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Nahrungsmittel, die die weltweite Entwaldung vorantreiben

16.04.2026

Der Anbau von Nutzpflanzen wie Mais, Reis und Maniok trägt stärker zur Entwaldung bei als wichtige Exportgüter wie Kakao, Kaffee und Kautschuk.

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© Kanenori pixabay.com

Dies belegen Forscher der Chalmers-Universität in der bisher umfassendsten globalen Kartierung der Auswirkungen verschiedener Rohstoffe auf die Entwaldung. Die Studie bestätigt den erheblichen Einfluss der Fleischproduktion, deckt aber auch mehrere bisher übersehene Ursachen der Entwaldung auf.

Unsere Nahrungsmittelproduktion ist die Hauptursache für die Entwaldung weltweit, doch bisher fehlte es an einer detaillierten Kartierung, welche Nutzpflanzen in welchen Ländern zur Entwaldung beitragen.

Chandrakant Singh, Forscher an der Chalmers-Universität, ist Erstautor einer neuen Studie, die diese Wissenslücke schließt. Gemeinsam mit seinem Kollegen Martin Persson, der über umfangreiche Erfahrung in der Erforschung der Rohstoffe verfügt, die die Entwaldung vorantreiben, entwickelte er das Modell „Deforestation Driver and Carbon Emissions “ (DeDuCE). Das Modell verknüpft Agrarprodukte mit Daten zur globalen Entwaldung.
 

„Die Zusammenhänge zwischen Entwaldung und Nahrungsmittelproduktion werden seit Langem erforscht, konzentrierten sich dabei aber oft auf wenige bekannte Produkte wie Rindfleisch, Soja und Palmöl sowie auf bestimmte Regionen wie Brasilien oder Indonesien. In unserer Studie haben wir umfangreiche Satellitendaten zur Landnutzung mit Agrarstatistiken kombiniert und so das bisher umfassendste und genaueste Bild der weltweiten Ursachen der Entwaldung gewonnen“, erklärt Chandrakant Singh.
 

Das Modell umfasst 179 Länder und 184 Rohstoffe. Es zeigt, dass zwischen 2001 und 2022 insgesamt 122 Millionen Hektar Wald durch landwirtschaftliche Abholzung verloren gingen – mehr als 80 Prozent davon in den Tropen. Die Studie bestätigt bisherige Erkenntnisse über die Hauptursachen der Entwaldung: die Rodung von Wäldern zur Schaffung von Weideland für die Fleischproduktion sowie die Produktion wichtiger Exportgüter wie Soja und Palmöl. Die Studie liefert aber auch einige unerwartete Ergebnisse.
 

Grundnahrungsmittel haben einen großen Einfluss auf die Entwaldung

Die Studie zeigt, dass Grundnahrungsmittel für den Inlandsmarkt einen größeren Einfluss auf die Entwaldung haben als viele wichtige Exportgüter. Mais, Reis und Maniok sind zusammen für rund elf Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Entwaldung verantwortlich, während der Anteil von Kakao, Kaffee und Kautschuk zusammen unter fünf Prozent liegt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Rohstoffen, wie etwa Palmöl in Südostasien und Sojabohnen in Südamerika, konzentriert sich die mit Grundnahrungsmitteln verbundene Entwaldung nicht auf bestimmte Regionen, sondern ist über große Teile der Erde verteilt.
 

„In der Debatte um die Entwaldung ging es bisher vor allem darum, wie wir in den reichen Ländern durch unsere Importe zur Entwaldung beitragen, und das ist absolut wichtig. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass ein Großteil der Entwaldung auf die landwirtschaftliche Produktion für den Inlandsmarkt zurückzuführen ist. Um die Entwaldung wirklich zu reduzieren, müssen wir also auch in den Erzeugerländern aktiv werden“, sagt Martin Persson.

Die Forscher hoffen, dass die Ergebnisse eine wichtige Entscheidungshilfe für Behörden und Unternehmen darstellen können, die Maßnahmen zur Reduzierung der Entwaldung ergreifen wollen.
 

„Unsere Daten zeigen, wo die Risiken liegen und wo Interventionen am dringendsten benötigt werden. Ziel des Modells ist es, Forscher, Entscheidungsträger, Unternehmen und die Zivilgesellschaft miteinander zu vernetzen“, sagt Chandrakant Singh.
 

Die Emissionen aus der Entwaldung sind geringer als erwartet

 

Die Studie liefert zudem ein detailliertes Bild der durch die Abholzung von Wäldern im Zusammenhang mit land- und forstwirtschaftlichen Produkten verursachten Kohlendioxidemissionen. Landwirte und Viehzüchter roden Waldflächen häufig durch Brandrodung, wodurch der in der Vegetation gespeicherte Kohlenstoff als Kohlendioxid freigesetzt wird. 

Die Emissionen werden für den Zeitraum von 2001 bis 2022 auf rund 41 Milliarden Tonnen Kohlendioxid geschätzt, was einem Durchschnitt von fast 2 Milliarden Tonnen pro Jahr entspricht. Dies ist deutlich niedriger als in früheren globalen Erhebungen, in denen die jährlichen Kohlendioxidemissionen auf mehr als das Doppelte geschätzt wurden. Laut Chandrakant Singh lässt sich der Unterschied durch die detailliertere Methodik der Studie im Vergleich zu früheren Berechnungen erklären.
 

„Doch auch wenn die Zahl niedriger ist als frühere Schätzungen, verursacht die landwirtschaftlich bedingte Entwaldung immer noch rund fünf Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen“, sagt er.
 

Ziel ist ein weiter verbessertes Modell

 

Die Forscher schätzen, dass das Modell künftig neben Lebensmitteln auch weitere Güter abdecken kann.

„Wir sehen die Notwendigkeit, die Analyse über Ernährung und Landwirtschaft hinaus auszuweiten. Ein Beispiel sind der Bergbau- und der Energiesektor, die zunehmend sowohl direkt als auch indirekt zur Entwaldung beitragen. So erhalten wir ein umfassenderes Bild davon, welche Wirtschaftstätigkeiten weltweit Druck auf die Wälder ausüben“, sagt Chandrakant Singh.

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