Neues Trinkwasserkraftwerk in Döbling liefert klimafreundlichen Strom aus Hochquellwasser
„Wien treibt die Energiewende voran, um bis 2040 klimaneutral zu werden. Dazu nutzen wir jede erneuerbare Energiequelle – auch das Wiener Hochquellwasser“, betont Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky. Das Wasser fließe aus den Alpen im freien Gefälle nach Wien und überwinde dabei zahlreiche Höhenunterschiede. Diese natürliche Energie werde genutzt, um sauberen Strom zu erzeugen.
Das neue Kraftwerk am Hungerberg setzt auf eine innovative Technologie: Vier Pumpen werden als Turbinen betrieben und wandeln die Bewegungsenergie des Wassers in elektrische Energie um. Der erzeugte Strom wird direkt ins öffentliche Netz eingespeist.
Die Anlage erfüllt dabei eine Doppelfunktion. Neben der Stromerzeugung kann sie bei Bedarf auch als Pumpwerk eingesetzt werden. Das ist etwa dann erforderlich, wenn Wartungsarbeiten an den Hochquellenleitungen durchgeführt werden. In solchen Fällen wird das Trinkwasser in höher gelegene Wasserbehälter gepumpt, um die Versorgung jederzeit sicherzustellen.
„Mit den Investitionen in die Infrastruktur sichert Wiener Wasser die Wasserversorgung für die Zukunft und trägt wesentlich zu den Klimazielen der Stadt bei“, erklärt Gemeinderätin Susanne Haase.
Die mittlerweile 17 Trinkwasserkraftwerke entlang der beiden Hochquellleitungen sowie im Wiener Stadtgebiet erzeugen gemeinsam bereits beachtliche Mengen an Ökostrom. Laut Wiener Wasser reicht die Jahresproduktion inzwischen aus, um den Strombedarf einer Stadt in der Größenordnung von Wiener Neustadt mit rund 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern zu decken.
Für NEOS-Energiesprecher Stefan Gara ist das Projekt ein Musterbeispiel nachhaltiger Energiepolitik: „700 Haushalte werden mit Ökostrom versorgt – aus einer Infrastruktur, die bereits vorhanden ist. Das zeigt, wie bestehende Ressourcen intelligent genutzt werden können.“
Weitere Kraftwerksstandorte werden bereits geprüft oder geplant. Unter anderem wird die Errichtung einer zusätzlichen Anlage beim Wasserbehälter Rosenhügel untersucht.
Auch auf Bezirksebene wird das neue Kraftwerk als wichtiger Schritt für die Energiewende gesehen. „Die Trinkwasser-Infrastruktur in unserem Bezirk wird laufend saniert und ausgebaut. Damit ist die Versorgung für die Döblingerinnen und Döblinger langfristig gesichert“, sagt Döblings Bezirksvorsteher Daniel Resch.
Seine Stellvertreterin Mahboobeh Bayat verweist auf die Bedeutung lokaler Maßnahmen für die Klimaziele der Stadt: „Für die Klimaneutralität 2040 müssen wir an vielen Stellschrauben drehen. Auch in Döbling leisten wir dazu einen wichtigen Beitrag.“
Neben der Wasserkraft setzt Wiener Wasser zunehmend auf Solarenergie. Bereits 2020 wurde auf dem Wasserbehälter Unterlaa die damals größte Photovoltaikanlage Wiens eröffnet. Im vergangenen Jahr gingen gemeinsam mit Wien Energie weitere Anlagen in Moosbrunn und am Buchberg in Betrieb.
Der Ausbau soll fortgesetzt werden: Bis Ende 2026 ist die Errichtung einer weiteren Photovoltaikanlage auf dem Wasserbehälter Schafberg in Hernals geplant.
„Die Produktion von klimafreundlichem Strom hat bei Wiener Wasser eine lange Tradition. Gleichzeitig bauen wir unseren Beitrag zur erneuerbaren Energieversorgung kontinuierlich aus“, betont Wiener-Wasser-Direktor Paul Hellmeier.
Mit dem neuen Trinkwasserkraftwerk am Hungerberg verbindet Wien zwei zentrale Zukunftsaufgaben: die sichere Versorgung mit hochwertigem Trinkwasser und die Erzeugung erneuerbarer Energie. Das Projekt zeigt, wie bestehende Infrastruktur einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten kann – ohne zusätzliche Flächen zu verbrauchen oder in natürliche Lebensräume einzugreifen.