Österreich kritisiert EU-Pläne für kleine Atomreaktoren
Diese sollen künftig ein wichtiger Bestandteil der europäischen Energie- und Klimapolitik werden. Österreich lehnt diesen Kurs jedoch entschieden ab und warnt vor hohen Kosten, langen Entwicklungszeiten und ungelösten Sicherheitsfragen.
Grundlage der österreichischen Kritik ist eine neue Studie des Umweltbundesamts zu den „Rahmenbedingungen für kleine modulare Reaktoren in den Euratom-Mitgliedstaaten“. Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz hatte die Untersuchung beauftragt, um Kostenentwicklung, Marktpotenzial und die praktische Umsetzbarkeit von SMRs in Europa zu analysieren.
Die EU-Kommission plant unter anderem, das Förderprogramm InvestEU bis 2028 um zusätzliche 200 Millionen Euro aufzustocken, um erste kommerzielle SMR-Projekte zu unterstützen. Österreich spricht sich jedoch klar gegen die Verwendung von EU-Gemeinschaftsmitteln für Atomtechnologien aus.
Umweltminister Norbert Totschnig betont, dass kleine modulare Reaktoren weder kurzfristig verfügbar noch wirtschaftlich konkurrenzfähig seien. „Die Studie zeigt klar: Small Modular Reactors sind weder eine rasch verfügbare noch eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung für die aktuellen klima- und energiepolitischen Herausforderungen Europas“, erklärte Totschnig. Statt Milliarden in eine Technologie zu investieren, die sich noch in der Entwicklungsphase befinde, solle Europa auf bewährte erneuerbare Energien setzen.
Auch das Umweltbundesamt sieht derzeit keinen realistischen Beitrag der SMR-Technologie zur schnellen Dekarbonisierung Europas. Geschäftsführerin Verena Ehold verweist darauf, dass sich kein einziger SMR in Europa im Betrieb oder Bau befindet. Viele Konzepte seien noch weit von einer Marktreife entfernt. „SMRs werden auf absehbare Zeit weder wirtschaftlich noch in ausreichendem Umfang verfügbar sein“, so Ehold.
Die Studie kommt zu mehreren zentralen Ergebnissen:
- Ein breiter kommerzieller Einsatz von SMRs in Europa gilt frühestens ab den 2040er-Jahren als realistisch.
- SMRs können daher keinen relevanten Beitrag zur kurzfristigen Erreichung der europäischen Klimaziele leisten.
- Internationale Projekte zeigen bereits jetzt massive Kostensteigerungen und Verzögerungen.
- Im Vergleich zu erneuerbaren Energien seien SMRs deutlich teurer und wirtschaftlich kaum konkurrenzfähig.
- Eine europäische Produktionsindustrie für SMRs existiert derzeit nicht und müsste erst aufgebaut werden.
- Unterschiedliche Sicherheits- und Zulassungsstandards innerhalb der EU erschweren zusätzlich eine einheitliche Serienproduktion.
Österreich fordert außerdem, dass für kleine modulare Reaktoren dieselben strengen Sicherheitsanforderungen gelten müssen wie für große Atomkraftwerke. Insgesamt bewertet die Studie einen breiten wirtschaftlichen Einsatz von SMRs in Europa unter den derzeitigen Bedingungen als „höchst fragwürdig“.