Niederösterreich bekommt neue Akkuzüge: Mehr Komfort für Kamptal- und Erlauftalbahn
Bussnang/St. Pölten – Auf Niederösterreichs Regionalbahnen kündigt sich ein deutlicher Generationenwechsel an. Ab 2028 sollen insgesamt 23 neue Cityjet-Akkutriebzüge von Stadler unterwegs sein. Die ersten 16 Garnituren sind für die Kamptalbahn vorgesehen, weitere sieben sollen auf der Erlauftalbahn und der Verbindung nach St. Pölten zum Einsatz kommen.
Niederösterreichs Verkehrslandesrat LH-Stellvertreter Udo Landbauer hat die Fahrzeuge bei einem Besuch im Stadler-Werk im schweizerischen Bussnang besichtigt. Dort werden die neuen Akkuzüge gefertigt.
Die ersten 16 Akkutriebzüge sollen ab 2028 auf der Regionalzuglinie R44 eingesetzt werden. Sie verkehren auf der Kamptalbahn zwischen Horn, Krems und St. Pölten sowie zwischen Horn und Sigmundsherberg – zunächst bis zur geplanten Direktanbindung Horns.
Weitere sieben Fahrzeuge sind für die Regionalzuglinie R57 auf der Erlauftalbahn zwischen Scheibbs und Pöchlarn sowie für die R52 Richtung St. Pölten vorgesehen.
Die neuen Züge werden von der ÖBB-Personenverkehr AG bei Stadler beschafft und gemeinsam von Bund und Land Niederösterreich finanziert. Die neuen Züge sollen vor allem bei Komfort, Platzangebot und Barrierefreiheit einen deutlichen Fortschritt bringen.
Die dreiteiligen Akkutriebzüge sind rund 63 Meter lang und bieten 163 Sitzplätze. Ihre Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 km/h. Auch bei der Ausstattung orientieren sich die Fahrzeuge an modernen Regionalverkehrsstandards. Dazu gehören:
- niveaugleiche Einstiege,
- moderne Fahrgastinformation,
- WLAN,
- Steckdosen,
- ein barrierefreies WC,
- zwei Rollstuhlplätze,
- großzügige Mehrzweckbereiche,
- Platz für bis zu zwölf Fahrräder beziehungsweise acht Kinderwagen.
Damit sollen die Züge nicht nur Pendlerinnen und Pendler ansprechen. Gerade für Familien, Radfahrende und Menschen mit eingeschränkter Mobilität soll der Umstieg auf die Bahn einfacher werden.
Alte Dieselzüge werden ersetzt
Besonders relevant ist die neue Flotte angesichts des Alters der derzeit eingesetzten Fahrzeuge. Auf den nicht elektrifizierten Strecken sind teilweise noch Triebwagen der Baureihe 5047 aus den 1980er-Jahren sowie nicht barrierefreie Wendezüge mit Diesellokomotiven unterwegs.
Rund die Hälfte der heute noch eingesetzten, nicht barrierefreien Züge aus den 1980er-Jahren soll durch die neuen Fahrzeuge ersetzt werden.
Damit geht es bei der Anschaffung nicht nur um eine Modernisierung des Komforts, sondern auch um einen schrittweisen Abschied von einer Fahrzeugflotte, die teilweise seit Jahrzehnten im Regionalverkehr eingesetzt wird.
Akkubetrieb als Alternative zur vollständigen ElektrifizierungDie neuen Fahrzeuge sind insbesondere für Strecken interessant, auf denen eine durchgehende Elektrifizierung bisher fehlt. Statt ausschließlich auf Dieselantrieb zu setzen, können Akkuzüge auch auf nicht elektrifizierten Abschnitten fahren und ihre Batterien auf elektrifizierten Streckenteilen beziehungsweise an entsprechenden Ladepunkten nachladen.
Damit eröffnet die Technologie eine Möglichkeit, den Bahnbetrieb auch auf Nebenstrecken schrittweise von fossilen Antrieben wegzubringen, ohne jede Strecke sofort vollständig mit Oberleitungen ausstatten zu müssen.
Gleichzeitig setzt Niederösterreich auch auf klassische Elektrifizierung: Mit der Elektrifizierung der Traisentalbahn soll das Regionalbahnnetz im Raum St. Pölten bis Anfang 2029 vollständig barrierefrei modernisiert werden.
Für das Land NÖ. ist die neue Flotte deshalb Teil einer größeren Strategie für den Regionalverkehr. Die Bahn soll nicht nur zwischen einzelnen Orten pendeln, sondern Regionen besser miteinander verbinden.
Besonders die geplante durchgehende R44 von Horn über Krems nach St. Pölten soll langfristig aufgewertet werden. Perspektivisch ist dabei ein Halbstundentakt vorgesehen.
Die neuen Akkuzüge sind damit ein Baustein der niederösterreichischen „Bahnoffensive“ – und könnten zeigen, wie sich auch nicht elektrifizierte Regionalbahnstrecken modernisieren lassen: mit komfortableren Fahrzeugen, weniger Abhängigkeit vom Diesel und einem besseren Angebot für die Fahrgäste.
Beeginned soll Der Generationenwechsel auf Niederösterreichs Regionalbahnen ab 2028,