speichertechnologien. Der derzeit größte elektrochemische Speicher des Unternehmens steht bei der Photovoltaikanlage Schafflerhofstraße im 22. Bezirk. Er verfügt über fünf Megawatt Leistung und eine Kapazität von zwölf Megawattstunden.
Bis Ende 2026 sollen weitere Großspeicher mit insgesamt 25 Megawatt Leistung und 50 Megawattstunden Kapazität folgen. Damit will Wien Energie die wachsende Produktion von Solar- und Windstrom flexibler nutzbar machen – und zugleich neue Wege für eine ressourcenschonende Nutzung von Batterien eröffnen.