Neue Gaskraftwerke: Die Rechnung kommt mit der Klimakrise
Dazu kommen Klimaschäden von bis zu 127 Milliarden Euro, die der Gesellschaft aufgebürdet werden, wenn die Kraftwerke wie geplant bis 2045 laufen.
Berlin - Während Deutschland die Kosten des Hitzesommers 2026 trägt, plant die Bundesregierung Milliardensubventionen für den Neubau fossiler Gaskraftwerke. Eine neue Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigt, dass diese Strategie erhebliche zusätzliche Kosten für Klimaschäden verursachen könnte. Die Studie analysiert die ersten beiden Ausschreibungsrunden des Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetzes (StromVKG), mit denen 9 Gigawatt gesicherte Kraftwerksleistung entstehen sollen.
Laut FÖS verursachen diese Gaskraftwerke bis 2045 – unter Berücksichtigung des 20-jährigen Treibhauspotentials von Methan – Treibhausgasemissionen von 72 bis 125 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten. Die nicht durch CO₂-Preise gedeckten Klimaschäden belaufen sich auf 19 bis 127 Milliarden Euro.
Ein Hauptproblem sind Methanemissionen entlang der Erdgas-Lieferkette. Methan entweicht bei Förderung, Verarbeitung und Transport und wirkt kurzfristig deutlich klimaschädlicher als CO₂. Werden diese Vorkettenemissionen berücksichtigt, fällt die Klimabilanz neuer Gaskraftwerke deutlich schlechter aus als bei der reinen Betrachtung der Kraftwerksemissionen.
Carolin Schenuit, geschäftsführende Vorständin des FÖS, warnt: „Der Hitzesommer 2026 zeigt, wie teuer die Klimakrise bereits heute ist. Umso problematischer ist es, wenn neue staatlich geförderte Gaskraftwerke weitere Klimaschäden verursachen, die in der Debatte nicht erwähnt werden. Wer langfristig Versorgungssicherheit schaffen will, muss die Ausschreibungen so gestalten, dass klimafreundliche Flexibilitätsoptionen eine realistische Chance haben. Andernfalls zahlen Verbraucher*innen doppelt: für die Förderung fossiler Kapazitäten und für die Folgekosten der Klimakrise. “
Florian Zerzawy, Leiter Energiepolitik beim FÖS und Hauptautor der Studie, ergänzt: „Methan ist der blinde Fleck der Erdgasnutzung. Die Emissionen entstehen nicht erst im Kraftwerk, sondern bereits bei Förderung, Verarbeitung und Transport. Eine ehrliche Klimabilanz muss diese Vorketten vollständig einbeziehen. Andernfalls erscheinen Gaskraftwerke sauberer, als sie sind. Eine Methanabgabe würde die tatsächlichen Klimakosten von Methan sichtbar machen und Investitionen in die Vermeidung von Leckagen belohnen. Das FÖS hat bereits einen konkreten Vorschlag vorgelegt, wie diese Abgabe gestaltet werden könnte.“
Das FÖS fordert, das StromVKG zu überarbeiten. Die Ausschreibungskriterien sollten technologieoffen gestaltet werden, damit auch Batteriespeicher, flexible Biogasanlagen und andere klimafreundliche Kapazitäten eine faire Chance erhalten. Zudem braucht es verbindliche Fahrpläne für die frühzeitige Umstellung auf grünen Wasserstoff. Finanzielle Anreize müssen die Transformation deutlich vor 2040 anstoßen.
Auch auf EU-Ebene besteht Handlungsbedarf. Die Methanverordnung der EU muss ambitioniert umgesetzt und darf nicht verwässert werden. Die Methanintensität von Gasimporten muss wirksam begrenzt werden. Eine Methanabgabe könnte zusätzlich Anreize schaffen, Leckagen schnell zu schließen und kostengünstige Minderungsmaßnahmen umzusetzen.
Link zur Studie: foes.de/publikationen/2026/2026-09-03_FOES_DUH_Klimakosten_Gaskraftwerke.pdf
Link zum Methanabgabe-Vorschlag: foes.de/publikationen/2021/2021-09_28_FOES_Pricing-Methane.pdf